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Friedrich hatte seine beiden Räte, Blauerer und Hermann Kolb, bei sich, zu gleicher Zeit erschien auch der englische Gesandte Bane, um für die Wiedergewinnung der Pfalz kräftig einzutreten. Daſs die Ver- handlungen an der zähen Zurückhaltung Englands, sowie an dem Zaudern Friedrichs und seinem Be- denken, Gustav Adolf als sein Oberhaupt anzuerkennen, scheiterten, sei hier nur nebenbei bemerkt.¹)
Daſs übrigens in dieser Zeit den König Fragen von unendlich höherer Bedeutung beschaftigten, als diese armselige pfälzische Frage war, ist klar. Wir müssen es uns leider versagen, auf die diplo- matischen Verhandlungen dieser Tage, die gleichzeitig in Paris, Wien, Dresden erwogen wurden, näher einzugehen, da uns nur die Vorgänge in der Stadt selbst beschäftigen sollen. ²)
Die folgenden Tage, 11. 12. und 13. Februar, vergingen ohne bemerkenswerte Ereignisse; das Konfiskationswerk schritt langsam vorwarts, ohne einen Tag ausgesetzt zu werden; der König begehrte bald dies, bald jenes zu wissen, sodafs Deputierte des Rates wohl jeden Tag zur Audienz zu ihm be- fohlen waren, soweit er nicht selbst von hier abwesend teils in Höchst und Umgegend, teils in Mainz, ja selbst weiter abwärts am Rhein weilte.
Am 14. Februar 1632 berichtete der ältere Bürgermeister, daſs der schwedische Reichsrat, Johann Sparr,„vorhabend und entschlossen seye, den Schönburgischen Hof ³) allhier zu bewohnen, des- gleichen eine sonderbare Zollordnung an den Churfürstlich Mayntzischen Zöllen einzurichten.“ Der Schönburgische Hof gehörte zu den Freihöfen der Stadt, und es war somit eine Beziehung desselben durch die Schweden eine Verletzung der durch den König gewährleisteten Rechte, trotzdem beschloſs man,„die Beziehung genannten Hofes nicht zu diffikultieren, dem Reichsrate aber anzudeuten, dals die Einwohner in ihren Rechten nicht beeinträchtigt werden dürften“.¹) Was die Zollordnung betrifft, so wollte man die hiesigen Zöllner anweisen, dem Reichsrate den„nottürftigen Bericht“ zu seiner Orien- tierung zu geben, weiter solle man jedoch nicht gehen.
Ferner berichtete Dr. Faust, die schwedische Kanzlei habe ihm angezeigt, der auf Papier aus- gefertigte Assekurationsschein sei„ziemlich zerschlissen,“ der König begehre ein anderes, auf Pergament geschriebenes, Exemplar. Schon früher hatte Gustav Adolf einmal dasselbe Verlangen gestellt, die Aus- führung war in Vergessenheit geraten, jetzt wurde die Herstellung schleunigst angeordnet, und das neue Exemplar bereits am 15. Februar übergeben.
Eine ungleich wichtigere Mitteilung konnte Dr. Faust machen. Er berichtete, der Sekretär Schwalenberger habe ihm erzahlt, der König sei willens, den Fronhof5) mit allen Gefällen und Rechten einer hier sefshaften Person zu verehren. Weil aber dieser Hof zu der Jurisdiktion des hiesigen Rates gehöre, so sei es unschwer, denselben zu erlangen, falls der Rat den König darum angehe.
Gewils war der Besitz dieses Hofes recht begehrenswert, aber die Sache hatte doch ihre zwei Seiten, deshalb waren denn auch die Vorsichtigeren der Meinung, man solle versuchen, den König von dieser Schenkung abzubringen. Lasse sich Gustav Adolf nicht bestimmen, so könne man allerdings eine Andeutung dahingehend machen, daſs man sich auch eine„Assekuration“ durch geistliche Güter gefallen
¹) Vgl. dazu Droysen II, 472. Gindely II, 265 f. Wie richtig übrigens Gustav Friedrich beurteilte, geht aus einem Briefe des letzteren an seine Gemahlin hervor, worin er schreibt:„die Zeit wird mir nicht lange beim König, nur möchte ich wissen, woran ich bin.“ Gustav that alles, um die Eitelkeit des Winterkönigs nicht zu verletzen, aber zu weiterem konnte er sich mit einem solch haltlosen Manne nicht verstehen. Vgl. übrigens Moser, patriotisches Archiv für Deutschland, IV, 466 ff.; VI, 174 ff. den sehr interessanten Briefwechsel zwischen Gustav und Friedrich vom 22. Sept. 1632, 28. Okt. 1632.
²) Der Leser wird das Betreffende leicht aus Gindely II, Droysen II, Irmer I, etc. ergänzen können.
³) Battonn V, 210, in der Münzgasse.
⁴) Bürgermb. 14. Februar 1632.
³) Vgl. über den Fronhof auch Mitt. I, 302.


