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Anſtalten in andern Städten faſt überall befolgte Syſtem in Bezug auf die äußerliche Stellung der Klaſſen beſteht darin, daß zunächſt nur die untern und mittlern Klaſſen der neuen Schule ſo weit aufwärts eingerichtet werden, als mit Rückſicht auf den Grundplan genügend vorgebildete Schüler ſich finden, und daß dann die höhern Klaſſen nach und nach hinzutreten, ſo wie nach Vollendung jedes Curſus Schüler in die höhere Klaſſe verſetzungs⸗ fähig werden. Nach dieſem Syſteme hätten wir anfangs nur die 6 unterſten Stufenklaſſen, oder die Klaſſen IV bis IX einrichten dürfen, und dieſen etwa 4 Parallelklaſſen beigeben müſſen, um alle angemeldeten Schüler aufnehmen zu können. Mit dem Schluſſe des erſten Schuljahres würde dann aus den in der vierten Klaſſe verſetzungsfähig ge⸗ wordenen Schülern, ſoweit ſie die Anſtalt noch ferner hätten beſuchen wollen, die dritte Klaſſe neu gebildet worden ſein, und auf ähnliche Weiſe wäre ferner nach zweijährigem Beſtehen der Anſtalt die zweite, und nach 3 Jahren die erſte Klaſſe angefügt worden. So viel dieſes Syſtem auf den erſten Blick auch für ſich zu haben ſcheint, und ſo ſehr ſeine Anwendung vielleicht anderwärts angemeſſen ſein mag, ſo ſprechen doch auch gewichtige Gründe dagegen, und ſeine Angemeſſenheit in unſern Verhältniſſen, namentlich bei der unverhältnißmäßig großen Anzahl der Aufnahme ſuchenden Knaben und jungen Leute, war mehr als zweifelhaft. Die Befolgung dieſes Syſtems führt nämlich, um es mit wenigen Worten anzudeuten, der Natur der Sache, wie der Erfahrung nach unausbleiblich dahin, daß die erſte und zweite Klaſſe nach ihrer Einrichtung längere Zeit äußerſt ſchwach beſetzt bleiben, und für wenige Schüler ein unverhältnißmäßiger Geldaufwand gemacht werden muß*); daß in jede der zuerſt gegründeten Klaſſen ungleichartigere Schülerelemente zuſammen kommen, da die ganze Anzahl in we⸗ nigere Stufenklaſſen vertheilt werden muß, und daß durch Parallelklaſſen, die für eine Anſtalt nur als ein nothwendiges Uebel angeſehen werden können, der gleichmäßige Fortſchritt aller Schüler weſentlich beeinträchtigt, das Ganze verwickelter und ſchwerfälliger wird. Dieſe Gründe erhielten für uns doppeltes Gewicht dadurch, daß doch eine nicht ganz geringe Anzahl von Schülern wenigſtens in einzelnen Unterrichtsgegenſtänden über den Standpunkt der vierten Klaſſe hinaus waren, wegen der eingetretenen Auflöſung bisher beſtandener Schulen aber nicht wohl abgewieſen werden konnten, und daß in Folge der unerwartet zahlreichen Anmeldungen eine zu große Anzahl von Parallelklaſſen, nämlich 4, gleich von vornherein ſich nöthig gemacht haben würde, die ſchon nach einem halben, ſpäteſtens ganzen Jahre wahrſcheinlich(nach der ſpätern Erfahrung wirklich) noch hätte vermehrt werden müſſen.
Aus den angeführten Gründen mußte das bei ganz neuer Einrichtung von Realſchulen gewöhnlich befolgte Spſtem verlaſſen und ein neues aufgeſucht werden, das, frei von den angeführten Mängeln, unſern Verhält⸗ niſſen beſſer zu entſprechen im Stande war. Nach reiflicher Erwägung der Sache wurde beſchloſſen, gleich an⸗ fangs 9 Stufenklaſſen einzurichten, das Lehrziel für die obern Klaſſen jedoch bedeutend zu ermäßigen, daſſelbe aber mit jedem Jahrescurs zu ſteigern, bis es mit dem in dem Organiſationsplane feſtgeſtellten auf gleiche Linie käme. Auf dieſe Art konnte derſelbe Zweck, als bei dem bisher in ſolchen Fällen üblichen Syſteme er⸗ reicht werden, ohne daß die Nachtheile dieſes letztern mit in den Kauf genommen zu werden brauchten.
Zu läugnen iſt nicht, daß das von uns befolgte neue Syſtem in der Durchführung inſofern ſchwieriger war, als es eine doppelte Steigerung in jedem der erſten 2 bis 3 Jahrescurſe für faſt alle Klaſſen, die unterſten Elementarklaſſen etwa ausgenommen, nöthig machte. Denn es mußten in jedem Jahrescurſe nicht nur die Schüler zur Aufrückung in die höhere Klaſſe befähigt werden, ſondern jede Klaſſe mußte daneben auch auf eine etwas höhere Unterrichtsſtufe emporgehoben werden, ſo daß mit jedem neuen Jahrescurſe der Anfangs⸗ punkt des Unterrichts und der Lehrplan höher hinaufgerückt wurde. Um dies möglich zu machen, mußte jeder Klaſſe eine dem äußern Umfange nach größere Aufgabe zugewieſen werden. Es wurde hierbei darauf gerechnet,
*) Es giebt einzelne Neal⸗ und höhere Bürgerſchulen, deren oberſte Klaſſe nach mehrjährigem Beſtehen ſo ſchwach beſetzt iſt, daß jeder Schüler jährlich vielleicht 150 Thaler und mehr Koſten verurſacht. Zum Theil iſt der Grund davon freilich auch darin zu ſuchen, daß das Ziel höher geſtellt worden iſt, als das allgemeinere Bedürfniß fordert.


