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In derselben Sitzung des Rates, in der die Deputierten nach Heilbronn entsandt wurden, berichteten die„Rechenherren“, daſs das Aerar völlig erschöpft sei, wenn man nicht auf neue Mittel und Wege sinne, Geld zu schaffen, so könnten sie den verschiedenen Verpflichtungen nicht gerecht werden. Sie selbst schlugen vor, die Weinsteuer auf das Doppelte zu erhöhen, was endlich nach langen Debatten genehmigt wurde. Die Verpflichtungen der Stadt waren allerdings grolse, und von allen Seiten entstanden neue Forderungen. So bat am 2. Februar der Wirt Erasmus Seiffert, man möge ihm doch die 130 Rthir. bezahlen, die der schwedische General-Kriegs-Kommissarius bei ihm für Zehrung schulde; ferner zeigte—— der Goldarbeiter Adam Pick an, der schwedische Marschall sei bei ihm gewesen und habe die goldene 4 8 Kette, welche die Stadt ihm verehrt, weiter machen lassen, er bitte, ihm dafür„56 Kronen“ zuzubilligen,— welche er fast nur für Auslagen gebraucht habe. Am 2. Februar liels der König durch Hieronymus 5 Steffan von Cronstetten und Dr. Erasmus dem Rate mitteilen, er sei genötigt,„sich von hinnen zu begeben, um dem Feind,„der allbereits im Aufzug und über die Mosel gegen die Pfalz zu sein solle,“ zu begegnen. Er wolle seine Gemahlin hier lassen, man solle der Stadt wohl wahrnehmen, damit die Königin aufser Gefahr sei.“*) Garnison und Festungswerke seien noch immer nicht stark genug.
So erhoben sich von allen Seiten Ansprüche an das Aerar, das völlig erschöpft war. Und, um die Verlegenheit zu mehren, zeigte jetzt auch der schwedische Quartiermeister an, die Königin sei ent- schlossen, wenn Gustav Adolf Frankfurt verlasse, ihr bisheriges Quartier im Braunfels aufzugeben, er 3 bitte für 183 Personen und 64 Pferde„Losament uff dem Kornmarkt herum“ zu beschaffen.2²2) War das schon an sich schwer, so wurde es jetzt fast unmöglich; deshalb entschied man denn kurzer Hand, man solle dem schwedischen Quartiermeister„andeuten“, er solle sich wegen Wohnung mit den Bürgern
selbst in Unterhandlung setzen. Keinesfalls wolle man sich der Sache selbst annehmen, um die Ver- 4 pflichtung des Bezahlens damit nicht zu übernehmen. Das Konfiskationswerk hatte inzwischen seinen ruhigen Fortgang genommen. Jetzt beschwerte*
sich auch der Prior des Karmeliter-Klosters,²) dals schwedische Offizziere„sie in ihrem Closter nit allein mollestiert“, sondern auch etliche Rüstungen, die daselbst aufbewahrt gewesen seien, weggenommen hätten. Der Rat beschloſs, sich zwar„der Rüstungen nicht anzunehmen“, die sonstige Beschwerde aber höheren Ortes vorzubringen und um Abhilfe zu bitten.⁴)
Wenige Tage später beschwerte sich auch der Schaffner des Johanniterhofes,⁵) Nikolaus Müller, dafs Thyllius mit seinen Leuten eingedrungen sei und alle dort liegende Frucht„inventiert“ habe. Thyllius sei willens,„alles dort mit Arrest zu belegen“; deshalb bitte er um schleunigen Schutz. Der Rat mufste auch hier wieder zusagen, daſs der Johanniterhof gleich den übrigen geistlichen Gütern gehalten werden solle, und daſs man sich wegen jeder Verletzung beschweren werde. ⁵)
Es ist nur zu natürlich, dals sich unter solchen Umständen die Unsicherheit auf den Strafsen mehrte, weshalb denn auch der ältere Bürgermeister in derselben Sitzung am 9. Februar zur Anzeige brachte, verschiedene verdächtige Personen hätten sich in die Stadt eingeschlichen, wie ihm glaubwürdig mitgeteilt worden sei. Es wurden daher die Kapitäne in den Quartieren angewiesen, fleifsiger Aufsicht zu führen.*)
¹) Bürgermb. 2. Februar 1632.
²) Ebendas. 1 ²) Battonn V, 143. Den Karmelitern wurde übrigens im Jahre 1633 aufgegeben, die Stadt zu verlassen; sie wandten sich, 7 an der Zahl, nach Köln, kehrten jedoch bald zurück. Am 28. August 1633 hat Dr. H. Tettel- bach die erste lutherische Predigt in der Karmeliterkirche gehalten.—
4⁴) Bürgermb. 2. Februar 1632.
⁵) Battonn III, 88 ff: Mitteil. IV, 293.
⁶) Bürgermb. 9. Februar 1632. ⁷) Ebendas.


