Aufsatz 
Geschichte der Realschule während der ersten zwei Jahre ihres Bestehens / [H. Gräfe]
Entstehung
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Mir, dem geſetzlichen Vertreter des Lehrercollegiums der Realſchule, der die Lehrerarbeit zu würdigen gelernt hat, kann wohl um ſo weniger mit einem gültigen Grunde das Recht beſtritten werden, den Arbeitern an der von mir geleiteten Anſtalt ein Wort der Achtung und des Dankes öffentlich darzubringen, und dadurch aauch Fernerſtehenden den richtigen Geſichtspunkt anzudeuten, aus welchem die Arbeit der Lehrer bei der Real⸗ ſchule betrachtet werden muß; um ſo weniger, ſage ich, kann mir dies im Ernſt verdacht werden, da ich mir völliger Uneigennützigkeit dabei bewußt bin.

Ich kehre von dieſer kleinen Abſchweifung zur Sache zurück.

Die Reſultate der Berathung des Lehrercollegiums wurden unter dem TitelSammlung von Inſtrue⸗ tionen, Statuten und Reglements für die Realſchule in Kaſſel als Manuſcript gedruckt und den Mitgliedern der Schulbehörden, des Stadtrathes und Bürgerausſchuſſes, ſowie den einzelnen Lehrern übergeben. In dieſer Sammlung befinden ſich außer der Dienſtinſtruction für den Vorſtand der Anſtalt, ſowie für die ordent⸗ lichen Lehrer, und dem Statut für das Lehrercollegium, welche von der Schulbehörde gegeben worden waren, das Reglement für Ausübung der Schuldisciplin, das(einen Raum von 7 Bogen einnehmende) Reglement für Ertheilung des Unterrichts in allen Lehrgegenſtänden, die Specialinſtruction für die Lehrer, die Special⸗ inſtruction für die Hauptlehrer, das Regulativ für die Vertretung verhinderter Lehrer, das Statut für den literariſch⸗pädagogiſchen Leſeverein der Lehrer an der Realſchule.

Schwerlich iſt jemals die innere Organiſation einer völlig neu begründeten und ſo ausgedehnten Anſtialt, wie die unſrige iſt, in ſo kurzer Zeit zu Stande gebracht worden. Mit dem 1. Juni 1843, alſo vier Wochen nach Eröffnung der Anſtalt, in welcher Zeit Lehrer und Schüler in den neuen Verhältniſſen kaum äußerlich ſich einigermaßen hatten einleben können, war dieſelbe in allem Weſentlichen vollendet, und jeder der Lehrenden und Lernenden wußte in allen nur irgend wichtigern Beziehungen, was er zu thun, wie er ſich zu verhalten hatte.

Von einigen Seiten könnten vielleicht Zweifel über die Zweckmäßigkeit unſeres Verfahrens erhoben werden. Ich will dieſen Zweifeln von vornherein begegnen.

Ueber die Einrichtung und Verwaltung ausgedehnterer Schulen giebt es ſehr abweichende Anſichten, und Lehrertüchtigkeit findet ſich mit Verwaltungstüchtigkeit nicht häufig vereint. Da nach der Anſicht Mancher die Erziehung überhaupt und der Unterricht insbeſondere blos Sache der durch Praris erworbenen Erfahrung iſt, und wiſſenſchaftlichen Beſtimmungen ſich entzieht, ſo meinen ſie, es laſſe ſich bei der Einrichtung einer neuen Schule nicht gleich anfangs über Alles und Jedes eine Beſtimmung treffen; es ſei unmöglich, alle inneren Schulverhältniſſe im Voraus auf eine gültige Weiſe zu ordnen; nur aus der Erfahrung und durch dieſelbe könne die innere Organiſation einer Unterrichtsanſtalt allmählig emporwachſen, ſo wie das erfahrungsmäßige Wiſſen ſich nach und nach begründe. Gehe man hierbei, ſo läßt dieſe Anſicht ſich weiter vernehmen, von theoretiſchen Anſichten aus, ſo ſtelle man ſich der Gefahr blos, ein Luftſchloß zu errichten, ſtatt auf den Grund gegebener Verhältniſſe zu bauen, und Beſtimmungen zu treffen, welche ſich vielleicht ſchon in der nächſten Zukunft als unhaltbar, als heilloſe Mißgriffe auswieſen. 4

Dieſe Anſicht ruht entſchieden auf Irrthum, oder auf Unkenntniß der wahren Bedürfniſſe einer Schule, oder auf Mangel an Einſicht in das eigentlichſte Weſen der Wiſſenſchaft und der Erfahrung, mitunter vielleicht ſogar auf Trägheit. Wo ſie gilt, da vergehen Jahre, bevor die neu errichtete Anſtalt ſich einer innern Orga⸗ niſation erfreuen kann, wenn überhaupt jemals eine ſolche Zeit für ſie anbricht. Denn leider giebt es Schul⸗ anſtalten genug, welche äußerlich mit prunkvollem Glanze ſich zu umgeben wiſſen, innerlich aber ein Bild der Unordnung und Zerfahrenheit darſtellen. Die Erfahrung iſt eine ſchöne Sache, wenn ſie an wiſſenſchafltiche Kenntniß ſich anreiht. Ohne dieſe wird ſie zur Willkühr, weil jedes Mittel zu ihrem rechten Verſtändniſſe, jede Norm zu ihrer fruchtbaren Anwendung fehlt. Eine Prarxis, welche die Wiſſenſchaft detonahrydanur auf die