Aufsatz 
Die Schweden in Frankfurt am Main : 1. Bis zu Gustav Adolfs Ankunft in der Stadt, 17. Nov. 1631
Entstehung
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überschritten und nun stand der Kônig vor dem würzburgischen Gebiet. Bei Königshofen,dem Schlussel des würzburgischen Bistums, vereinigten sich die beiden Abteilungen derRoyalarmée wieder, die Festung konnte nicht lange widerstehen, schon am 30ten September zog die Besatzung unter ihrem Haupt- mann Tobias Ebelin mit Sack und Pack ab, und nun stand dem Koônig der Weg bis Wuraburg offen.

Man hatte in Wurzburg gehofft, dals sich Königshofen länger halten werde, um so mehr, als der Bischof zu Würzburg grade ein Schreiben erhalten hatte, daſs Tilly mit einem groſsen Heere von 50,000 Mann innerhalb der nächsten Tage heranziehen würde. Daraufhin hatte Franz, der Fürstbischof, am 1ten October seine Bürger im Juliusspital versammelt und ihnen eröffnet, er werde in ihrer Mitte bleiben, Glück und Unglück mit ihnen teilen.¹) Aber schon am selben Tage sollte sich die von Fulda übermittelte Nachricht als falsch erweisen, und so verlieſs denn Franz mit einer Reisekasse von 300,000 Gulden in der Nacht vom lten auf den 2ten October seine Residenz, um sich zunächst nach Frankfurt zu begeben. Mittlerweile hatten die Schweden Neustadt an der Saale und Muünnerstadt erobert und waren dann auf Schweinfurt zu marschiert. Von hier war der kaiserliche Hauptmann Arteta bereits am 30 ten September nach Würzburg geflüchtet, da er mit seinen 200 Mann den Schweden nicht widerstehen zu können glaubte, so blieb also der Stadt nichts übrig, als sich am 2 ten October dem König zu er- geben. ²) Am 2ten October befand sich das schwedische Hauptquartier zu Geldersheim, am 3ten zu Schlols Unterpleichfeld, und am 4ten brach der König nach Würzburg auf. Dienstag den 4ten October morgens nach 6 Uhr erschienen die ersten Schweden vor Würzburg, am Sten fiel endlich das Schlols in die Hände der Feinde..

Von Würzburg aus fand nun ein reger diplomatischer Verkehr statt. Schon früher hatte der König mit Nürnberg unterhandelt und die Stadt endlich zum Anschlufs an die schwedische Sache ge- bracht. Ebenso stand man mit Ulm und Stralsburg in Unterhandlungen. Am 14ten October erschien der Herzog Georg von Lüneburg und schloſs mit Gustav Adolf ein Bündnis, am 15ten der Herzog von Württem- berg, ³) auch der Markgraf von Brandenburg erklärte sich für den Schwedenkönig, am 17ten wurde die Allianz mit Nürnberg, Anspach und Bayreuth abgeschlossen, und nun konnte es nicht fehlen, daſs auch die übrigen evangelischen Fürsten und Stände des fränkischen Kreises endlich einen Vergleich mit dem König schlossen. Es kann hier nicht der Ort sein, zu zeigen, wie der König in wahrhaft grolsartiger Weise für die Verwaltung des Bistums Würzburg sorgte, aus allem geht hervor, wie des Königs Zukunfts- plane mehr und mehr feste Gestalt annahmen, und wie er nicht bloſs ein gewaltiger Feldherr, sondern auch ein scharfsichtiger Regent war. Wo er wirklich gute Einrichtungen vorfand, liels er sie bestehen, was er an Stelle des Fehlerhaften einführte, zeigt seine Musterverwaltung.¹) Grolsartig sind auch die Schenkungen, die der König inunserem Herzogtum Franken machte, überall wuſste er treue Anhäng- lichkeit königlich zu belohnen und dadurch seine Ergebenen nur noch fester an sich zu knüpfen.

Tilly war unterdessen nach der Schlacht bei Breitenfeld an der Saale abwarts geflohen, immer in Furcht, Gustav Adolf môchte ihm folgen.

Am 10ten September war er in Halberstadt angekommen mit einer Soldatesca, von der er selbst sagt, dals unter ihrein grolser Ungehorsam und Insolen⸗z sei, daſs fast niemand, er sei, wer er wolle, sicher und unbeleidigt reisen kann. ⁵³) Dann, immer noch in wilder Flucht, ging sein Marsch ins Hildesheim'sche, wo Pappenheim zu ihm stiefs. Am 23ten September war er bei Corvey und ver- einigte sich mit den kurkölnischen Truppen. Nun erst wurde ihm klar, dals Gustav ihm gar nicht folge,

¹) Vgl. Scharold, Gesch. der Zwischenreg. in Würzburg I, 9, ebenso zu dem Vorhergehenden.

²) Soden I, p. 7. irrtüml. d. 3. October, Scharold I, 15, 12.(= 2.) Oet. Droysen lässt bereits am 3. die Vorstadt Würzburg durch die Schweden besetzt werden.

³) Droysen II, 439. ) Scharold(freilich in sehr schwedenfeindl. Sinn) führt alle Verwaltungsmaſsregeln des Königs I, 33 ff an. ²) Tilly an Maximilian bei Droysen II, 450 Anm. 2.