Aufsatz 
Die Schweden in Frankfurt am Main : 4. Bis zum Eingreifen Axel Oxenstiernas in die Verhandlungen
Entstehung
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möge endlich den Frieden wiederherstellen: diese Antwort gefalle sehr und werde wohl in Wien E machen, besonders schlieſse man sich gern den Wünschen wegen des Friedens an.

In die noch schwebenden Verhandlungen griff endlich, am 27. März, der Kanzler Oxenstierna selbst ein. An diesem Tag lieſs er dem älteren Bürgermeister sagen, er möge ihm eine Ratsdeputation senden, da er vom Könige beauftragt sei, über einige Punkte in Verhandlung zu treten.

Nachmittags 3 Uhr verfügten sich also Hieronymus Steffan von Cronstetten, Dr. Treudel und Dr. Erasmas in das Deutsche Haus zu dem Kanzler, ¹) welcher ihnen folgendes eröffnete: Was die Feindesgüůter betreffe, so wisse man sich wohl zu erinnern, wieviel Schwierigkeiten der Rat bisher be- reitet habe, habe er doch noch vor kurzer Zeit darüber ein Schreiben an den König gesandt. Dies Schreiben liege noch auf der Kanzlei, da sein Herrobliegender Kriegsexpeditionen halber noch keine Zeit zu dessen Erledigung habe finden können. Was denn Frankfurt eigentlich wolle? Ob sie denn ver- gessen hatten, dafs die Feinde genau so handelten, nur mit dem Unterschiede, dals sie ihren Vorteil dabei suchten, während der König nur die groſsen Kriegskosten damit decke!

Die Deputierten erwiderten, der Rat habe nicht vor, dem Könige sein Recht streitig zu machen, aber die Güter seien gar nicht soimportant, dals dem Könige damit gedient sei. Für die Bürger aber erwachse grolser Schaden aus der Konfiskation, übrigens habe der König selbst erklärt, wenn er das wisse, wolle er darauf verzichten. Ubrigens wollten sie, die Deputierten, dem Rate darüber referieren. Nicht blofs referiren sollt Ihr, sondern auch recommendiren, rief Oxenstierna aus. Er wisse übrigens, dals der Wert der Güter doch grols sei, sähe er eine Gefahr darin, so würde er gewifs nicht dazu helfen. Die Gefahr sei doch vorhanden, meinten die Deputierten, denken, welche der Kaiser unlängst habe androhen lassen. Also, man habe mehr Respekt vor dem Kaiser, als vor dem Könige! Das könne er, der Kanazler, nicht gelten lassen. Nein, das sei es gewils

indruck

Schreibens vorzulegen, aber der Kaiser sei und bleibe doch immer des Reiches Haupt, ganz beiseite schieben könne man den Respekt doch nicht.Kaiser und König sind die grölsten Feinde, rief der Kanzler aus,und wenn der Kaiser den König in einem Löffel vertrinken könnte, so würde er es gewils thun. Man habe sich mit dem König verbündet, auch ihm Soldaten gesendet, das spreche deutlich genug. Die Deputierten entgegneten, gleichwohl sei der Kaiser noch nicht abgesetzt, aber sie würden ihm nie gegen den König helfen.Euer Kaiser ist auf dem Leipziger Tag als der ärgste Tyrann ge- schildert worden, ich habe den Leipziger Schlufs mit groſser Verwunderung gelesen, wir Schweden würden eine solche Tyrannei nie dulden. Als die Deputierten erwiderten, die Städte seien ein gar geringer Stand im Reiche, meinte der Kanzler, trotzdem hätten auch die Städte den Leipziger Schluſs mit machen helfen, freilich habe man dabei allerleiItaliänische subtilitaeten mit underlaufen lassen, die er in seinen Nordischen Kopf nicht bringen könne, die Folge sei gewesen, daſs der Kaiser alle, die bei diesem Schlusse geblieben, als Rebellen verfolgt habe.

Das komme daher, sagten die Frankfurter, weil es den höheren Ständen selbst mit ihren Protesten nicht Ernst gewesen sei. Ubrigens die Konfiskation schädige ganz gewils Handel und Wandel in der Stadt und werde viele aus derselben treiben, wie bereits geschehen. Es handle sich, erwiderte Oxenstierna, gar nicht um Handel und Wandel, sondern um Güter von Offizieren und Soldaten. Die würden, ent- gegneten die Deputierten, in Feindeslanden dann geradeso mit den Gutern hiesiger Bürger verfahren. Dann solle Frankfurt nur die Konfiskation abkaufen, meinte der Kanzler, aber die Deputierten erklärten. hierzu mangle das Geld, übrigens würden sie dies ad referendum nehmen.

Damit wurde dieser Punkt verlassen, und der Kanzler ging auf den zweiten, die Geldfrage, über. Der König habe eine schwere Last auf sich, falls aus Geldmangel ihm etwas miſslinge, so trügen die evangelischen Stände und Städte die Schuld. Der König habeein sonderbar aug auf die 4 Städte, die 3 hätten sich schon mit ihm verbunden, auch Stralsburg habe sich schongar guet erklärt und werde anjetzo Secretarius Nicodemi dahin geschickt. Ihn, den Kanzler, lasse die Sorge nachts nicht schlafen, drum bitte erfreundlich, Frankfurt möge den König nichtstecken lassen. Die Deputierten entgegneten, wenn die Garnison, welche monatlich 10 000 Gulden koste, verringert werde, dann könne man den König wohl unterstützen, jedoch solle über diese Sachefideliter referirt werden. Die Garnison,

¹) Akten II, 73, von Erasmus' Hand.