— XII—
Dingen für eine reiche Fruchtknoſpenbildung, bezw. für einen guten Fruchtanſatz, von außerordentlichem Werte iſt, inſofern nur dann die höchſten Leiſtungen von einem Lebeweſen erwartet werden können, wenn dasſelbe während der ganzen Entwickelungsperiode gleichmäßig reichlich mit Nahrungv erſehen wird, wie bereits früher eingehend erörtert worden iſt. Eine nur zeitweiſe, kräftige Ernährung des Baumes hat allein den Abei und Erfolg, die nachteilige Wirkung der vorausgegangenen, kärglichen Nahrungszufuhr wieder auf⸗ zuheben.
Die ſogenannte Spätſommerdüngung(Auguſt bis September) kann demnach ſchwerlich auf den Blütenknoſpenanſatz günſtig einwirken, wie in neuerer Zeit vielfach behauptet worden iſt, zumal die meiſten Blütenknoſpen bereits mit Beginn des Dickenwachstums, alſo etwa von Mitte Juli an, in der Anlage vorhanden ſind. Eher könnte dieſe Spätſommerdüngung dazu beitragen, die ſchon vorhandenen Blütenknoſpen recht kräftig auszubilden, vorausgeſetzt, daß die gegebenen Dungſtoffe noch während dieſer Zeit zur Wirkung gelangten. Letzteres möchte jedoch beim Stallmiſt nur ausnahmsweiſe der Fall ſein, da gerade in den genannten Monaten im Boden unter der Krone des Baumes in der Regel ein derartiger Mangel an Waſſer herrſcht, daß ein Herabführen der gelöſten Nährſtoffe bis zu den Saugwurzeln des Baumes, ſelbſt wenn die Zerſetzung des Stallmiſtes noch normal erfolgen ſollte, ſchwerlich eintreten kann. Im allgemeinen verdient demnach bezüglich des Stallmiſtes die Herbſt⸗ und Winterdüngung bis zum April den Vorzug, und zwar werden wir die verrotteten Dünger mehr in Anwendung bringen, wenn das Unter⸗ bringen erſt im Frühjahre bewirkt wird, während im anderen Falle, alſo bei der Herbſtdüngung, auch der ſtrohige Miſt einen recht guten Erfolg in Ausſicht ſtellt.
Neben dem Stallmiſte findet dann beſonders auch die Jauche bei der Düngung unſerer Obſt⸗ bäume mit vollem Rechte ausgedehnte Verwendung; denn dieſelbe enthält ebenfalls alle Nährſtoffe, welche der Baum zu ſeiner Entwickelung braucht, jedoch gleichfalls nicht in dem Mengenverhältniſſe, wie ſie von dieſem dem Boden entzogen werden. Wie beim Stallmiſt, ſo iſt auch in der Jauche der Stickſtoffgehalt ein zu hoher, während die beim Reifeproceß beſonders in Betracht kommende Phosphorſäure gleichfalls in zu geringen Mengen vorhanden iſt. Will man daher verhindern, daß bei einer reichlichen Jauche⸗ oder Latrinendüngung der Baum zu ſtark ins Holz treibt und nicht genügend Früchte anſetzt infolge der ein⸗ ſeitigen Stickſtoffzufuhr, ſo muß man noch Phosphorſäure in Form von Thomasmehl, Superphosphat oder auch Knochenmehl beigeben. Welchem der genannten phosphorſäurehaltigen Düngemittel man den Vorzug geben ſoll, hängt ganz von den Bodenverhältniſſen ab. Auf den ſchweren und mittleren Böden, welche nicht zu reich und auch nicht zu arm an Kalk, Magneſia, Eiſen ſind, wird man eventuell die Super⸗ phosphate in den Vordergrund ſtellen, während auf den leichteren und kalkreichen, bezw. kalkarmen Böden die billigere Thomasſchlacke und das Knochenmehl die meiſte Verwendung verdienen. Da aber bei den tiefwurzelnden Bäumen ſelbſt auf den leichteren Böden ein Verlorengehen der Phosphorſäure des Super⸗ phosphates nicht in dem Maße zu befürchten iſt, wie z. B. bei den flachwurzelnden Getreidearten, ſo liegt kein Grund vor, das Superphosphat in dem genannten Falle vollſtändig auszuſchließen. Ich ſpeziell würde mich bei der Düngung unſerer Bäume mit Jauche, wenn es ſich nicht um kalkreiche Böden handelt, über⸗ wiegend für eine Erſetzung der fehlenden Phosphorſäure durch ein Gemiſch von 2 Teilen Superphosphat und 1 Teile feinem Kochenmehle entſcheiden, denn die Jauche wirkt bedeutend raſcher, wie der Stallmiſt, und erfordert demgemäß auch, um möglichſt alle Nährſtoffe dem Baume zuſammen zuführen zu können, einen leicht löslichen Phosphorſäuredünger. Weiter kommt diesbezüglich in Betracht, daß die Jauche lange nicht in dem Maße Humusſubſtanzen erzeugt, wie der Stallmiſt, welche bei Auflöſung der Phosphorſäure
des Thomasmehls eine ſo bedeutende Rolle ſpielen.
Da ſich die Nährſtoffe in der Jauche bereits zum größten Teile in gelöſter Form vorfinden und demgemäß auch erheblich ſchneller zur Wirkung gelangen, wie diejenigen des Stallmiſtes, ſo iſt es voll⸗ ſtändig richtig, wenn wir das Jauchen erſt im Frühjahre, etwa 2—3 Wochen vor Beginn des Baumwachstumes, vornehmen. Der Boden enthält dann noch hinreichende Mengen von Flüſſig⸗ keit, welche in Verbindung mit dem in der Jauche befindlichen Waſſer die Nährſtoffe raſch in die tieferen Bodenſchichten bis in den Bereich des Wurzelnetzes führt. Geben wir dem Baume die Jauche bereits im Herbſte oder während des Winters, ſo kann es uns paſſieren, daß ein Teil der in der Jauche ent⸗ haltenen Nährſtoffe mit dem Winterwaſſer in den Untergrund entführt wird und ſomit verloren geht, wie denn auch in der That die praktiſche Erfahrung ſich mehr für eine Verwendung der Jauche im Früh⸗ jahre ausſpricht. Hat man hinreichende Jauchemengen, um auch im Sommer die Bäume damit düngen zu können, ſo iſt ſolches nur gutzuheißen.
Um zu vermeiden, daß die Unkräuter oder auch die Gräſer den Hauptvorteil von einer Jauche⸗ düngung ziehen, iſt es ebenfalls geboten, dieſelben in Verbindung mit dem Phosphorſäuredünger


