Aufsatz 
Die Schweden in Frankfurt am Main : 1. Bis zu Gustav Adolfs Ankunft in der Stadt, 17. Nov. 1631
Entstehung
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Stadt belagern, einnehmen und plündern lassen,in der Furie eins mit dem andren massacriren lassen, demnechst auch dasjene, was sie ihrem Feindt mit gewalt abgenommen, nicht mehr vor frey, sondern als durch das Schwerdt genommen ansehen müssen. Es sei demnach im Vorteil ihrer Stadt, sich tapfer gegen die Feinde zu halten und sich mit dem König, wenn er, was ja bald geschehen werde, heran komme, zu verbinden. Der König verspreche ihnen bei seinem königl. Wort, er werde alsdann die Stadtbei ihren wolhergebrachten Hochheiten, Freiheitten, Rechten und Gerechtigkeitten erhalten.

Wie sehr dem König daran gelegen, bald mit Frankfurt im klaren zu sein, geht aus der Nach- schrift des Woff''schen Schreibens hervor, worin es heilst, der König habe von Würzburg ¹) bereits einen eigenen Edelmann zur Beförderung dieses Schreibens per Exprels abgesendet, aber dieser habe der Gefahr wegen nicht durchkommen können und sei deshalb wieder nach Würzburg zurückgekehrt. Darum habe der König seinem hessischen Gesandten befohlen, dieses Begehren den Frankfurtern in seinem Namen zu übermitteln.

In welch grolse Verlegenheit der Rat durch dieses Schreiben versetzt wurde, wird man ermessen können, wenn man bedenkt, wie nahe der König bereits heran gekommen war, wie aber auch in der nächsten Nähe ²) noch kaiserl. Truppen genug standen, um, wenn auch nicht für dauernd, sodoch wenigstens vorübergehend die Stadt zu besetzen und für den Treubruch zu bestrafen. Gewiſs neigten in der Stadt viele zum Anschlufs an den Schwedenkönig(das wird bei einer späteren Verhandlung gradezu ausgesprochen), schon um des gleichen Glaubens willen und aus Nützlichkeitsrücksichten, aber konnte nicht bald ein Umschwung der Dinge kommen, hatte man den in den 13 Jahren dieses Krieges nicht zu oft schon erlebt, mufste die Strafe für den Treubruch dann nicht schrecklich sein? PFreilich, wenn man der Menge folgte, so war ein Bündnis mit den Schweden eher heut als morgen zu schlieſsen; doch an der Spitze der heil. Reichs- und Krönungsstadt standen Männer, die nicht gewillt waren, sich durch die Stimmung der Menge leiten zu lassen, sondern, die das Für und das Wider, politische Ansichten und mercantile Interessen, ruhigen kalten Blutes abwogen. Es waren dies namentlich Joh. Martin Baur von Eyseneck, der Stadtschultheifs, Steffan von Cronstetten und der Syndicus Dr. Melchior Erasmus, ein, wie es scheint, Aàuſserst redegewandter, schlagfertiger Mann, der als guter Jurist berühmt war. ³) Sie scheinen es durchgesetzt zu haben, daſs auf diese Zuschrift des Gesandten ruhig und gemessen geantwortet wurde, in solcher Weise, daſs daraus der Stadt keinerlei Verbindlichkeit erwuchs. Wir sagen, es scheint, denn das Antwortschreiben fehlt unter den Acten, nur das folgende Schreiben läſst Rück- schlüsse auf daſselbe ziehen, auſserdem beruft sich der Rat in späteren Verhandlungen fortwährend auf das Anerbieten des schwedischen Residenten und auf diedankbare Annahme dieses Anerbietens.

Mittlerweile waren die Schweden weiter vorgerückt, und am 1ten Nov.(a. St.) war Hanau in ihre Hände gefallen, eine Festung stärker als Frankfurt, wenngleich nicht annähernd von derselben Wichtig- keit. Das zeigt denn auch sofort das erste Schreiben des neuenGubernators von Hanau, des schwe- dischen Obristen vom blauen Regiment Christoph Haubolt.)

¹) Die Festung, das Schloss Marienberg,(Droysen:Marienburg) fiel am 8. Oct. 1631 in die Hände der Schweden, während die Vorstadt bereits am 4. Oct. in der Frühe, die eigentliche Stadt aber am selben Tage gegen Abend(der König hatte ihr bis zum 5. Oct. 8 Uhr morgens Bedenkzeit gegeben) oder am 5. ganz früh sich dem König ergab. Die Stadt selbst war wenig befestigt. Vgl. Scharold I, 15 ff, 26 ff. Vgl. Droysen II, 436.

²) So liegen uns(vgl. weiter unten) Schreiben kaiserl. Commandanten von Niedersteinheim bei Hanau und

von Offenbach datiert vor. In welchem Zustand diese kaiserl. Truppen waren, erhellt aus den bei Droysen II, 450 Anm. 2 angeführten Schreiben.

³) Erasmus war 1616 Syndicus geworden, 1. Sept. 1637(Lersner I, 277.) Neben ihm als Syndici wären noch zu nennen und kommen in den folgenden Verhandlungen wiederholt zur Verwendung: Dr. Maximilian Faust von Aschaffenburg seit 1626, 5. Juni 1651 und Dr. Heuchlin seit 1629, dessen Todesjahr Lersner nicht angibt.

.) Die schwedischen Regimenter wurden teilweise nach der Farbe ihrer Fahnen bezeichnet, so gab es ein rotes, ein gelbes, ein grünes, ein weilses Regiment. Die Fahnen hatten gewöhnlich nur eine Farbe und waren mit Emblemen und Umschriften bemalt. Erst unter Gustav wurde der Anfang mit einer Uniformirung der Soldaten