Aufsatz 
Die Schweden in Frankfurt am Main : 1. Bis zu Gustav Adolfs Ankunft in der Stadt, 17. Nov. 1631
Entstehung
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Wenn mit der Erstürmung Magdeburgs durch Tilly ein Umschwung der Stimmung in Deutschland zu Ungunsten Gustav Adolfs eingetreten war, so daſs sich der König sogar zu einerApologie genotigt sah, worin er die Gründe darlegte, warum er der unglücklichen Stadt nicht habe beistehen können, ¹) so war mit der Schlacht bei Breitenfeld(7ten Sept. 1631) alles vergessen. Gustav Adolf wurde von jetzt an populàr) die Evangelischen feierten in ihm ihren Erretter, allenthalben wurde sein Bild verlangt und gekauft und bildete einen lieben Zimmerschmuck, ja man prägte Medaillen auf ihn, die an Ketten um den Hals getragen wurden.) Paul Flemmings Epigrammauf I. Königl. Mayt. Bildnuss, so bis zur Gürtelstette in Kupfer gegraben, zeigt den Jubel, der die Protestanten Deutschlands erfüllte:

Schau diesen König an, doch nur in halbem Bilde, Der, Deutscher, gegen dich mit Hülfe ist so milde. Ihn hat der schmale Raum nur halb hier vorgestellt, Willst Du Ihn sehen ganz, so schaue durch die Welt!

Die Spottgedichte auf Tilly, der sich bis zur Schlacht bei Breitenfeld rühmen konnte, nie einen Rausch gehabt, nie eine Schlacht verloren zu haben, sind nicht zu zählen. Freilich kann keine der beiden groſsen kriegführenden Parteien der anderen etwas vorwerfen, denn nach der Eroberung Magde- burgs erschienen nicht weniger Spottschriften auf die Evangelischen. Wie grols die Bestürzung nach der Schlacht in dem kaiserlichen Heere war, geht daraus hervor, daſs die zersprengten Soldaten nur mit Schlägen wieder zum Aufnehmen ihrer Waffen, nur mit Schlägen zu Schanzarbeiten gezwungen werden konnten, daſs Tausende von Ueberläufern dem schwedischen Heere zuströmten, ja dals fast alle Kriegs- gefangenen in schwedische Dienste traten.¹) So richteten sich denn aller Augen wieder auf Wallenstein, wenn einer im stande war, hier zu helfen, so war er es.5) Aber dieser Eine 2zögerte, weigerte sich, war er doch, was freilich niemand aufser den Näachstbeteiligten wuſste, bereits mit Gustav Adolf in Verbindung getreten. Die Unterhandlungen zerschlugen sich freilich später, ob Gustav Adolf allein die Schuld daran beizumessen) ist, ob Wallenstein selbst seine Bedenken hatte, läſst sich hier nicht unter- suchen, zunächst, und das ist es, was uns hier allein angeht, standen Gustav Adolf und Wallenstein noch in Unterhandlungen, ja es schien, als seien diese ebenauf dem Punkt ihres förmlichen Abschlusses. 2)

Zunächst wurde Leipzig wieder genommen, das Tillys Truppen besetzt hielten, die katholische Soldatesca erhielt freien Abzug, mulste schwören, niemals mehr gegen Gustav Adolf und dessen Ver- bündete, vor allem den Kurfürsten von Sachsen, Johann Georg, zu dienen, die protestantische dagegen wurde einfach dem kursächsischen Heere einverleibt. Gustav Adolf war inzwischen, während sein Ver- bündeter, der Kurfürst von Sachsen, mit Leipzig beschäftigt war, nach Merseburg geeilt, hatte die Stadt am 9ten September eingenommen, sich dann der Stadt Halle bemächtigt(11ten September) und war somit zunächst am Ende seiner Wünsche. Was ihn nach Deutschland getrieben, diebaltische Frage, das dominium maris Baltici, war nun gelöst und gesichert. Gustav war der Herr der Ostsee, sein Rivale, der Kaiser,durch den breiten Gürtel des ober- und niedersächsischen Gebietes) davon getrennt. Aber es zeigte sich dem Schwedenkönig nun ein neues Ziel: die Vernichtung des habsburgischen Ueber-

¹) Vgl. Droysen Gustav Adolf. II, 339 ff. Gejer, Gesch. Schwedens III, 185(Heeren u. Ukert).

²) Droysen I. c. 408 f. So in Nürnberg, wo sie der Rat unter dieHerren Aeltern verteilen liess vgl. Soden, Gustav Adolf

2 und sein kSarn Süddeutschland I, 3 lnicht 15 wie Droysen p. 408 Anm. 3 angibt].

4) Vgl. Soden I, 4. ) Vgl. zu dem Folgenden Ranke, Gesch. Wallensteins, 3. Aufl. p. 147 ff., Droysen I. c. 414 ff.

³) Vgl. Ranke 152 ff.) Droysen, p. 422. ³⁵) Droysen, I. c. 423.