Aufsatz 
Die Schweden in Frankfurt am Main : 4. Bis zum Eingreifen Axel Oxenstiernas in die Verhandlungen
Entstehung
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8.

Es kann hier selbstverständlich unsere Aufgabe nicht sein, den König auf seinen Zügen zu be- gleiten; wir werden dieselben nur soweit erwähnen, als sie mit der Geschichte unserer Stadt in Be- rührung kommen.

An demselben Tage, dem 16. Februar, wurde ein Schreiben ¹) des Wiener Agenten, Jeremias

Pistorius von Burgdorff, übergeben, worin derselbe die Stimmung am kaiserlichen Hofe schildert. Er könne nicht umhin, den Herren in Frankfurt mitzuteilen, dals man in Wien die Meinung verbreitet habe, die Stadt betrachte sich, durch ihre Verbindung mit Gustav Adolf, aller pflichten gegen den Kaiser für entlastet. Er thue zwar, was er könne, er entschuldige den Rat unddefendire ihn aufs beste, alleinan manchen Orten verfangt's, an anderen nicht, wie es der Zeit in der Welt zuzugehen pflegt. Er fürchte, dals mit der Stadt übel umgegangen werden möchte, um so mehr, als man von dem Abfall derselben bereits in Druckschriften, welche in vielen ExemplarenSpargirt werden, spreche.

Aufserdem vermerke man in Wien sehr übel, dals man in Prankfurt die nach dort geflüchteten katholischen Güterherausfordere und zu sich nehme, ja sie sogar an den Schwedenkönig verabfolgen lasse. Sie, die Herren von Frankfurt, könnten leicht begreifen, dafs es unter diesen Umständen an dèffamationibus nicht mangele.

Sonst ist es allhier still und kein Gewilsheit, wie es an einem oder dem anderen Ort steht;

allhier liegt das Land voll Volks, und hat der Herzog von Friedland²) gewifs in die 70 000 Mann beisammen, führt, wo er hinaus will, aber mit seinen Intentionen hält er noch zurück.

Dabei erwähnt Pistorius, daſs am Hofe und auch anderwärts bedeutende Gegenströmung gegen Wallenstein herrsche. Die Bedingungen, welche Wallenstein, der die ganzen Verhandlungen an sich

herankommen liefs, und so den Vorteil des Forderns hatte, stellte, waren zu ungeheuerlich, als daſs sie

nicht vielfach, selbst in der nächsten Umgebung des Kaisers hâtten Bedenken und Miſstrauen erregen müssen. Wie rasch es übrigens dem Friedländer gelungen war, ein bedeutendes Heer aufzustellen, geht aus des Agenten Bericht deutlich hervor..

So wichtig auch des Agenten Brief war und so betrübend vielen gewils die Nachricht erschien, qaſs man in Wien übel angeschrieben sei, es liels sich zunächst nichts dagegen thun. Man wurde ja formlich mitgerissen, ob man nun wollte, oder nicht. Welchen Widerstand hatte man doch dem auch in Wien bereits bekannten Konfiskationswerke entgegengesetzt, und immer hatte der König doch seinen Willen durchgesetzt!.

Eine neue Verlegenheit bot sich, als Hieronymus von Stallburg ³) die Mitteilung machte, der Hofmeister der Königin sei bei ihm gewesen und habe sich beklagt, dafs ein Teil desComitats noch in Wirtshäusern untergebracht sei. Man verlange andereLosamenter; da aber die Bürgerhäuser auf dem Liebfrauenberg) alle vollbelegt seien, sostehe zu bedenken, ob in den Geistlichen Hausern jemand zu bequartiren sei.*) Wieder griff das in die garantierten Rechte der Geistlichen ein, aber man sah keinen anderen Ausweg und beschloſs deshalb kurzer Hand, die Häuser der Geistlichen, wie

¹) Akten II, 35. Die Tinte ist so abgeblafst, dafs nur einzelnes noch zu lesen ist.

²) Uber die Verhandlungen, welche zu seiner Wiedereinsetzung führten, vgl. Gindely a. a, O0., Droysen a. a. O., auſserdem die Schriften von Irmer I, Gaedeke und Hildebrand. Im Dezember 1631 hatte Wallenstein, zunächst nur auf 3 Monate, den Oberbefehl wieder übernommen; er wuſste gar wohl, dafs es nur auf ihn an- kommen würde, das Kommando dauernd zu erhalten. Droysen II, 516 f. Uber die Bedingungen, unter denen er sich endlich dauernd band, vgl. Droysen a. a. 0; Gindely II, 254.

³) Hieronymus Stallburg vgl. Schweden I, 8 Anm. 2. Er ist 1623 in den Rat gekommen, 1629 jüngerer Bürgermeister, 1632 Schöffe geworden. In den Jahren 1636, 1642, 1647 war er älterer Bürgermeister, wurde am 27. Juli 1648 Schultheifs, 29. Okt. 1662.

¹) Battonn IV, 207 f.

) Bürgermb. 16. Februar 1632.