Aufsatz 
Die Düngung der Obstbäume
Entstehung
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Bauſchutt, Jauche, Latrine, Kompoſt ꝛc. in Verbindung mit entſprechenden Mengen Thomasmehl oder Knochenmehl zu durchmiſchen, und die ganze Maſſe alsdann 46 Wochen lang ſich ſelbſt zu überlaſſen. Während dieſer Zeit beginnt die Zerſetzung der organiſchen Beſtand⸗ teile der Düngemittel, durch welche nicht allein ein Teil der in denſelben enthaltenen Nährſtoffe in aufnehmbare Formen übergeführt wird, ſondern ſich zugleich jene ſo hochwichtigen Humuskörper bilden, welche ihrerſeits die Pflanzennährſtoffe des Bodens, die in den tieferen Schichten bei Luftabſchluß unlöslich geworden ſind, wieder zur Löſung bringen. Auch verbeſſern dieſe Humuskörper, wie ſchon mehrfach hervor⸗ gehoben worden iſt, die phyſikaliſchen Eigenſchaften der Ackererde, indem ſie dieſelbe lockern und dadurch der Luft ungehinderten Zutritt geſtatten, ſodaß ſelbſt nach dem Baumſatze der Boden bis in die tieferen Schichten durchläſſig bleibt und ein Erſticken der Wurzeln, ſowie ein Unlöslichwerden der Pflanzennährſtoffe nicht ſo leicht eintreten kann. Giebt man nur allein der unter und zwiſchen den Wurzeln zuliegenkommenden Erde eine humusbildende Düngung, nicht aber den oberen Schichten, ſo ſchlagen letztere leicht zu und ver⸗ hindern ebenfalls das Eindringen von Luft und Waſſer, wenngleich diesbezüglich hervorgehoben werden muß, daß durch zeitweiſes Umgraben der über den Wurzeln lagernden Ackererde dieſer Übelſtand beſeitigt werden kaun. Sicherlich hält ſich jedoch der Boden thätiger und wärmer, wenn derſelbe auch in den oberen Schichten mit hinreichenden Mengen von Humuskörpern durchſetzt iſt.

Sollte der Stallmiſt erſt beim Einpflanzen des Baumes zur Verwendung gelangen können, ſo iſt es ebenfalls notwendig, denſelben möglichſt durch das geſamte Erdreich zu verteilen und mit allen Boden⸗ teilchen in Berührung zu bringen, um auf dieſe Art und Weiſe alle Erdſchichten mit Nährſtoffen zu be⸗ reichern und phyſikaliſch zu verbeſſern. Ein ſchichtenweiſes Unterbringen, wie es ſo oft beobachtet werden kann, empfiehlt ſich nicht, da die gewünſchte, gleichmäßige Durchdüngung auf dieſe Art und Weiſe nicht erzielt wird. Auch ſetzt man ſich alsdann der Gefahr aus, daß die jungen Baumwurzeln, wenn ſie in die verweſende und ſich dabei ſtark erwärmende Stallmiſtſchicht gelangen, abſterben. Ferner verdient noch diesbezüglich in Erwägung gezogen zu werden, daß bei ſchweren und wenig durchläſſigen Böden die Ver⸗ weſung des Stalldüngers und die Bloßlegung der wichtigen Pflanzennährſtoffe ſchon bei einer 30 cm. tiefen Unterbringung wegen Mangel an Luft nicht normal erfolgen kann, ſondern es bildet ſich aus dem⸗ ſelben eine vollſtändig unfruchtbare, kohlenartige und torfige Maſſe, welche ein ruhiges Weiterwachſen der tiefgehenden Wurzeln verhindert. Hat man dagegen den Stallmiſt gleichmäßig durch den Boden ge⸗ miſcht, ſo iſt, ſelbſt bei einer Vertorfung der organiſchen Beſtandteile desſelben, eine ſchädliche Beeinfluſſung des Wurzelwachstums nicht in dem Maße zu befürchten, da noch überall die zur Neubildung der Pflanzen⸗ maſſe notwendigen Erdteilchen vorhanden ſind.

Eine reichliche Verwendung von Stallmiſt und Jauche ohne phosphorſäure⸗ und kalihaltige Dünge⸗ mittel iſt auch bei dem Baumſatz nicht angebracht, da ſonſt der Baum infolge der einſeitigen Stickſtoff⸗ zufuhr zu ſehr in dasHolz treibt und nicht leicht zum Fruchtanſatz gelangt.

Stehen nicht genügende Mengen von Stallmiſt, Jauche ꝛc. für den Baumſatz zur Verfügung, ſo kann man dieſe Dünger, ebenſo wie bei der Herrichtung der Baumſchule, durch ein Gemiſch von 1 Teile Ammoniakſuperphosphat und 2 Teilen Knochenmehl oder ThomasmeVhl erſetzen, welches gleich⸗ mäßig durch die zwiſchen und unter den Wurzeln liegende Erde verteilt wird. Das Ammoniakſuperphosphat liefert Stickſtoff und Phosphorſäure in raſch wirkender Form, während dieſe beiden Nährſtoffe im Knochen⸗ mehle(man vergl. die Düngung des Saatbeetes) erſt durch langſam erfolgende Zerſetzungsproceſſe gelöſt werden, ſodaß wir durch eine ſolche Düngung, beſonders wenn nicht all zu feine Knochenmehle gewählt werden, den Baum mit den genannten, im Boden in geringen Mengen vorhandenen Nährſtoffen auf 23 Jahre verſorgen können. Die bodenverbeſſernde Wirkung des Stallmiſtes iſt allerdings dieſen Dünge⸗ mitteln nicht eigen.

Leider müſſen wir geſtehen, daß in ſehr vielen Fällen bei dem Baumſatze abſolut keine Rückſicht auf eine zweckentſprechende Durchdüngung des Bodens, in welchem der junge Baum ſich zur vollen Reife entwickeln ſoll, genommen wird, beſonders wenn es ſich um das Anlegen größerer Obſtplantagen handelt. Sehr häufig beſchränkt man ſich nur darauf, die Erde auszuheben und einige Zeit der Luft, dem Durchfrieren auszuſetzen, wodurch allerdings die im Boden vorhandenen Nährſtoffe löslicher werden. Jedoch eine wirkliche Bodenbereicherung geht damit durchaus nicht Hand in Hand, und es iſt daher leicht erklärlich, wenn auf mittelguten Böden die geſetzten Bäume eine kümmerliche Entwicklung zeigen und keine Früchte tragen wollen. Sollte ſich indeſſen wirklich ein ſchwacher Fruchtanſatz einſtellen, ſo läßt der krankende und hungernde Baum noch einen Teil der wenigen Früchte fallen, weil er nicht imſtande iſt, dieſelben zu ernähren. Es tritt gewiſſermaßen eine vorzeitige Reife ein, wenn man dieſen krankhaften Zuſtand ſo nennen will, welcher mit einem Abſtoßen der Frucht endet. Auch zeigen derartig