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Kaiser gegenüber sich nicht mehr entschuldigen, wenn man ohne weiteres dem König hierin zu Willen war. Daſs Gustav Adolf nicht nachgeben werde, das verhehlten sich die Leiter der Stadt nicht, daſs man aber auf alle Fälle am sichersten sei, wenn man aktenmäſsig nachweisen könne, wie man nur gezwungen gethan, was viele gewils von freien Stücken gern thaten, das stand fest.
Es fanden wahrscheinlich zunächst wegen dieser Eidesleistung und wegen der Form des Eides mündliche Verhandlungen statt. Die Akten wissen über eine Ratssitzung am Samstag den 19ten November nichts zu berichten. Dieser Gang befriedigte den Grafen Philipp Reinhard zu Solms nicht, deshalb ubersandte er Sonntag, 20 ‧en November abends spàât noch ¹) ein Schreiben an Dr. Rasor, den Rats- schreiber und Syndicus, worin es heiſst, der König sei auf Zusicherung des Rats auf„Treu und glauben“ hierhergekommen, er, Solms, habe ausserdem dem Könige versichert,„die Stadt Frankfurt werde münd- und schriftliche Zusage halten“. Nun zeige es sich aber, daſs dem nicht so sei.„Meinet mein Herr nit, daſs mir zu Herzen gehet, dals ein solcher dapfferer König und Helldt von euch Frankfurtern so retardiret solle gleichsamb geäffet werden?“ Ob man glaube, daſs der König von seinem Vorhaben lassen,„Gott sein Gericht und Ihre Kgl. Maj. ihre reputation nit in acht nehmen werde?“ Er sei so auſser sich über diese„inconstans, mehrers schreib ich nit“, daſs er fast vergesse, dieser Stadt Diener zu sein. Er erwarte unter allen Umständen„morgen frue“ eine bessere Entscheidung.
Es konnte dem Grafen Solms nicht verargt werden, daſs er auf schleunige Entscheidung drang, wenn auch nicht geleugnet werden darf, daſs bei früheren Unterhandlungen ²) das, was jetzt so energisch gefordert wurde, daſs die Bürgerschaft und die Soldaten dem Könige einen„würcklichen und leiblichen“ Eid leisten sollen, verneint worden war, wenigstens sicher soweit es die Soldaten betraf. Das alles schien jetzt Graf Solms vergessen zu haben und er drang um so mehr auf rasche Nachgiebigkeit, als der König am 20 ‧en November, nachmittags 3 Uhr, bereits wieder nach Frankfurt zurückgekehrt war. ³) Höchst, wo eine kaiserliche Besatzung lag, hatte sich nämlich bereits am 17ten November ergeben, und nun rüstete sich der König zum Zug gegen Mainz.
Den 18ten und 19ten November hatte er in Höchst zugebracht, hatte von hier aus,„da nun die Con- junction des Main und Rhein fast vollendet, da der Feind von dem westphälischen Kreis und allen andern Provinzen auf dem rechten Rheinufer abgeschnitten“ ⁴) sei, die ersten Anordnungen zum groſsartigen Operations- plane gegen Mainz gegeben. Von allen Seiten wurden Schiffe herbeigebracht; bereits fing man an, sie mit Kanonen zu besetzen und mit Brustwehren zu versehen, bereits bezeichnete der König die Stelle, wo er die Schiffbrücke über den Main— dicht unterhalb Hôchst— geschlagen haben wollte, bereits war der Landgraf Wilhelm von Hessen-Cassel mit einem Teil seiner Truppen angekommen, ⁵) um mit dem Könige gemeinsame Sache gegen Mainz zu machen: kurz, es war ein ewiges Rennen und Jagen, ein ewiges Kommen und Gehen in diesen Tagen in dem Lager zu Höchst gewesen, sodafs der König nicht dazu
¹) I, 37. Der Brief trägt von Rasors Hand unten die Bemerkung, dafs er ihm Sonntag nachts in sein Haus geschickt worden, aber zurückgesendet worden sei,„quod ad curiam talia pertinent“.
²) Vgl. Akten I. 22 den von Dr. Rasor verfafsten Bericht über die Verhandlung mit Graf Solms, worin der Graf ausdrücklich anerkennt, dafs die Soldatesca in des Rats Pflicht verbleiben solle. Vgl. Die Schweden in Frankfurt I, p. 21.
³) Vgl. Cronicon von Caspar Kitsch. Archiv I. 165 f. Die Akten geben über diese zweite Anwesenheit des Königs keinen Aufschlufs, um so mehr ist es daher mit Freude zu begrüfsen, dafs Kitsch(vgl. über ihn Schweden I, 40) in seiner Privatchronik alle Vorgänge genau verzeichnet hat. Auch Peter Müller berichtet in seiner Chronik(Archiv neue Folge II, 65 f.) darüber.
⁴) Droysen II, 453. Brief Gustav Adolfs an Joh. Baner d. d. Höchst, 19. November vgl. Gejer, Gesch. Schwedens, III, 199.
³) Vgl. Droysen II, 454. Er war mit seinem Heere, das etwa 8000 Mann betrug, aufgebrochen,„sobald Tilly aus dem Hessischen abgezogen war“, um sich zu Höchst mit dem Könige zu vereinigen.
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