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wachstum gebildeten Gewebe beſteht, verkürzt wird, ſodaß das Bäumchen im halbreifen Zuſtande in den Winter tritt. Wollen wir daher geſunde, kräftige und beſonders auch widerſtandsfähige Stämmchen herausbilden, ſo iſt es geboten, die im Stallmiſte in zu geringen Mengen vor⸗ handenen Nährſtoffe, Phosphorſäure und Kali, durch Beigaben von phosphorſäure⸗ und kalihaltigen Düngemitteln zu erſetzen. Geſchieht ſolches in richtiger Weiſe, ſo kann man die Wirkung des Stallmiſtes außerordentlich erhöhen.
Um den Stallmiſt mit der fehlenden Phosphorſäure zu verſehen, können Thomasmehl, Super⸗ phosphat und Knochenmehl Verwendung finden.
Die Thomasſchlacke wird als Nebenprodukt bei der Herſtellung von Schmiedeeiſen und Stahl aus Roheiſen gewonnen. Dieſelbe iſt durchaus nicht etwa eine einfache Verbindung, ſondern ſie enthält neben 11,39— 22,97% Phosphorſäure und 38— 58,91% Kalk noch alle Beimengungen der Eiſenerze, nämlich 5,86— 18% Eiſenoxydul, 1,91— 7,00% Eiſenoxyd, 2,7— 12,9% Kieſelſäure und außerdem noch geringe Mengen von Schwefel, Schwefelſäure, Manganoxydul und Thonerde.
Der bei der Düngung beſonders in Betracht kommende Beſtandteil des Thomasmehles iſt die Phosphorſäure, welche überwiegend als ſogenannter vierbaſiſch phosphorſaurer Kalk in derſelben vor⸗ kommt. Dieſe Phosphorſäure iſt in reinem Waſſer nicht löslich, ſondern nur im kohlenſäurehaltigen; außerdem haben noch die Humuskörper, welche ſich aus den organiſchen Pflanzenrückſtänden des Bodens und aus dem Stallmiſte bilden, die Fähigkeit, den phosphorſauren Kalk des Thomasmehles allmählich ſoweit aufzuſchließen, daß freie Phosphorſäure abgeſchieden wird. Daraus geht hervor, daß bei der Her⸗ ſtellung des Saatbeetes das Thomasmehl recht geeignet iſt, um die im Stallmiſte fehlende Phosphorſäure zu erſetzen, denn in demſelben Maße, wie der Stallmiſt verweſt und die Nährſtoffe desſelben eine auf⸗ nehmbare Form annehmen, geht auch die Phosphorſäure dieſes Düngemittels in Löſung über, ſodaß die junge Pflanze alle Nährſtoffe in richtigem Mengenverhältniſſe zugeführt erhält.
Um eine möglichſt vollſtändige Aufſchließung des phosphorſauren Kalkes zu bewirken, iſt es rat⸗ ſam, das Thomasmehl gleichmäßig über den ausgebreiteten Stallmiſt zu verteilen und mit demſelben alsdann gemeinſam unterzubringen. Und zwar muß das Eingraben des Düngers ſofort nach dem überſtreuen mit Thomasmehl erfolgen, da bei einem längeren Liegenlaſſen desſelben leicht ein erheblicher Verluſt an dem für das Pflanzenleben ſo wichtigen Stickſtoffe eintreten kann, indem der in dem Thomasmehl ent⸗ haltene Kalk nicht allein die Zerſetzung des Stallmiſtes bedeutend beſchleunigt, wobei der Stickſtoff Ammoniak⸗ rn annimnt, ſondern derſelbe treibt zugleich letzteres aus dem Stallmiſte heraus und führt es in die
uft über.
Da die Phosphorſäure des Thomasmehles nur langſam in Löſung übergeht, ſo empfiehlt ſich, um möglichſt alle Nährſtoffe dem Baume im richtigen Mengenverhältnis zuzuführen, pr. Ctr. Stallmiſt eine Beidüngung von etwa 180 gr dieſes Düngemittels.
Wie das Thomasmehl, ſo eignet ſich auch das Superphosphat zur Erſetzung der im Stall⸗ miſte fehlenden Phosphorſäure, nur iſt diesbezüglich in Betracht zu ziehen, daß die Phosphorſäure des Superphosphates höher im Preiſe ſteht, wie diejenige des Thomasmehles. An und für ſich enthält Super⸗ phosphat die Phosphorſäure, im Gegenſatz zum Thomasmehl, in waſſerlöslicher Form, als ſogen. einbaſiſch phosphorſauren Kalk, und es beginnt daher die Wirkung dieſes Düngers ſofort mit deſſen Aufbringen. Auch erfährt die Phosphorſäure des Superphosphates eine außerordentlich feine und gleichmäßige Verteilung im Boden, wie ſie beim Thomasmehl auf mechaniſchem Wege niemals erreicht werden kann. Der ſaure phosphorſaure Kalk des Superphosphates wird nämlich in demſelben Maße, wie er, im Boden⸗ oder Regenwaſſer gelöſt, nach unten wandert und auf gelöſten kohlenſauren Kalk, kohlen⸗ ſaure Magneſia und Eiſenoxyd ſtößt, als zweibaſiſch oder halbſaurer phosphorſaurer Kalk, phosphorſaure Magneſia und phosphorſaures Eiſenoxyd gallertartig abgeſchieden. Dieſer„gallertartige“, phosphorſaure Kalk iſt zwar ebenfalls nicht in gewöhnlichem Waſſer löslich, dagegen leicht in kohlenſäurehaltigem; auch — die Pflanzen durch ihre Wurzelthätigkeit dieſe Phosphorſäure raſch wieder in aufnehmbare Form überführen.
Die oben geſchilderte, feine Verteilung durch alle Schichten der Ackerkrume erfährt das Super⸗ phosphat jedoch nur dann, wenn der Boden nicht einen zu hohen, aber auch nicht einen zu geringen Ge⸗ halt an Kalk, Magneſia und Eiſenoxyd aufweiſt; iſt der Boden zu reich an den genannten Beſtandteilen, ſo wird die geſamte Phosphorſäure bereits in den oberen Schichten der Ackerkrume gebunden, ſodaß nur flach verlaufende Pflanzenwurzeln eine Phosphorſäuredüngung erfahren, während die unteren womöglich darben. Haben wir es dagegen mit einem kalk⸗ und eiſenarmen, leichten und ſandigen Boden zu thun, ſo wird die Phosphorſäure des Superphosphates durch das Regenwaſſer in den Untergrund gewaſchen und


