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Nun habe das Unglück angefangen. Denn mit den Kaiserlichen sei auch der Obrist von Ossa gekommen, habe sofort das gesamte„Collegium“ in Gefangenschaft genommen„und mit hefftigen Ehren- rürigen Wortten, auch mit erschrecklicher Henkhens und Spiefsens bedrohung auff das hertist angefahren.“ Darauf habe er 100 000 Rthlr. als Strafe auferlegt, diese Summe aber allmählich auf 20 000 Rthlr. ermäſsigt: Diese Summe sei innerhalb 3 Wochen aufgebracht worden,„theills an baarschafft, theilfs an Silber, geschmeid und anderen cleinodien, so von Uns und Unserer bürgerschaft mit höchster miehe zusammengetragen.“ Aufserdem aber seien noch 6000 Ellen Tuch, 3000 paar Schuhe für die Soldaten verlangt worden, und diese Soldaten seien bei Tag und Nacht während 3 Wochen in die Kramlâden eingefallen, und haàtten dieselben beraubt, ja sogar noch am letzten Tage unmittelbar vor ihrem Auszug. Die Stadt habe einen Schaden erlitten, der„mit etlichen Tonnen goldes nicht zu repariren ist.“
Nun habe man gehofft, das Unglück habe seinen Hôhepunkt erreicht, aber nein, anstatt einer geringeren Garnison seien jetzt 3 Regimenter, und zwar das Farnbach'sche, das Savelly'sche und das Balderoni'sche samt ungeheurem Troſs und„2 Kompagnien Krobaten sambt einem Freyfahnen“, in die Stadt gelegt worden. Diese blieben 9 Wochen, verschwendeten die Lebensmittel„gottloser Weils“, zehrten alles Getreide auf, ängstigten„die Leuth, ja wol blutarme“, schonten weder Alte, noch Kranke, noch Witwen und Waisen.„so gar noch der Geistlichen, ja der sterbenden“ enthielten sie sich nicht, Pferde, Klein- und Grofsvieh führten sie entweder hinweg oder töôteten sie ohne Bedarf, Dörfer zündeten sie an, auch das Spitalsthor und der Turm wurden eingeäschert, die fruchtbaren Gârten wurden rings um die Stadt verwüstet, den armen Leuten wurde das Hausgeràâte„zu schanden gemacht“, kurz„Wilde und Barbarische Völckher“ hätten nicht ärger hausen können.
Bei dem Auszug leerte der Oberst von Farnbach ¹) das Zeughaus und die Rüstkammer vollständig aus. Ein von dem Büchsenmeister Peter Essel beigefügtes Verzeichnis ²2) der geraubten Waffen bestätigt die Angabe des Schreibens und zeigt, wie die Kaiserlichen in Rothenburg gehaust haben müssen. Nun brach noch zu allem Unglück eine„geschwinde Seuch“ in der Stadt aus, sodals die Zahl der Bürger beinahe auf die Halfte herabsank. Jetzt verlangten die Kaiserlichen, Rothenburg solle die Freilassung des Massoni bei den Schweden bewirken; als dieser nicht freikam, mulste die Stadt Geilseln stellen, welche zuerst nach„Dunckhelspühl“, von da nach Nördlingen geschleppt wurden.
Man habe, fährt der Bericht fort, um deswillen so ausführlich den jammerlichen Zustand der Stadt geschildert, damit, falls zu Ieilbronn etwas beschlossen werden sollte, man auch der armen Stadt Rothenburg gedenke. Es sei in der Stadt jetzt soweit gekommen, dals man den Beamten eine Zeit lang ihren Gehalt nicht werde zahlen können, wieviel weniger werde man jetzt zu gemeinsamen Lasten im stande sein, beizutragen. Aulserdem schreibe man das alles, damit die befreundeten Städte, falls man von Rothenburg anderes berichte, genaue Kenntnis haben, wie es daselbst zugegangen sei. Man bitte aber, dals zu Heilbronn dahin gewirkt werde, dals Rothenburg fortan mit Einquartierung verschont werde, da die Soldaten dort nichts mehr,„auſser dem bitteren hunger“ finden könnten.„Welches alles Wir Göôttlicher providenz und Allmacht anbefehlen und heimbstellen wollen, Dieselbe wolle Unser geliebtes Nothleidendes Vatterland teutscher Nation aufs der langwürigen Unruhe wider zu Fried unl ruhe bringen, und alles ferneres Unheil gnädiglich abwenden.“
Eine Nachschrift ³) giebt den Grund an, warum das für die Abgeordneten in Heilbronn bestimmte Schreiben nicht in deren Hände habe gelangen können. Man habe zwar das Schreiben rechtzeitig aus- gefertigt, auch den Boten zur rechten Zeit abgesandt, dieser aber sei„gestern wieder zurück kommen
¹) Die Akten schreiben Varmssbach. ²) Akten II, 59. Wir verzichten auf die Wiedergabe, da es bei Soden I, 105 fast vollständig wiedergegeben ist ³) Akten II, 58, datiert vom 15. Februar 1632.


