Aufsatz 
Die Düngung der Obstbäume
Entstehung
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möglichſt in den Bereich der Wurzeln zu bringen, was wir auf demſelben Wege erreichen können, wie bei dem Stallmiſt, nämlich durch 20 25 cm tiefes Untergraben. Da aber ein ſolches Verfahren bei Gras⸗ ländereien mit erheblichen Unkoſten und Umſtänden verbunden iſt, ſo wendet man in neuerer Zeit ſehr häufig die ſogenannteUntergrundsdüngung an, welcher Name allerdings nicht gerade glücklich ge⸗ wählt iſt. Man gräbt zu dieſem Zwecke mit dem Spaten oder noch beſſer mit dem gewöhlichen Erdbohrer in Abſtänden von etwa 1 m überall unter der Krone des Baumes Löcher von 4050 cm Tiefe und füllt dieſelben mit der Jauche voll. Von dieſen Löchern aus, welche am vorteilhafteſten kurz über dem Hauptwurzelnetz enden ſollen, verteilt ſich nun der flüſſige Dünger nach allen Seiten bis zu den Wurzeln, ſodaß der Baum alsdann mit Leichtigkeit die gebotenen Nährſtoffe aufnehmen kann.

Von den phosphorſäurehaltigen Düngern kommen bei dieſer Düngungsweiſe ſelbſtverſtändlich nur diejenigen in Betracht, welche die Phosphorſäure in waſſerlöslicher Form enthalten, wie die Super⸗ phosphate. Sollte man indeſſen auch die Thomasſchlacke und das Knochenmehl zur Verwendung heran⸗ ziehen wollen, ſo iſt es geboten, dieſe beiden Düngemittel etwa 56 Wochen vor der beabſichtigten Untergrundsdüngung der Jauche beizumiſchen, damit durch die Verweſungsproceſſe, welche in der letzteren ſtetig erfolgen, auch die Phosphorſäure des Knochenmehls und der Thomasſchlacke teilweiſe gelöſt wird.

Um nicht immer die genannten Löcher bohren zu müſſen, hat man auch ſogen., aus Thon oder Blech beſtehende Dungröhren angefertigt, deren Wandungen durchbohrt ſind und welche in die Löcher ein⸗ laſſen werden. Ich glaube nicht, daß dieſes Verfahren unter unſeren jetzigen Verhältniſſen praktiſche Be⸗ deutung erlangen wird, da dieſeWurzelſpeiſer viel zu teuer ſind, um bei einem nur halbwegs ausge⸗ dehnten Obſtbaue umfangreichere Verwendung finden zu können.

Von den ſelbſterzeugten Dungſtoffen kommt dann weiter bei der Düngung der Obſtbäume der Kompoſt in Betracht. Derſelbe enthält in reifem Zuſtande nicht allein alle Nährſtoffe, ſondern dieſe zugleich auch in leichtlöslicher, raſch wirkender Form, wie bereits früher hervorgehoben wurde. Daraus geht hervor, daß die Verwendung des Kompoſtes als Baumdünger zu derſelben Zeit zu erfolgen hat, wie die⸗ jenige der Jauche, alſo am vorteilhafteſten in den Monaten März bis Mai, da alsdann noch eine hinreichende Verbreitung der Nährſtoffe durch das Bodenwaſſer und den auffallenden Regen bis in das Wurzelnetz des Baumes erfolgen kann. Auch in den Sommenmonaten mag es noch angebracht ſein, eine Kompoſtdüngung zu geben, während ich dagegen nicht eine ſolche im Herbſte oder im Winter empfehlen möchte, da alsdann diejenigen Pflanzennährſtoffe, welche von dem Boden nicht zurückgehalten werden können, durch die großen Waſſermaſſen in den Untergrund entführt werden. Solches gilt in Sonderheit für den Stickſtoff, der in reifem Kompoſte zum großen Teile als Salpeterſäure vorhanden iſt, für welche die Ackererde keine zurückhaltende Kraft zeigt.

Bezüglich der Frage, wie mit Kompoſt gedüngt werden ſoll, iſt zu erwähnen, daß derſelbe eben⸗ falls am beſten durch Untergraben in den Bereich der Wurzeln gebracht wird, um dadurch zu verhindern, daß etwa die auflaufenden Unkräuter den Hauptnutzen von der Düngung ziehen, wie es der Fall iſt, wenn wir den Kompoſt oben aufbringen. Ferner iſt in Hinſicht auf die zuletzt genannte Düngungsweiſe in Erwägung zu ziehen, daß die Phosphorſäure und das Kali leicht vom Boden abſorbiert werden und daher dieſe für einen reichlichen Fruchtanſatz wichtigen Nährſtoffe ſchwerlich bis zu den Wurzeln herabdringen können. Sollte es ſich um Grasländereien handeln, ſo iſt auch bei dem Kompoſt eine Untergrundsdüngung zuläſſig. Man füllt alsdann die ausgehobenen Löcher mit dem genannten Dünger und gießt noch außer⸗ dem, beſonders wenn die Düngung in den Sommermonaten erfolgt, Waſſer hinzu, um dadurch eine beſſere Verteilung der Nährſtoffe im Boden zu bewirken.

Die pr. Ctr. Stallmiſt, Jauche und Kompoſt zu verwendenden Mengen von phosphorſäure⸗. bezw. kalihaltigen Düngemitteln ſind ungefähr dieſelben, wie bei der Errichtung des Saatbeetes und der Baumſchule.

Stallmiſt, Jauche, Latrinen und Kompoſt in zweckentſprechender Verbindung mit den künſtlichen Düngemitteln ſind nach all dem Geſagten beſonders geeignet, einem Baumgrundſtücke jene Beſchaffenheit zu geben, welche dauernd hohe Exrträge in Ausſicht ſtellt. Leider verfügen nur wenige Baumgutsbeſitzer über die notwendigen Mengen von ſelbſterzeugten Dungſtoffen, ſodaß ſich die Mehrzahl derſelben gezwungen ſieht, ſolche durch künſtliche Düngemittel teilweiſe, womöglich vollſtändig, zu erſetzen, um das Nähr⸗ ſtoffbedürfnis des Baumes zu decken.

Gilt es, dem Boden etwa fehlenden Stickſtoff zuzuführen, was der Fall ſein wird, wenn der Baum ein mangelhaftes Wachstum und eine mattgrüne Färbung der Blätter aufweiſt, ſo ſteht uns zu dieſem Zwecke der Chiliſalpeter und das ſchwefelſaure Ammoniak zur Verfügung.

Am ſchnellſten wirkt der Chiliſalpeter; derſelbe enthält 15 16% Stickſtoff als ſalpeter⸗ ſaures Natron, alſo in einer Form, in welcher die Pflanzen dieſen Nährſtoff ohne weiteres zu Pflanzen⸗