— VIII—
Sollte ſich trotz der genannten Vordüngung der Baumſchule ein fröhliches Wachſen der Bäumchen nicht einſtellen, ſo iſt eine Nachdüngung erforderlich. Auch in dieſem Falle kommt der Stallmiſt in erſter Linie in Betracht, denn derſelbe gehört zu den langſam aber ſtetig wirkenden Düngern, welche für die Heranzucht der jungen Bäume einen beſonderen Wert haben, inſofern letztere mehrere Jahre in der Baum⸗ ſchule ſtehen bleiben und demgemäß auch Düngemittel brauchen, welche in demſelben Maße, wie die Pflanze wächſt, Nährſtoffe zur Verfügung ſtellen. Die Frage, wann am vorteilhafteſten der Miſt bei einer ſolchen Nachdüngung ins Land gebracht werden ſoll, iſt dahin zu beantworten, daß die Herbſt⸗ und Winter⸗ düngung unbedingt den Vorzug vor der Frühjahrs⸗ und Sommerdüngung verdient. Der bei günſtigen Bodenfeuchtigkeits⸗Verhältniſſen flach untergebrachte Stallmiſt geht alsdann noch vor Winter in Zerſetzung über, und es werden die bei der Verweſung löslich gewordenen und an und für ſich ſchon löslichen Pflanzen⸗ nährſtoffe gleichmäßig durch das Winterwaſſer im Boden verteilt und den Wurzeln der Bäume zugeführt, ledastiniolaedeſen die letzteren im Frühjahre ſofort die notwendige Nahrung zu einem raſchen Wachstume vorfinden.
Jauche und Kompoſt giebt man dagegen bei einer ſolchen Nachdüngung immer im Frühjahre, weil in dieſen beiden Düngemitteln die Nährſtoffe zum größten Teile in einer Form vorhanden ſind, in welcher ſie ohne weiteres von der Pflanze aufgenommen und verarbeitet werden können. Wollte man Jauche und Kompoſt bereits im Herbſte in die Baumſchule bringen, ſo würde man ſich der Gefahr ausſetzen, daß ein Teil der Pflanzennährſtoffe, beſonders die Stickſtoffverbindungen, in den Untergrund entführt werden. Dieſe Stickſtoffverbindungen der Jauche werden in verhältnismäßig kurzer Zeit durch chemiſche Proceſſe in Ammoniak⸗ und ſchließlich in ſalpeterſaure Salze übergeführt, in welcher Form dieſelben alsdann in die tieferen Bodenſchichten wandern. Ebenſo verhält es ſich mit dem Kompoſt, welcher im reifen Zuſtande den Stickſtoff gleichfalls als Salpeterſäure enthält, die von der Ackererde nicht abſorbiert wird. Bekannter⸗ maßen wirkt auch eine im Frühjahre, kurz vor Beginn des Pflanzenwachstums gegebene Jauche⸗ und Kompoſt⸗Düngung bedeutend beſſer, wie eine ſolche im Herbſte.
Um zu verhindern, daß eine Frühjahrsdüngung mit Jauche und Kompoſt beſonders den Unkräutern zu gute kommt und deren Entwicklung befördert, iſt es notwendig, dieſe beiden Dungſtoffe nicht etwa nur oben aufzubringen, ſondern wenigſtens flach einzugraben, um ſie dadurch zugleich dem Wurzelbereiche der Bäume näher zu bringen.
Eine Beigabe von phosphorſäurehaltigen Düngemitteln nach den bereits früher erörterten Grund⸗ ſätzen iſt auch in dieſem Falle ratſam.
Sollte Stallmiſt, Jauche und Kompoſt nicht in genügenden Mengen zu der Nachdüngung der Baumſchule vorhanden ſein, ſo kann man dieſe Düngemittel mit gutem Erfolge durch ein Gemiſch von 1 Teile Ammoniakſuperphosphat und 2 Teilen Knochenmehl oder Thomasſchlacke erſetzen. Das Ammoniakſuperphosphat gelangt raſch zur Wirkung, während die Nährſtoffe des Knochenmehls und der Thomasſchlacke allmählich zufolge chemiſcher Prozeſſe in Löſung übergehen, ſodaß wir durch eine ſolche Düngung dem Baume gleichfalls während einer Wachstumsperiode die beiden wichtigen Pflanzennährſtoffe Stickſtoff und Phosphorſäure regelmäßig zuführen können. Das Ausſtreuen und Unterbringen dieſes Bännergemiſches erfolgt auf ſchweren Böden am zweckmäßigſten bereits im Herbſte, auf leichteren im
rühjahre.
Das Anſäen von Pflanzen zwiſchen den einzelnen Baumreihen behufs ſpäterer Verwendung als Gründüngung empfiehlt ſich im allgemeinen nicht.
IV. Der Baumſatz und die Düngung der tragenden Bäume.
Sind die Bäumchen in der Baumſchule vollſtändig entwickelt, haben ſie ihre volle Größe und Stärke erreicht, ſo werden dieſelben an den Ort verſetzt, wo ſie Früchte tragen und ſchließlich ihr Leben beenden ſollen. Dieſer ſogenannte Baumſatz bildet im Leben des Baumes einen außerordentlich wichtigen Abſchnitt, und es iſt daher auch vom Standpunkte der Düngerlehre aus geboten, demſelben die volle Auf⸗ merkſamkeit angedeihen zu laſſen.
Im allgemeinen gedeihen die Obſtbäume in den tiefgründigen, lockeren, kalkhaltigen Lehmböden und lehmigen Sandböden(Zuckerrübenböden) am beſten, welche zuweilen einen derartigen, natürlichen Reich⸗ tum an Pflanzennährſtoffen enthalten, daß eine Düngung nur inſoweit geboten erſcheint, als es gilt, durch Humus die phyſikaliſchen Eigenſchaften zu verbeſſern und den in den meiſten Böden fehlenden Stickſtoff zu erſetzen. Jedoch nur wenige Gegenden ſind wirklich in der günſtigen Lage, ſolche gute Bodenverhältniſſe


