Aufsatz 
Die Düngung der Obstbäume
Entstehung
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II. Die Düngung des Saatbeetes.

Die erſte und vornehmſte Aufgabe des Baumzüchters beſteht in der Anzucht von kräftigen, ge⸗ ſunden Wildlingen, welche zur Fortpflanzung der edlen Obſtſorten dienen ſollen. Dieſelben werden, was Kernobſt und Steinobſt anbelangt, in der Regel aus den Samen herangezogen, wie ſie bei der ökonomiſchen Verwendung der Obſtſorten gewonnen werden. Die Ausſaat dieſer Samen erfolgt entweder im Herbſte oder im Frühjahre; für gewöhnlich wird der Frühjahrsſaat der Vorzug gegeben, da die Herbſtſaat ſehr an Mäuſefraß zu leiden hat.

Aus dem in die Erde gebrachten Samenkorne entwickelt ſich zufolge des Keimungsproceſſes die junge Pflanze, d. h. das Samenkorn treibt nach unten ein Würzelchen und nach oben das Stämmchen mit den Blättern, welche letzteren beſtimmt ſind, die Kohlenſäure aus der Luft aufzunehmen, während die Wurzeln die Nährſtoffe aus dem Boden der Pflanze zuführen. Je reicher der Boden, in welchem die jungen Pflänzchen ihren Standort haben, an Pflanzennährſtoffen iſt, ein um ſo kräftigerer und geſünderer Wildling wird ſich aus dem Samenkorn entwickeln, und um ſo wahrſcheinlicher werden wir ſpäter einen reichtragenden, fröhlich wachſenden Baum erhalten, welcher auch widerſtandsfähig iſt gegen äußere Einflüſſe und gegen die verſchiedenen Krankheiten.

Es verhält ſich mit der Pflanze genau ſo, wie mit dem Tiere, und es ſteht unumſtößlich feſt, daß alle die hervorragenden Eigenſchaften unſerer ſogenannten Hochzuchten, mögen es Tiere oder Pflanzen ſein, mehr oder weniger ihre Entſtehung und ihre Weiterentwickelung der planmäßigen Thätigkeit des menſchlichen Geiſtes verdanken. Wie wir in der Tierzucht durch reiche Fütterung der Tiere von Jugend auf in Verbindung mit ſorgfältiger Pflege und ſorgſamer Zuchtwahl die wirtſchaftlich wichtigen Eigen⸗ ſchaften hohe Milchergiebigkeit, gute Futterverwertung, Frühreife und Maſtfähigkeit herausgebildet haben, ſo kann man auch im Pflanzen⸗ und Obſtbau auf demſelben Wege, ertragreichere Sorten erzielen und die Rentabilität dieſer Wirtſchaftszweige bedeutend erhöhen.

Wollen wir demnach von einem erwachſenen Baume hohe Leiſtungen haben, ſo müſſen wir bereits in der Jugend dafür Sorge tragen, indem wir danach ſtreben, dem Saatbeete eine möglichſt zweckent⸗ ſprechende Beſchaffenheit zu geben, welche für die weiteren Erfolge der Obſtbaumzucht eine enorme Be⸗ deutung hat. Vor allen Dingen gilt es, dem Saatbeete alle diejenigen Nährſtoffe einzuverleiben, welche die junge Pflanze zu einem fröhlichen Wachſen und Gedeihen braucht, und zwar kommen diesbezüglich die ſelbſterzeugten Düngemittel in erſter Linie in Betracht, von denen wiederum der Stallmiſt obenan ſteht. Derſelbe enthält nicht allein alle Pflanzennährſtoffe, welche die Pflanze zu ihrem Wachstume be⸗ nötigt, ſondern er iſt zugleich auch Bodenverbeſſerer. Bei der Zerſetzung des Stallmiſtes bilden ſich aus den organiſchen Pflanzenmaſſen die ſogenannten Humuskörper, welche den ſchweren Boden lockerer, den leichten bindiger machen, und die außerdem die waſſerfaſſende und waſſerhaltende Kraft erhöhen, ſodaß eine humusreiche Ackerkrume nicht in dem Maße durch Trockenheit zu leiden hat, wie eine humusarme. Ferner wirken die Humuskörper löſend auf die mineraliſchen Nährſtoffe des Bodens ein und vergrößern deſſen Kraft, gewiſſe Pflanzennährſtoffe(Kali, Phosphorſäure und Ammoniak) derartig feſt in der Ackerkrume zurückzuhalten, daß ſelbſt anhaltender Regen dieſelben nicht auswaſchen kann.

Obwohl nun der Stallmiſt alle zum Pflanzenwachstume notwendigen Nährſtoffe enthält, ſo würde es trotz alledem nicht rationell ſein, denſelben nur allein bei der Herrichtung der Saatbeete zu verwenden. Der Stallmiſt iſt verhältnismäßig zu reich an Stickſtoff, jedoch zu arm an Phosphorſäure und, was ſpeziell den Baum anbelangt, auch in den meiſten Fällen zu arm an Kali. Der letztere Nährſtoff kommt jedoch bei der Düngung nicht in dem Maße in Betracht, da alle Lehm⸗ und Thonböden einen hinreichenden Kali⸗ gehalt aufweiſen. Damit ſoll indeſſen nicht etwa geſagt ſein, daß eine Beidüngung mit Kaliſalzen zum Stallmiſt einen günſtigen Erfolg nicht in Ausſicht ſtelle, ſondern wir dürfen vielmehr das Gegenteil an⸗ nehmen, da dieſer ſo wichtige Nährſtoff in den uns zur Verfügung ſtehenden Kalidüngern in einer Form vorhanden iſt, in welcher der Baum denſelben ohneweiteres aufnehmen und verarbeiten kann, während das Kali des Stallmiſtes und des Bodens erſt durch chemiſche Proceſſe in Löſung übergeführt werden muß.

Im allgemeinen empfiehlt es ſich demnach nicht, den Sämling nur allein mit Stallmiſt zu düngen, inſofern wir dadurch demſelben einſeitig zuviel Stickſtoff zuführen, welcher eine reifeverzögernde Wirkung ausübt. Wir erhalten alsdann, beſonders wenn es ſich um eine reichliche Düngung handelt, eine zwar recht üppig wachſende Pflanze, deren Holz jedoch nicht ausreift, was zur Folge hat, daß bei einem nur halbwegs ſtrengen Winter ein Drittel, ſelbſt die Hälfte des jungen Stämmchens erfriert. Durch eine reichliche, einſeitige Stickſtoffzufuhr wird nämlich das ſogenannte Längenwachstum auf einen zu großen Zeitraum ausgedehnt, infolgedeſſen das Dickenwachstum, welches in einer Verholzung der beim Längen⸗

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