Aufsatz 
Die Düngung der Obstbäume
Entstehung
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VII

2.

Zeigt der Boden der Baumſchule eine mehr ſandige Beſchaffenheit, ſo muß auch noch eine Kali⸗ düngung gegeben werden, da dieſe Bodenarten mehr oder weniger arm an dieſem Nährſtoffe ſind, während andererſeits das Düngebedürfnis ſpeziell unſerer Obſtbäume nach Kaliſalzen ein außerordentlich hohes iſt.

Von den verſchiedenen Kaliſalzen des Handels finden beſonders bei der Düngung der Obſtbäume das koncentrierte Chlorkalium, das koncentrierte ſchwefelſaure Kalium und der Kainit Verwendung. Erſtere beiden Salze, welche etwa 50% Kali und keine ſchädlichen Beimengungen enthalten, können zu jeder Zeit in den Boden gebracht werden, wie bereits bei der Düngung des Saatbeetes hervorgehoben wurde, während bezüglich des Kainites eine gewiſſe Vorſicht geboten erſcheint. Derſelbe enthält nämlich neben ca. 13% Kali noch verſchiedene Beimengungen, wie Kochſalz, Glauberſalz, Chlorcalium Chlormag⸗ neſium, von denen beſonders die beiden zuletzt genannten Beſtandteile ſchädlich auf das Pflanzenwachstum einwirken, unter Umſtänden die Pflanze zum Abſterben bringen können. Trotzalledem bevorzugt die Praxis ſehr häufig den billigeren Kainit, und zwar mit vollem Rechte, inſofern wir durch ſachgemäße Anwendung dieſe ſchädlichen Beimengungen in unſchädliche Formen überführen können. Während nämlich die wichtigen Kaliſalze von der Ackerkrume in den oberen Schichten zurückgehalten werden, bleiben die Chlorverbindungen freibeweglich im Boden und wandern allmählich mit dem Bodenwaſſer und dem auffallendem Regen in den Untergrund, wo ſie ſogar noch günſtig wirken können, indem dieſelben in der Tiefe zur Löſung der dort befindlichen Pflanzennährſtoffe beitragen. Bringen wir daher den Kainit hinreichende Zeit vor dem Bepflanzen der Baumſchule in den Boden, ſo iſt eine ungünſtige Wirkung desſelben ſo gut wie ausgeſchloſſen, es wäre denn, daß wir es mit einem ſehr ſchweren, im Untergrunde undurchläſſigen Boden zu thun hätten, welcher die Chlorverbindungen lange Zeit zurückhält.

Kainit und Thomasmehl wird am beſten zuſammen angewandt. Man miſcht zu dieſem Zwecke die beiden Dünger gleichmäßig durcheinander und erhält dadurch eine körnige, leicht verteilbare Maſſe, welche aber möglichſt ſchnell, innerhalb von mindeſtens 12 Stunden ausgeſtreut werden muß; geſchieht letzteres nicht, ſo nimmt die Miſchung eine cementartig feſte Beſchaffenheit an und läßt ſich in dieſem Zu⸗ ſtande nicht mehr verteilen.

Wie bereits bei der Düngung der Saatbeete erwähnt wurde, iſt es niemals angebracht, die Kali⸗ ſalze nur allein über das Land zu ſtreuen, vielmehr müſſen dieſelben ebenfalls untergegraben und mit den Bodenteilchen vermiſcht werden. Der wichtigſte Beſtandteil dieſer Düngeſalze, das Kali, wird nämlich von dem Boden in den oberen Schichten zurückgehalten, ſodaß dieſer Pflanzennährſtoff nur dann eine gleichmäßige Verteilung durch die Ackerkrume erfahren kann, wenn dieſelbe auf mechaniſchem Wege vorgenommen wird.

Aus all dem Geſagten geht zur Genüge hervor, daß eine Gründüngung in Verbindung mit phos⸗ phorſäurehaltigen, bezw. kalihaltigen Düngemitteln wohl geeignet iſt, um der Baumſchule jene Beſchaffen⸗ heit zu geben, welche ein fröhliches Wachſen und Gedeihen der jungen Pflänzchen bedingt.

Das Unterbringen der Gründüngungspflanzen, bezw. des Stallmiſtes in Verbindung mit den not⸗ wendigen künſtlichen Düngemitteln muß ſelbſtverſtändlich einige Wochen vor dem Rigolen flach be⸗ wirkt werden, damit eine normale Zerſetzung erfolgen kann. Würde man die Düngung direkt mit dem Rigolen vornehmen, ſo kämen die Dungſtoffe 3540 em tief zu liegen, alſo in eine Schicht, bis zu welcher die Luft nicht mehr vordringen kann, was zur Folge hätte, daß die organiſchen Pflanzenmaſſen nicht verweſen, ſondern vertorfen und verkohlen, wodurch die Pflanzennährſtoffe in unlösliche Formen über⸗ geführt werden. Sollte aus irgend einem Grunde die Abſicht beſtehen, den Stallmiſt, bezw. die Grün⸗ düngungspflanzen, gleich beim Rigolen mit unterzubringen, ſo breitet man die Dungmaſſen am zweckmäßigſten auf die 2. Erdſchicht aus, damit die Verrottung normal von ſtatten gehen kann, und zwar verdient in einem ſolchen Falle der halbverrottete Dünger ſtets den Vorzug, weil derſelbe die Nährſtoffe bereits zum Teil gelöſt enthält und demgemäß raſcher zur Wirkung gelangt. Aber auch friſcher Stallmiſt kann Ver⸗ wendung finden, wenn kein anderer zu beſchaffen ſein ſollte..

Da bei dem Rigolen die oberen, humusreichen Bodenſchichten in die Mitte zu liegen kommen, die vorletzte, tiefere Schicht indeſſen ganz nach oben die unterſte Schicht läßt man in der Regel an ihrem Platze und lockert ſie nur auf ſo iſt es empfehlenswert, auch dieſer oberſten Schicht vor dem Beflanzen eine Düngung zu geben, welche am vorteilhafteſten in einer Stallmiſt⸗ oder Jauchedüngung in Verbindung mit Phosphorſäuredüngern beſteht.

Die pr. Ctr. Stallmiſt zu verwendenden Mengen von phosphorſäure⸗, bezw. kalihaltigen Dünge⸗ mitteln ſind dieſelben, wie bei der Herrichtung des Saatbeetes. Um in der Jauche, welche ſehr reich an Stickſtoff und Kali, dagegen arm an Phosphorſäure iſt, das richtige Nährſtoffverhältnis zu erhalten, müſſen auf 100 Liter etwa 6 Pfund 20 prozentiges Thomasmehl, oder 5 Pfund 20prozentiges Superphosphat, oder auch 6 Pfund Knochenmehl beigedüngt werden.