Aufsatz 
Die Schweden in Frankfurt am Main : 4. Bis zum Eingreifen Axel Oxenstiernas in die Verhandlungen
Entstehung
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Eine neue Überraschung stand der Stadt bevor. An demselben 9. Februar wurde ein Brief überbracht,¹) worinFriedrich von Gottes Gnaden König in Böheimb, Pfaltzgrave bey Rhein undt Churfürst, Hertzog in Beyern, Marggraf in Mähren, Hertzog in Schlesien und Lützelburg, Marggrav in Ober und Nieder Lausnitz, sich für den folgenden Tag zu Gast ansagte.Nachdem wir unseren lang- bedrängten armen Unterthanen und dem gemeinen Evang. Wesen zum besten Uns aus Hollandt dieser Orten wieder begeben und ehisten tages mit defs Königs in Schweden Maj. Uns zu besprechen die höchste notturft erfordert, daſs wir demnach gemeint morgendes tages, geliebts Gott, uns nacher Frank- furt zu erheben, zu dem ende auch allbereit uns umb ein bequemes losament zum Froſs ²) uff dem Kornmarkt bewerben lassen, der gewissen Zuversicht, Ihr daran nicht allein kein Milſsfallen tragen, sondern vielmehr unserem Abgeordneten alle mögliche Beförderung zu unserer nottürftigen Losirung thun werdet, gestalt wir euch dann hierunder günstig hiermit ersuchen und solches gegen Euch und gemeine Stadt hin wiederumb günstig erkennen wollen. Hornauw 19. Februar 1632.

Friedrich, derWinterkönig, war in der That aus Holland gekommen, weil er von Gustav Adolf, der ihn alsFreund, Bundesgenossen und vor allem als König von Böhmen anerkannte, Wiedererwerbung der Pfalz erhoffte. Welchen Umschwung der Dinge hatte er erfahren! Noch vor wenigen Jahren war seine SacheParteiprogramm ³) gewesen, jetzt war siehinabgesunken in die geheimen Tiefen der diplomatischen Intrigue, versunken zum gröſsten Teil durch Friedrichs Schuld selbst. Früher hatte der Winterkönig 4) bei dem Kaiser gebettelt umEw. Kaiserl. Maj. Huld und Favor samt meiner recon- ciliation und restitution, noch vor kurzer Zeit hatte der Kaiser mildere Seiten aufgezogen, um zu ver- hüten, daſs England, das thatenlose England, das sich freilich rühmte, die einzigepolitisch konsequente Macht zu sein,5) dem Gegner sich anschlielse. Allein die Zeit war vorüber, dafs des Kaisers Nach- giebigkeit hätte helfen können, sein Wort galt nichts mehr.

Da schien freilich Friedrich die Zeit gekommen, von Gustav Adolf, dessen Heere bereits an der Grenze der Pfalz standen, das zu erlangen, was er kurz zuvor von den Gegnern desselben erlangen zu können gehofft hatte.

Friedrich hatte sich zuerst durch den böhmischen Flüchtling Slavata) die Versicherung eingeholt, dals Gustav Adolf ihm die früheren Schritte nicht nachtrage, und jetzt erschien er, nachdem ihn der Schwede darüber beruhigt hatte, in Frankfurt, um seine Sache zu betreiben, wie er sie vorher bei dem Kaiser hatte betreiben lassen. Gustav Adolf war ihm, wie es scheint,?) bis Höchst entgegengegangen, hatte ihn herzlich empfangen und überhauptmit der ausgesuchtesten Sorgfalt die Regeln der Etikette gegen ihn beobachtet.8) Am 10. Februar, um die Mittagszeit, langte der Zug, Friedrichzu Kutschen mit ungefähr 30 Reysigen hier an, auch von dem Rate wurde nichts versäumt, und der Gastgegen Abend mit Wein und haber verehrt. ²)

¹) Akten II, 33.

²) Battonn V, 58; Lit J N. 201 ff. Kornmarkt(in der Buchgasse); zum Frafs auch Frosch, sonst auch der Schönauerhof. In der Einfahrt des alten Hauses war neben, über einer Gewölbthür, eine sitzende Figur in Stein ausgehauen, welche Schinken, Würste und andere Eſswaren vor sich liegen hatte. Dabei stand die Schrift: Anno Dni 1547Fressen unt Sufen is mir wol bekant. Darum bin ich zo dem Frois genant.

³) Droysen II, 469.

¹) Friedrich an Ferdinand II. vom 4. April 1631.

Droysen II, 470.. ) Droysen II, 471. ) Lersner I, 354. ) Droysen II, 471. ³) Bemerkung von des Stadtschreibers Hand unten an dem Briefe Friedrichs.