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und so beschloſs er denn, sich nach dem Süden zu wenden. Bei Fritzlar vereinigten sich Aldringer und Fugger mit ihm ¹), sodals sein Heer jetzt 18,000 Mann Fufsvolk, 182 Cornets Reiter und 26 Geschütze zählte ²). Von Fritzlar ging der Marsch über Fulda nach dem Main zum Entsatz von Würzburg, unter- wegs stiels Karl von Lothringen mit angeblich 12,000 Mann zu ihm.
So standen ungefähr die Angelegenheiten, als Gustav in Würzburg war. Sofort, als er von dem Herannahen des Feindes hörte, liels er Schweinfurt und Würzburg noch stärker befestigen und ritt selbst, nur von wenigen Reitern begleitet, dem Feind entgegen, um zu recognoscieren. Wirklich traf er diesen einige Stunden von Wurzburg und nun brach er mitten in der Nacht auf, uberfiel die ihm zunächst stehenden Feinde, trieb sie in die Flucht und kehrte mit der feindlichen Bagage nach Würzburg zurück. Bei Wertheim und Mergentheim überfiel er darauf das kaiserliche Lager unter Piccolomini ³), bei Creglingen die Lothringer, nirgends hielt der Feind stand. So konnte denn Gustav Adolf endlich an seinen weiteren Zug nach dem Rhein denken. Wir können hier den allgemeinen Ueberblick über die Ereignisse seit der Schlacht bei Breitenfeld schlielsen, da jetzt die Verhandlungen mit Frankfurt be- ginnen; mancherlei, das noch hierher gehört hätte, wird da und dort in den Anmerkungen zu finden sein, mancherlei ist auch mit Absicht übergangen worden, da es uns hier zu weit führen würde, und da wir den uns gütigst gestatteten Raum nicht überschreiten möchten.
Am 19ten October ¹) kam ein Schreiben des kgl. schwed. Gesandten zu Cassel, Hermann Wolff, in Frankfurt an, welches am 23ten im Rat verlesen wurde. Darin heilst es, daſs er auf„sonderbaren und allergnädigsten Befehl“ des Königs den Herrn der Stadt Frankfurt„nicht verhalten“ solle, wie es zu Sr. Maj. Ohren gekommen, was die Stadt alles„bei Annahung ⁵) der Tilly'schen, Pappenheimischen, Fuggerischen, Aldringischen und Lothringischen wieder versambleter und von allerhandt gesindlin zu- sammengeraffter Truppen“ erfahren, wie diese Völker ihrem alten Gebrauch nach die Stadt durch Grols- sprechen zu„uberboldern“ trachten. Der König verhoffe nun, daſs die Herren der guten Stadt, was sie bisher so„manlich maintenirt haben“, auch ferner bewahren würden, nämlich ihre Freiheit des Standes und des Gewissens, daſs sie auf alle„wörtliche, auch wol thätige Zumuthungen den Feind abzuweisen wissen würden.“ Sollten sie sich aber zu„schändlicher Ergebung als der Kleinmütigen überbochen lassen“, so würden sie ihre Sache schlimmer machen, als sie jetzt sei, denn der König werde dann die
¹) Vgl. das Theatr. Europ. II, 465 ff.
²) Droysen II, 450. Cornet übrigens gleich einer Schwadron; im schwed. Heere betrug ein Cornet, auch Geschwader oder Compagnie genannt, seit Karl IX. 120 Pferde, unter Gustav Adolf 125, für die Landreiter dagegen 150 Pferde. Vgl. auch Droysen II, 73.
³) Soden I, 104.
¹) Die Acten datieren fast durchweg nach dem alten Stil, den wir hier der Einfachheit wegen beibehalten, da ja eine Umrechnung(Verschiebung um 10 Tage, also in unserem Falle anstatt des 19. den 29. October) leicht zu bewerkstelligen ist. Auch in den uns vorliegenden Acten trifft fast durchgehends die Bemerkung Droysen's G. A. p. XII. zu, daſs die von kath. Berichterstattern etc. gemachten Angaben nach n. St., die anderen dagegen nach a. St. angeführt sind. Vgl. übrigens über Hermann Wolff(Wolf) Droysen II, 365, wo er als hessischer Ge- sandter aufgeführt ist.
⁵¹) Von den Schweden waren kurbayer. Schreiben aufgefangen worden,„in welchen den Generalen Tilly, Aldringer, Pappenheim und Fugger befohlen wurde, den Marsch auf Frankfurt a. M. zu richten, dort zusammen- zutreffen und dann vereint dem Feind die Spitze zu bieten.“ Droysen II, 441. Die Lothringer waren unter ihrem Herzog Karl bei Miltenberg zu Tilly gestoſsen, während Aldringer und Fugger am Anfang October sich zu Fritzlar mit ihm vereinigt hatten. I. c. 451.
Was übrigens die Stadt kurz zuvor noch durch Tilly'sche Truppen zu leiden hatte, davon kann man sich einen Begriff machen, wenn man die Lieferungsaufzählungen bei Lersner I, 397 vergleicht. So wurden z. B. den Kaiserlichen am 15. October 1631 nach Aschaffenburg— neben vielem andern an Pulffer, Lunden und Bley— ge- sendet: 160,000 Pfund Brot, 50 Ochsen, 20 Fuder Wein, 200 Achtel Hafer etc. etc. So hatte ferner am 3. Oct. Frankfurt für die Lothringer, die bei Seligenstadt den Main überschreiten sollten, 30 Fuder Wein zu stellen etc. cf. Soden I, 42.


