Aufsatz 
Die Schweden in Frankfurt am Main : 3. Bis zu Gustavs Adolfs Anwesenheit in dieser Stadt, 20. Januar 1632
Entstehung
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Am 1. December 1631 hatte der Rat der Stadt dem Könige Gustav Adolf den Eid der Treue geleistet, am 2. war die Bürgerschaft, am 3. dieSoldateska verpflichtet worden. Aber noch war die Zeit der Aufregung und der unangenehmen Ueberraschungen nicht vorüber. Bereits am 3. December hatte sich durch die Stadt das Gerücht verbreitet, Graf Solms lasse überall aufFeindesgüter fahnden, da dieselben einzuziehen befohlen worden sei. Die Gewilsheit ergab sich bereits Sonntag 4. De- cember durch die protokollarische Vernehmung verschiedener Bürger, denen Graf Solms und seineSub- delegirten in wenig freundlicher Weise zugesetzt hatten. ¹) Weitere Umfragen am folgenden Tage be- stätigten nicht blos die Aussagen der vernommenen Bürger, sondern lieſsen die ganze Angelegenheit auch als so wichtig erscheinen, daſs der Rat sich gedrungen fühlte, für Dienstag 6. December sie zum Gegenstand besonderer Verhandlung zu machen. Daſs jetzt erst das dem Grafen Philipp Reinhard von Solms bereits am 28. November von dem Könige ausgestellte Dekret vorgelegt werden konnte, dals man jetzt erst erfuhr, wen er zu seinenSubdelegirten gemacht habe, ist bereits früher gezeigt wor- den ²), ebenso, dals man, nach dem Gutachten der Advokaten, ³) beschlols, diese Sachebei dem Könige abzubitten.

Aber die Tagesordnung war damit an jenem 6. December noch nicht erschöpft. Der jüngere Bürgermeister trug nämlich ferner vor, daſs ein Schreiben des Königs, ausgestellt am 4. December zu Gernsheim,) angelangt sei, worin es heiſse ⁵5):Wir mögen Euch nicht verhalten, walsmaſsen Wir, Euere Stadt so viel mehrers in sicherheit zu setzen, Landgrafen Wilhelm zu Hessen freundlich auf- getragen, die Vestung Koenigstein zu attaquiren. Alſs aber S. Gnaden hierzu die benötigten schweren Stück manglen und Wir keine hinderlassen welche zu solchem ernst dienlich wehren, haben Wir das Vertrauwen zu Euch nemen und Euch hiermit gnedig ersuchen wollen, Ihr wollet unbeschwert sein, Hochgedachtem Landgrafen, in betracht, dass sein Vorhaben fermerklich zu Euwerer Statt bestem angesehen, mit einem Paar halber Canonen und den darzu behõrigen Kugeln zu assistiren und Uns darunder einen underthenigsten gefallen erweiſsen. Wir sind erbôtig, Euch die Stück entweder unversehret wieder liefern, oder die schadhaften anderweidlich ersezen und die gelieferten Kugeln mit gleichföormigen erstatten zu lassen und verbleiben Euch mit gnaden stets beigethan.)

Fast gleichzeitig mit diesem Schreiben sei ein zweites angelangt, ausgestelltin itzigem Haubt- quartir Elffelt den 4. December vom Landgrafen Wilhelm zu Hessen, worin derselbe anzeige, er habe den Vesten und Manhafften, Unſseren Kriegsrath Commissarium undt lieben Getreuwen Otto von der Malzburg mit mündlicher Werbung gnedig abgefertigt, gesinnen dahero günstig, ihr wollet ihnen nicht allein forderlich hören, sondern auch seinem an: und vorbringen gleich Unss selbsten völligen glauben beymessen, und euch in wiederantwortt also vernehmen laſsen, wie es der sachen notturfft erfordert und Wir unſs zu euch versehen thun. 7)

¹) Vgl. darüber Schweden II, 38 ff.

²) ebend. p. 41 f.

³) Akten I, 83.

4) hatte sich am 3. December dem Könige ergeben.

⁵³) Akten I, 76.

²) Der sehr zierlich geschriebene Brief trägt die eigenhändige Unterschrift des Königs, war mit dem gröſseren Seaatssſepel verschlossen und ist bereits am 5. December in Frankfurt eingetroffen.

1) Akten I, 77.