Aufsatz 
Die Schweden in Frankfurt am Main : 1. Bis zu Gustav Adolfs Ankunft in der Stadt, 17. Nov. 1631
Entstehung
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Die Schweden in Frankfurt am Main.

I. Bis zu Gustav Adolfs Ankunft in der Stadt, 17. November 1631. Von

Dr. OChristian Gotthold.

Es soll in dem Folgenden versucht werden, dem Leser einen Abschnitt der vaterstädtischen Geschichte vorzuführen, welcher, unseres Wissens wenigstens, bis heute noch nicht behandelt worden ist. Früher schon hatte der Verfasser, bei einer anderen Gelegenheit, Veranlassung, überFrankfurt während des dreilsigjährigen Krieges öffentlich zu sprechen, seitdem ist das Actenmaterial besser ge- sichtet und zugänglicher geworden, ein Verdienst unseres trefflichen Stadtarchivars, des Herrn Dr. Grotefend. Und so nehmen wir denn gern die lange unterbrochenen Studien wieder auf, um Bausteine zu bieten zur Kenntnis der Geschichte der Vaterstadt, zur Würdigung ihrer klugen und feinen Diplomatie.

Wir lassen die Quellen ausführlicher reden, als es sonst wohl Gebrauch ist, weil einerseits die Thatsachen dadurch plastischer hervortreten, andrerseits aber, weil sie als Denkmale vergangener Zeiten an sich wichtig genug scheinen, daſs sie ganz und ungestört zum Worte kommen, um so mehr, als die Vorgänge in Frankfurt selbst vielen der tüchtigsten Kenner des dreilsigjährigen Krieges fast ganz unbe- kannt zu sein scheinen. Die einen sprechen von einer Eroberung der Stadt durch die Schweden, andere erzählen, daſs dieselbe sich freiwillig dem Schwedenkönig angeboten habe; die Verhandlungen werden zeigen, wie es gekommen, daſs endlich der schwedische Held am 17en November 1631 in die Stadt einziehen konnte. Leider war es uns nicht vergönnt, den mehrtägigen Aufenthalt Gustav Adolfs in Frankfurt a. M. noch mit aufzunehmen, die dazwischenliegenden Verhandlungen, die zuerst hätten behandelt werden müssen, würden uns genötigt haben, den zugestandenen Raum weit zu überschreiten. Doch bildet auch das Vorliegende bereits ein abgeschlossenes Ganze: die Vorgeschichte der Schwedenzeit in Frankfurt. Am 17ten November zog mit Gustav Adolf bereits die Garnison in die Stadt, in der sie nun ununterbrochen eine Reihe von Jahren verbleiben sollte.