2. Die Prüfung der für die Realſchule angemeldeten Schüler.
Bis zum 22. März 1843 waren bereits 520 Schüler im Alter von 6 bis 16 Jahren für die Realſchule und die Elementarklaſſen derſelben angemeldet worden, und dieſe Anzahl ſtieg bis zum 6. April auf 548. Eine ſolche Menge von Knaben ſehr verſchiedenen Alters, und auf derſelben Altersſtufe von höchſt ungleicher Vorbildung, nach ihren Kenntniſſen und ſonſtiger Befähigung in neun Stufenklaſſen einzuordnen, ſo daß nach Möglichkeit Jedem ſein Recht würde, war ein höchſt ſchwieriges und mühevolles Geſchäft, zumal da es un⸗ möglich geweſen war, bei der Anmeldung zugleich die Klaſſe bezeichnen zu laſſen, für welche Jeder ſich prüfen laſſen wollte, und das Lehrercollegium noch nicht vollzählig war. Die Schwierigkeiten wurden jedoch glücklich überwunden, theils durch das unter dem 29. März veröffentlichte Reglement für die Prüfung zur Aufnahme in die Realſchule, welches die für den Eintritt in jede Klaſſe geſtellten Anforderungen genau angab, und wovon jedem der Angemeldeten ein Exemplar zuging, theils durch die angeſtrengte Thätigkeit der bereits activen Mit⸗ glieder des Lehrercollegiums.
Die Aufnahmeprüfung durfte natürlich nicht auf alle, ſondern nur auf diejenigen Unterrichtsgegenſtände erſtreckt werden, durch welche das Fortſchreiten in jeder Klaſſe vorzugsweiſe bedingt iſt. Als ſolche wurden im Allgemeinen angenommen: Deutſche Sprache, und zwar Leſen, Orthographie, deutſche Grammatik und ſchriftlicher Gedankenausdruck; franzöſiſche Sprache; Mathematik, nänlich elementariſches(oder Kopf⸗) NRechnen, practiſches Rechnen, Buchſtabenrechnung und Geometrie; endlich Geographie. Natürlich ſollte nicht jeder einzelne Gegenſtand bei jeder Klaſſe vorkommen.
Da mit Rückſicht auf den bisherigen Zuſtand des bürgerlichen Schulweſens in der Reſidenz mit Sicher⸗ heit anzunehmen war, daß für die obern Klaſſen der Realſchule, wie der Organiſationsplan dieſelben geſtellt wiſſen will, genügend vorbereitete Schüler ſich nicht finden würden, und Gründe vorlagen, die Anſtalt ſogleich mit neun Stufenklaſſen(einſchließlich der Elementarklaſſen) zu eröffnen, ſo war es natürlich, daß die Anfor⸗ derungen zur Aufnahme in die einzelnen Klaſſen der Anſtalt vorerſt bedeutend ermäßigt werden mußten. Dieſe Ermäßigung fand in der Art Statt, daß für Klaſſe I. im Allgemeinen kaum ſo viel gefordert wurde, als eigentlich für Klaſſe III. hätte gefordert werden ſollen, in der Mathematik insbeſondere aber noch weniger.
Zu der am 6., 7., 10. und 11. April 1843 Statt findenden Prüfung fanden ſich nur 450 Schüler ein. Die Uebrigen von den Angemeldeten waren theils wieder abgemeldet, theils durch Krankheit und andere Urſachen an dem Erſcheinen verhindert worden, theils brauchten ſie ſich zur Prüfung nicht zu ſtellen, weil ſie in die unterſte Elementarklaſſe eintraten. Dieſe Schüler hatten bisher in den verſchiedenſten Anſtalten und unter den mannichfaltigſten Verhältniſſen Unterricht geſucht und erhalten, und die Ungleichheit derſelben in Bezug auf Kennt⸗ niſſe und Fertigkeiten war ſo groß, daß ſtatt acht(ausſchließlich der unterſten Elementarklaſſe, die hier nicht in Betracht kam), vielleicht dreimal ſo viel Stufenklaſſen aus ihnen hätten gebildet werden können. Selbſt die auf gleicher Altersſtufe ſtehenden und bisher in derſelben Anſtalt unterrichteten Knaben zeigten ſehr oft eine ſolche Verſchiedenheit in ihrer Schulbildung, daß wir im größten Zweifel waren, was mit einzelnen Schülern anzufangen ſei. So traf es ſich z. B. nicht ſelten, daß ein Schüler im Deutſchen für eine beſtimmte Klaſſe geeignet war, während er in der Mathematik nicht einmal für die nächſt niedrigere Klaſſe befähigt ſich auswies. Weniger häufig kam der umgekehrte Fall vor. Die Kenntniß der franzöſiſchen Sprache ließ am meiſten zu wünſchen übrig, ja ein großer Theil der für die eigentlichen Realſchulklaſſen Geprüften wußte ſo gut wie gar nichts davon. Mit der Geographie war es derſelbe Fall. In Bezug auf die deutſche Sprache und auf die Mathematik waren die Ergebniſſe zwar nicht ſo gleichförmig gering, wie in den beiden vorher genannten Lehr⸗ objecten, aber im Ganzen ebenfalls völlig ungenügend. In den beiden obern Klaſſen, für welche ſich größten Theils vierzehn⸗ und funfzehnjährige Schüler prüfen ließen, war in beinahe allen ſchriftlichen Arbeiten die


