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Daſselbe datiert vom 2ten November 1631(praes. lect. in sen. 4*9n Nov.) und meldet zunàchst die Einnahme von Hanau, einer„Vestung, welche biſshero unverschuldter Dinge zu der angrenzenden, und also auch insonderheit der Herrn und ihrer Stad Franckfurt nicht geringer beschwerung undt gefahr in des feindtes Zwanck und Zeug gewesen.“ Der König habe ihm, dem Obristen Haubolt, den Befehl gegeben, sich um so rascher der Stadt Hanau zu bemächtigen, als man von gefährlichen Anschlägen und„practiquen“ auf die Stadt Frankfurt gehört und denselben gerne zuvorkommen wolle.
Soweit klingt der Brief des schwedischen Obristen iganz freundlich, aber Bürgermeister und Rat sollten über den eigentlichen Zweck defselben nicht im Zweifel bleiben: er habe„instruction und com- mission und solle ferner freundlich begehren, daſs sie(die Stadt Frankfurt) treuw eifrigst von Ihr. Mist. wohl disciplinirter Soldatesca eine nottürftige und erträgliche Guarnison einnehmen und herngegen sich gewils versichern wollen, daſs solche Guarnison Ihnen und Ihrer Stad in einigem Wege zumahl nicht präjudicirlich oder auch gefährlich falle“, es geschehe das alles nur zum Besten des„Evangel. Wesens“, ferner auch zum Besten der Stadt, um ihre Rechte und Freiheiten jedermann gegenüber bewahren und schützen zu können. Dessen könnten sie auf des Königs„Ehre, treuwe und glauben sich ganz gewils versichert“ wissen. Da ihm nun nach Lage der Sache„summum periculum in mora“ scheine:„Alls will ich Nahmens höchstgen. Ihr. Königl. Mjst. mich der Herren schleuniger willfähriger und rich- tiger cathegorischer, und nicht auff Schrauben gestellter resolution versichern.“ Er mache die Herren fur alle üblen Folgen, welche„Verzögerung suchende Ausflucht, tergiversation odter aber erfolgende widrige resolution“ herbeiführe, selbst verantwortlich und protestiere hierdurch„ein vor alle mahl“ dagegen, dals man dem König dann harte Maſsregeln gegen die Stadt verübeln könne, die sie, im Weigerungsfalle, doch selbst verschuldet. Er erwarte also umgehende Antwort, die sie dem Ueberbringer dieses Schreibens, einem Trompeter, gleich mitgeben sollten. Noch fügt er in einem postscriptum hinzu, dals„die bessere Vortsetzung des intentionirten Christlichen Evangelischen Wohlstandts“ Werbungen in dem ganzen„Craiſs“, also vor allem auch in ihrer Stadt dringend erheischten, und so habe er denn zu den Herren das gute Zutrauen, sie würden die mit„Werbungs-Patenten abgefertigten“ nicht hindern, sondern ihnen jeglichen Vorschub leisten.
Mit diesem Schreiben war denn der nächste Plan des Königs allen, auch denen, die sich kurz zuvor über seine Absichten noch hatten täuschen lassen, klar genug geworden. Die Stadt Frankfurt war ihm nicht blofs als Festung, nicht blofs als evangelische Stadt und als ein Bollwerk des Glaubens wichtig, nein, vor allem bedurfte er ihrer als Operationsbasis gegen Mainzer Gebiet, um„Main und Rhein zu conjungiren“, wie er selbst sagt, als Proviant- und Munitionsmagazin; ihr Reichtum war damals schon sprichwörtlich, es konnte ihm in allen Lagen nur förderlich sein, einen solch sicheren Rückhalt zu haben, einem Ort, der im Notfall Geld vorschieſsen konnte. Es ist zu vermuten, dafs noch ein anderer Gesichtspunkt den König dazu drängte, sich Frankfurts unter allen Umständen zu versichern: seine ehrgeizigen Pläne traten mehr und mehr zu Tage, war da nicht die alte Wahl- und Krönungsstadt unumgänglich nôtig, um endlich zu dem erhofften Ziele zu kommen? ¹)
Das Schreiben verursachte im Rat grofse Bestürzung, das geht schon daraus hervor, dals der Trompeter erst am Freitag den 4ten November wieder abgefertigt wurde. Es müssen lange Verhandlungen
gemacht, während die Schweden vorher in ihrer eigenen Kleidung, teilweise sogar in Bauernkitteln dienten. Gegen die Kälte war der schwedische Soldat besser geschützt als der deutsche, da Gustav seinen Truppen Pelze, Pelzhandschuhe, Pelzstiefel und wollene Strümpfe(teilw. auch tuchene) liefern lieſs. Die Hauptstärke des schwe- dischen Heeres war die Artillerie; darin waren sie den Deutschen bedeutend überlegen. Vgl. Droysen II, 72 ff. Er selbst unterschreibt sich bald Houboldt, bald Hauboldt, Houbolt.— Droysen nennt ihn Hubald. Das Schreiben ist in den Acten(Krieg 16, Uglb. E. 11, tom. 1) mit Nr. 1 bez. Wir citieren der Kürze halber I, 1. u. s. w.
¹) Droysen II, 424.„Sein Verhängniſs rifs ihn fort.— Es rifs ihn in andere Bahnen, als er gewollt; in Bahnen, an deren Ziel wohl eine Kaiserkrone winken mochte, nicht aber ein Heiligenschein.


