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gewichts in Deutschland,„die Herstellung eines Gleichgewichts der Gegensâtze im Reich“. ¹) Das war es, was ihn zwang, seine Rückkehr nach Schweden noch hinauszuschieben. Erst, wenn dieses Gleichgewicht hergestellt war, erst dann war die Ostseepolitik der Habsburger für Schweden bedeutungslos. Aber hier ist wohl auch der Punkt, wo seine weiteren Plaàne, deren Verwirklichung allerdings noch in ferner Zukunft lagen, zuerst einsetzten. Freilich traten diese Zukunftspläne noch nicht in ganz klarer und bestimmter Gestalt hervor, sonst waâre es unbegreiflich, warum der König nicht direct nach den Erbländern des Kaisers gezogen,²) warum er jetzt den Weg nach„der Pfaffengasse“ einschlug.
Diesen Weg, über den Thuringer Wald nach Franken, längs des Maines nach dem Rhein zu, gegen die geistlichen Stifter, wählte Gustav Adolf, weil er hoffte, hier am ersten den Resten der kaiserlichen Truppen entgegenzutreten. Denn daſs sich nun die kaiserlichen Generale Tilly, Aldringer, Fugger, Merode u. A. vereinigen würden, und daſs es jetzt auf dieses„Totalwerk“ ³) ankomme, das unterlag ihm keinem Zweifel. Der Kurfürst von Sachsen erhielt die Weisung, in die oesterreichischen Länder einzufallen, so sehr er auch gewünscht hatte, mit dem König in dem Operationsplan zu tauschen. ⁴) Es ist hier nicht der Ort, Gustavs groſsartig angelegten Kriegsplan, durch den das schwedische Heer plötzlich seine Angriffsfront nach dem Westen erhielt, darzulegen. Tilly sollte auf diese Weise in die rheinischen Kreise zurückgedrängt, und der ganze Norden dadurch befreit werden. Uns kann zunächst nur der Zug Gustavs nach dem Süden angehen.
Noch zu Halle hatte der König mehrere Bündnisse geschlossen, so mit den Fürsten des Hauses Anhalt, war dann nach Erfurt gezogen, hatte die Stadt, nachdem die Verhandlungen nicht zu dem ge- wünschten Ziele geführt, durch Herzog Wilhelm von Weimar einnehmen lassen und brach nun am 26ten September nach dem Süden auf. Die eine Hälfte der„Royalarmée“ marschierte unter Horn über Gotha, Schmalkalden und Meiningen, der König selbst ging über Arnstadt, am 28ten befand sich sein Hauptquartier in Schloſs Schleusingen. In kurzer Zeit, in kaum 3 Tagen, war der Thüringer Wald
¹) ib. 424.
²) Auch den Zeitgenossen Gustavs war das unbegreiflich, vgl. z. B. d. Aeufserung Oxenstjernas,„daſs er lieber dem König in Wien zum Sieg glückwünschen möchte“, vgl. Gejer III, 194, vgl. aufserdem Droysen p. 427, Anm. 2; vgl. übrigens auch das Citat bei Gejer III, 197 aus:„Rede am Jubelfest zu des groſsen Gustav Adolfs Andenken den 6. November 1832 zu Upsala.“
³) Droysen, p. 426.
⁴) Es zeigt grade dieser Operationsplan, wie sehr der König seine Leute kannte und wie gut er sie zu verwenden wufste. Wenn der Kurfürst von Sachsen in die Erbländer des Kaisers einfiel, so trat er damit in offene und ausgesprochene Feindschaft gegen den Kaiser, eine Aussöhnung war dann nicht so leicht möglich, der Ver- bündete dadurch dauernd an Gustav gefesselt. Aufserdem aber wollte Gustav auch verhüten, dafs Johann Georg mit seinen leipziger Bundesverwandten eine dritte Partei gründe. Wie man in Süddeutschland darüber dachte, das zeigen u. a. die Verhandlungen mit Frankfurt, in denen man sich sehr häufig auf das Gutachten des Kurfürsten beruft, ohne das man nichts bewilligen zu können glaube. Droysen führt noch einige andere Gründe an, weshalb der König Johann Georg nicht nach dem Süden ziehen liefs: der Landgraf Wilhelm und die weimarischen Herzöge sollen dem König die Kaiserkrone in sichere Aussicht gestellt haben, ferner habe Gustav gewünscht, Frankreich näher zu sein u. s. w., vor allem aber schien die Zeit gekommen, die Wallenstein sich zum Vorstofs gegen des Kaisers Lande ausersehen; die 12,000 Schweden, die Wallenstein sich ausbedungen, konnten jeden Augenblick ihre Marschordre erhalten, da war es denn geboten, dafſs eine feste Hand diese Operation auch in Süddeutschland unter- stützte, vgl. Droysen 426 f. Vielleicht war es aber auch noch ein Grund, der Gustav grade zu diesem Weg bestimmte. In Frankfurt a. M. war nämlich um dieselbe Zeit ein Convent, der s. g. Compositionstag, versammelt, der auf den Februar 1631 verabredet, erst im August oder September zu stande kam. Die kaiserlichen Commissäre waren sogar erst am 5. September, also 2 Tage vor der Schlacht bei Breitenfeld angekommen. Von katholischer Seite waren 14, von protestantischer 21 Vertreter anwesend. Da die Protestanten durchaus Beseitigung des Restitutionsedictes verlangten, die Katholiken aber darauf nicht eingehen zu können erklärten, so verlieſsen letztere bereits am 3. October, wohl aus Angst, dafs sie den Schweden in die Hände fallen könnten, die Stadt, vgl. Gindely Gesch. des 30jährigen Krieges III, 204 f., vgl. darüber auch Peter Müllers Chronik im Frankf. Archiv neue Folge II. Acten des Frankf. Pred. Minist. VI. Nach Gejer I. c. p. 195, Anm. 2, hätten die protestantischen Stände den König gebeten, sie von der drückenden Truppenlast zu befreien„et se déclarérent, naturellement pour celui qui devenait le défenseur de leurs biens et de leur liberté. C'était donc pour appuyer cette déclaration que le Roi prit la résolution d'entrer en Franconie.“ Francheville etc.
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