Aufsatz 
Die Schweden in Frankfurt am Main : 4. Bis zum Eingreifen Axel Oxenstiernas in die Verhandlungen
Entstehung
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erwiderte der Kanzler, könne jetzt noch nicht entlassen werden, aber in einem bis zwei Monaten, hoffe er, werde es geschehen können. Übrigens seien ja gar nicht so viele Soldaten hier, 600 Schweden, 1200 Frankfurter, der Ort seiweitlauffig, man müsse fürchten, die Statt möchte einmahl unversehens über- rumpelt werden. Pappenheim habe einearmée volante, die breche überall durch, freilich werde er sich auf eine Belagerung nicht einlassen.Der Herr Landgrav sei noch ein junger Kriegsmann, sonst wärde er denselben schon wohl gedämpft haben. Von den Spaniern jenseits des Rheins sei wohl nicht viel zu befürchten, da Mainz sehr stark befestigt werde, trotzdem dürfe man die Stadt nichtzu bloſs lassen.

Der dritte zur Besprechung stehende Punkt war die Befestigung der Stadt. Dieselbe sei an manchen Orten mangelhaft, der König wünsche gröſsere Sorgfalt, zumal er die Königin dieser Stadt anver-

traut habe. Das sei bereits ins Auge gefafst, jedoch fehle es an Arbeitern, doch werde mit dem Bau sobald

als möglich fortgefahren werden, erwiderten die Frankfurter.Als der König, meinte Oxenstierna,die Stadt besichtigte, ist er über deren Werke erschrocken; wenn er sie nicht der Religion wegen habe ver- schonen wollen, so hàtte er sich getraut, in 5 Tagen hinein und hinter die Mauern zu kommen. Herr Graf von Hohenlohe hat mir erzählt, er habe jüngst beim Spazierenreiten etliche Franzosen erblickt, welche die Festungswerke recognoszierten und über deren Mängel, die sie bald herausgefunden, lachten. Wenn Ihr über Arbeitermangel klagt, ich habe mein Leben nicht mehr Bettler zusammen gesehen, als in Mainz. die will ich Euch zum Bau nach Frankfurt herauftreiben lassen. Oxenstierna bat ferner um einige Artilleriepferde, aber die Deputierten entgegneten, der Rat habe selbst keine, man müsse den Bedarf leihweise bei den Kutschern decken, diese aber brauchten ihre Tiere zur hiesigen und zur Leipziger Messe. Sie wollten aber jedenfalls diesen Wunschan gehörigem Orth vorbringen. Der fünfte Punkt betraf die Weigerungdes teutchen und ander dergleichen Heuser, den Königlichen Kommissarien Wein und Frucht zu liefern. Aber die Deputierten erwiderten, davon sei ihnen nichts bekannt, sie glaubten nur, daſs das, was von Frucht und Wein darin lagere, wohl den Verwaltern gehöre, übrigens hättendie Stifftsherrn zur erlegung ihrer ranzion hier starck gelt gesucht, man müsse daher bezweiflen, dafs hier etwas zu bekommen sei.

Der sechste Punkt betraf, wie zu erwarten, die Zahlung des noch nicht erledigten Geldes. Vor allem bat Oxenstierna, dals man doch den Rheingrafen befriedige. Die Deputierten erwiderten,dafs die 100 000 Rthlr. schwärlich hereingehen wollen und man dieselben noch nicht gar zu handen gebracht, doch solle der Rheingraf demnächst sein Geld erhalten. Nachdem der Kanzler den Abgeordneten noch- mals die 6 Punkte zur besonderen Empfehlung ans Herz gelegt hatte, teilte er ihnen mit, er werde aut 5 Tage wieder nach Mainz verreisen, aber Sparr pleibe hier, mit diesem könneweitteres discurrirt und gehandelt werden.

Man sollte meinen, dals nach dieser eingehenden Besprechung der Rat sich nun zum Entgegen- kommen bequemt hätte, allein in der Sitzung am 29. März ¹) blieb man genau auf dem früheren Stand- punkt stehen. WasCaducen betreffe, so könne man nicht nachgeben, da bereits 2 Bürger, Daniel Prior und Jacob Flösser, in Wien an Geld und Gut geschàdigt worden seien. UÜbrigens solle man um eine Liste aller Feindesgüter ersuchen, um ihren wirklichen Wert kennen zu lernen. Den Sekretär Schwalen- berger mit seinen 3 Kisten solle manzu fernerer geduld ermahnen. Was die Kontribution anlange, so werde man wohl etwas thun müssen, allein da das Aerar nichts. hergeben könne, solle man suchen, wie man sonst zu Geld kommen könne. Zu dem Zwecke wurde wieder einmal eine Deputation gewählt. Dals die Festungswerke ergänzt würden, dafür sah man die Notwendigkeit ein und beschlofs deshalb die angefangenen werck zu vollenden, zum Schlufs und in sicherheit zu bringen. Artilleriepferde seien keine vorhanden, wofern aber die Garnison aufgehoben werde, wolle man einige kaufen. Darüber solle manauch den Juden zusprechen. Was den fünften Punkt, Lieferung von Frucht und Wein betreffe, solle man sichhierinnen nit viel difficultiren, sondern alles geschehen lassen. Der sechste Punkt beruhe uff sich selbsten, weil derselbe schon seine Richtigkeit erlangt.

Wir müssen leider hier abbrechen, da der uns zugeteilte Raum nicht überschritten werden darf, hoffen aber, später die angefangenen Verhandlungen wenigstens zu Ende führen zu können.

¹) Akten II, 74