Aufsatz 
Die Schweden in Frankfurt am Main : 2. Bis zu der eidlichen Verpflichtung des Rates und der Bürgerschaft und der Beschwerde über die Einziehung der "Feindes-Güter", 6. Dez. 1631
Entstehung
Einzelbild herunterladen

1

kommen konnte, die Angelegenheit in Frankfurt zu ordnen. Nun war Sonntag, ein streng gefeierter Ruhe- tag im Lager, ¹) da bot sich Gelegenheit, nach Frankfurt zurückzukehren, um die ins Stocken geratenen Verhandlungen wieder von neuem aufzunehmen. Am Vormittag hatte der König in Höchst dem Gottes- dienst, den sein Hofprediger leitete, beigewohnt, dann war er gleich nach Tisch aufgebrochen und erschien um 3 Uhr vor der Stadt. Er wurde hier vonden Herrn und Reutterey empfangen ²) und ins Braun- fels ²) geleitet, wo ihm allerrespect und freundschaft erwieſsen) wurde. Auf dem ganzen Wege vom Bockenheimer Thor bis zum Braunfels wurde der König von der Menge enthusiastisch begrülst, vielerlei wurde dabei erzählt von seiner Leutseligkeit, von seinem an Tollkühnheit grenzenden Mut. So versicherten einzelne Stimmführer auf das ernsthafteste, er sei am 16ten November, dem Tag vor seinem Einzuge in die Stadt, bereits verkleidet mit zwei Soldaten hier in der Stadt gewesen, habe sich die Befestigungs- werke und viele Strafsen angesehen, habe sich dann im Dom während des Gottesdienstes längere Zeit aufgehalten und sei endlich gegen Abend unerkannt wieder aus der Stadt entkommen.) Solcherlei muſste die Menge natürlich nur noch mehr für den König begeistern, und es ist wohl als ein allgemeines Urteil anzusehen, wenn Kitsch in seiner Chronik ausruft:Es ist nicht genugsam zu beschreiben, von wegen Ihr Königl. Maj. wie er so ein schöner freundlicher, treuhertziger, dapffrer, kriegsverständiger und wol beredter Man er ist. Von Person ist Ihr. Königl. Maj. sehr grofs dick und starck, das seines gleichen nicht viel gefunden wirdt, sonderlich an Weifsheit und verstandt, die ihm Gott der allmächtige gegeben hat.

Es scheint, daſs Gustav Adolf noch an demselben Tage den Herren der Stadt seine Wänsche, den Eid und die Stellung der Bürgerschaft und Soldatesca betreffend, ganz unzweideutig zu erkennen gab. Doch lieſs sich am Sonntag darüber ja nicht in einer Ratssitzung verhandeln, zumal noch andere Geschäfte dem Könige sehr am Herzen lagen, galt es doch mit Wilhelm, dem Landgrafen von Hessen-Cassel, der bereits bei Höchst seine Truppen hatte zu den Schweden stoſsen lassen, den weiteren Kriegsplan zu verein- baren, vor allem aber mit Georg von Hessen-Darmstadt, dem Schwiegersohn des Kurfürsten von Sachsen, vielleicht der traurigsten unter den traurigen Erscheinungen damaliger deutscher Reichsfürsten,) endlich zu einem annehmbaren Vergleiche zu kommen. Landgraf Georg hatte sich nämlich lange mit dem Ge- danken getragen, die Wirren in Deutschland mit Hilfe anderer Fürsten beilegen zu können, er hatte einen Convent zu Mühlhausen in Thüringen vorgeschlagen, dort sollten Erzherzog Leopold, Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm, der Markgraf Christian von Brandenburg und er, Georg, als vemittelnde Fürsten ver-

¹) Gustav Adolfs Kriegsartikel, von seiner eignen Hand verfasst, schreiben unter anderem vor, dals jeden Sonntag Gottesdienst von dem Feldgeistlichen gehalten werden müsse, jede Woche eine Predigt, sobald sich Ge- legenheit dazu gab; ferner solle jeden Morgen und jeden Abend gebetet werden. Jedes Regiment hatte vier Feld- priester vgl. Gejer III, 51, 108. Alle Feldgeistlichen zusammen bildeten ein Feldconsistorium, dem des Königs Hofprediger oder der Prediger des Generals vorstand.

²) Kitsch, Archiv I, 165 f, vgl. Müller I. c. p. 66, Lersner A I, 398.

³) UÜber das Braunfels vgl. Battonn IV, p 237. Gemeint ist dasGroſse Braunfels Liebfrauenberg Lit. K. Nr. 46.

Der Hof gehörte in älteren Zeiten der Familie Brun oder Braun, die sich nach ihm Braunfels nannte. 1589 erlosch die Familie; der folgende Besitzer, Greif, baute 1596 die grofse Brandmauer zwischen Braunfels und dem Sandhofe und liefs 1597 den Gangbau aufführen, vgl. Lersner I. c. I, 26. Batt. 238.

1694 brachte die Gesellschaft Frauenstein den Hof durch Kauf an sich, am 13. Nov. 1694 fand die erste Sitzung und Aufnahme darin statt. Am 31. Oct. 1495 hatte Maximilian I. das erste Kaiserliche Kammergericht hier abgehalten, am 16. Februar 1496 war hier das erste Urteil der Acht publiciert worden. Hier hatten Kaiser

4) Kitsch 1. c. 165. ) Vgl. Kitsch I. c. p. 168. ) Droysen II, 453.