Aufsatz 
Die Düngung der Obstbäume
Entstehung
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IX

zu beſitzen, und es wäre daher der Obſtbau, wollte man denſelben nur auf dieſen von Natur aus frucht⸗ baren Ländereien betreiben, auf recht kleine Bezirke beſchränkt, wenn wir nicht in der ſachgemäßen Düngung ein Mittel hätten, dieſem Übelſtande abzuhelfen. Mit Recht dürfen wir jetzt behaupten, daß auf faſt allen Böden, ſumpfige und vollſtändig ſteinige ausgeſchloſſen, der Obſtbau möglich iſt, wenngleich die vor⸗ bereitenden Arbeiten in dem einen Falle erheblich mehr Koſten verurſachen und Zeit erfordern, wie in dem anderen.

Die erſte Arbeit bei dem Baumſatze beſteht in dem Ausheben des Baumloches, welchem letzteren man am vorteilhafteſten eine Tiefe von 80 100 em giebt. Eine größere Tiefe iſt im allgemeinen nicht zu empfehlen, da ſich die Wurzeln alsdann naturgemäß ſtark nach der Tiefe hin entwickeln, in welcher ſpäter ein weiteres Gedeihen unter Umſtänden nicht möglich iſt. Denn der anfangs lockere und für die Luft zugängliche Boden ſetzt ſich allmählich feſt zuſammen, beſonders wenn wir es mit von Natur aus ſchweren Böden zu thun haben, was zur Folge hat, daß die Pflanzenwurzeln in den tieferen Boden⸗ ſchichten aus Luftmangel erſticken und abſterben. Auch erleiden die Pflanzennährſtoffe bei ungenügender Luftzirkulation höchſt nachteilige Umwandlungen; dieſelben nehmen entweder eine vollſtändig unlöösliche Form an, ſodaß die Pflanze die Nährſtoffe nicht aufnehmen kann, oder ſie werden in Verbindungen über⸗ geführt, die höchſt ſchädlich auf das Pflanzenwachstum einwirken. Hierher gehört z. B. das Eiſenoxyd, welches bei Luftmangel eine Reduktion zu Eiſenoxydul( gewöhnlich Eiſenocker genannt) erleidet und als ſolches die Pflanzenwurzeln zerſtört. Weiter kommt diesbezüglich in Betracht, daß ſelbſt die Dünge⸗ mittel, welche dem Baume ſpäter gegeben werden, dieſe erheblichen Tiefen nur ausnahmsweiſe erreichen können, ſodaß ſchließlich ein vollſtändiger Mangel an aufnehmbaren Nährſtoffen in der Tiefe ſich bemerkbar machen erd. welcher mit einem verlangſamten Wachstume und zuweilen eintretender Wipfeldürre ver⸗

unden iſt.

Was dagegen die Breite der Pflanzgruben anbelangt, ſo gilt als Regel, daß der Baum ein um ſo herrlicheres Wachſen und Gedeihen zeigt, je größer und breiter dieſelbe angelegt wurde. Kann man daher dem Baunloche eine Breite von 23 m geben, ſo iſt ſolches nur gut zu heißen, denn in demſelben Maße, wie wir das Nährſtoffmagazin im Boden erweitern, wird auch das Wurzelnetz ein ſtärkeres und ausgedehnteres, ſodaß infolgedeſſen auch erheblich größere Mengen von Nährſtoffen der wachſenden Pflanze zugeführt werden können.

Selbſtverſtändlich wird nur dann eine üppige Entwicklung der Pflanzenorgane eintreten, wenn die gelockerten Bodenſchichten auch hinreichend mit Pflanzennährſtoffen verſehen ſind und die Wurzeln überall reiche Nahrung vorfinden. Die Wurzeln haben nicht die Fähigkeit, den Pflanzennährſtoffen nachzugehen, dieſelben in der Ackererde aufzuſuchen, ſondern die Wurzeln wachſen, indem ſie ſich ernähren, und zwar ſind es die jüngſten, feinſten mit kleinen Härchen beſetzten Wurzelſpitzen, welchen faſt ausſchließlich die Ernährung des Baumes zufällt. Gelangen letztere in Bodenſchichten, wo ein Mangel an Nährſtoffen herrſcht, ſo hört die freudige Weiterentwicklung der Wurzeln und damit zugleich die Zufuhr von Nähr⸗ ſtoffen auf, wodurch ein vollſtändiges Stillſtehen des Baumwachstumes herbeigeführt wird.

In den weitaus meiſten Fällen möchte es daher beim Baumſatze nicht angebracht ſein, nur allein die Erde in einem gewiſſen Umfange aufzulockern, vielmehr iſt es geboten, zugleich die auf⸗ elockerten Bodenſchichten durch zweckentſprechende Düngung gleichmäßig mit allen Nähr⸗ hoffen zu verſehen, wenn der Baum nicht kranken ſoll. Und zwar kommen ebenfalls die ſelbſt⸗ erzeugten, humusbildenden Dünger(Stallmiſt, Jauche, Straßenkehricht ꝛc.) zu allererſt in Betracht, während die künſtlichen Düngemittel nur die Bedeutung haben, erſtere zu unterſtützen. Dieſe langſam und ſtetig wirkenden, humusbildenden Dünger haben für ein anhaltend kräftiges Weiterwachſen des Baumes einen enorm hohen Wert, zumal ein Verſetzen desſelben gewöhnlich nicht mehr erfolgt und bei einer ſpäteren Düngung niemals die Dungſtoffe ſo gleichmäßig durch den Boden verteilt werden können, wie bei der Herrichtung des Landes für den Baumſatz.

In der Regel wird bei dem Ausheben des Baumloches die gute Ackerkrume und die nachfolgende Bodenſchicht je für ſich getrennt hingelegt; erſtere, welche reich an aufnehmbaren Nährſtoffen iſt, kommt bei dem Baumſatze unter die Wurzeln zu liegen, während der Untergrund zum Ausfüllen der Löcher nach der Anpflanzung Verwendung findet. Es kann an und für ſich gegen ein ſolches Verfahren durchaus nichts eingewendet werden; bedenkt man aber, daß die eigentliche, häufig recht ſchlecht durchdüngte Ackerkrume, welche im landwirtſchaftlichen Betriebe der Kultur unterworfen wird, in den meiſten Fällen nur etwa 25 cm beträgt, und erwägt man weiter, daß demnach noch eine Schicht von 4560 em Erde der Ver⸗ beſſerung bedarf, ſo ergiebt ſich ein recht geringer Vorteil aus der getrennten Verwendung. Meiner Über⸗ zeugung nach iſt es am einfachſten, die herausgehobene Erde mit Stallmiſt, Straßenkehricht,

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