Aufsatz 
Die Schweden in Frankfurt am Main : 1. Bis zu Gustav Adolfs Ankunft in der Stadt, 17. Nov. 1631
Entstehung
Einzelbild herunterladen

stattgefunden haben, bis man sich endlich einigen konnte, was man dem schwedischen Obristen, der so kurz und bestimmt eine Antwort forderte, erwidern wolle. Am 4ten senden Bürgermeister und Rat den Boten wieder nach Hanau zurück mit einem Beglaubigungsschreiben, ¹) dals er bis dahin in Frankfurt zurückgehalten worden seiumb mehrerer sicherheit auff der Strafsen und mit der Anzeige, dals am folgenden Tag, Samstag den 5ten November, Abgeordnete des Rats sich nach Hanau verfügen würden, um mit Hauboltwegen solcher wichtigen sachen communication und Unterredung zu pflfegen.

In der Ratssitzung, welche am 4ten November stattfand, einigte man sich endlich dahin, das Begehren, eine schwedische Garnison einzunehmen, abzuschlagen, da man esmit gutem gewissen und Ehre, auch grosser Ungelegenheit halber nit thun könne, denn

1)seye man der Röm. Kays. Mtt. verpflichtet, habe sich bifshero in dero Devotion erhalten und darin auch furter zu verharren verbunden,

2)habe man sich darzu zu vielen unterschiedlichen mahlen, und noch letzthin unter dato darzu erkläret,

3)seye diese Statt nit allein ein Handelsstatt und menniglich hohem und niederem Standte delswegen daran gelegen, Sondern auch eine königliche Wahlstatt, welche billich von allen Garnisonen frey und ledig gelassen werden müsse,

4)seye bekandt, wie es mit den Garnisonen beschaffen und hergehe und dals Dadurch wie andre alſs auch diese Statt in das äufserste Verderben gerathen würde,

5)Dafs dadurch dem Gegentheil Ursach und Anlals gegeben, dieser Statt mit feindlicher Gewalt zuzusetzen.

Diese Motive solle man dem schwedischen Obristenzu gemüth führen, man wolle sonst thun, was desevangelischen wesens Nothdurft erfordere und was möglich und verantwortlich sei. Man könne überdies über eine solche wichtige Angelegenheit nicht ohne der Kurfürsten Vorwissen, namentlich nicht ohne Kur-Sachsen entscheiden. Falls er aber auf seinem Begehren verharre, so müsse manauff andere mittel und weg gedenken, welche vielleicht Ihme Obristen selbst bedenklich sein môchten. ²) In dem Sinne sollten die Abgeordneten Hieronymus Steffan(v. Cronstetten) und Dr. Melchior Erasmus, der Syndicus, mit dem schwedischen Obristen verhandeln.

DieseRathschlagung wurde in aulserordentlicher Rathsversammlung vom selben Tag endlich zum Beschlafs erhoben und decretiert, dals manin der Devotion zu kays. Mtt. verbleiben, das begeren des Obristen abschlagen und solches durch eine Schickung mündlich ihm andeuten solle, auch wurden die gewählten Deputierten bestàtigt.

So begaben sich denn Samstag den 5ten November die Abgeordneten Steffan von Cronstetten und Dr. Melchior Erasmus,unsere respectiven Mitschöffen, Rathsfreundt und Syndicus, mit einem Creditiv zu dem schwedischen Obristen, in welchem es heiſst, dals man sie abgesendetsachen ³) halber, daran uns und gemeiner Statt merklich gelegen, solche dem Herrn vorzutragen und unsere meinung darbei

¹) I. 2.

²) Anwesend in dieser Sitzung waren: Johann Martin Baur von Eyseneck, Schultheifs, erw. 17. Jan. 1616, 5. Aug. 1634, Joh. Bebinger, Achilles von Hinsperg, Joh. Philipp Weifs von Limpurg, Hieronymus Steffan(von Oronstetten, 10. Oct. 1639) wird 1634 Schultheifs, Johann Ulrich Neuhaufs, Jeremias Ort, Hector Wilhelm von Günderrode, Johann Schwindt, Nicolaus Bebinger, Hans Georg Adelhäufser, Hieronymus Stalburg, Hans Hector Faust von Aschaffenburg, Hartmann Halberger, Mattheſs Storck, Peter von Carben, Dr. Rasoris, Dr. Erasmus, Dr. Faust. Bürgerm. waren 1631 Joh. Phil. Weiſs von Limpurg und Hans Georg Adelhäufser. Ueber die Familie Faust von Aschaffenburg etc. vgl. Frankf. Archiv Neue Folge II, 114 ff. Ueber die Cronstetten vgl. Kriegk, Gesch. v. Frankfurt p. 449.

¹) I, 5, de dat. 4 Nov. 1631.