Aufsatz 
Zum Geschichtsunterricht des Gymnasiums / von Theodor Goldmann
Entstehung
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der Anſtalt die erſte Aufführung dieſes Feſtſpiels ſtatt. Am 1. und 2. September erfolgten dann noch zwei Aufführungen für die Eltern der Schüler und die Freunde der Anſtalt. Obwohl unſere Aula jedesmal außer den bei dem Feſtſpiel mitwirkenden Sängern weit über 500 Zuſchauer aufnahm, konnte doch nicht die gewünſchte Anzahl von Karten zur Teilnahme an dieſer Feſtfeier ausgegeben werden. Da unſere Schüler dieſes Feſtſpiel ſehr wirkungsvoll darſtellten und ſämtliche Spielgenoſſen ſich aus⸗ zeichneten, ſo reihen wir das Programm des Feſtſpiels den vorliegenden Schulnachrichten unter den Schulfeierlichkeiten ein. Zugleich glauben wir dadurch in einer Zeit, in der man ſich den einſt ſorgſam gepflegten Schulaufführungen mit wachſendem Intereſſe wieder zuwendet, anderen deutſchen Lehranſtalten eine Anregung dazu zu geben, das genannte Feſtſpiel, das ſich zu Schulaufführungen ſehr gut eignet, durch Schüler darſtellen zu laſſen. Für eine ſolche Aufführung ſind nur ganz geringe ſceniſche Ein⸗ richtungen erforderlich. Wir ſtellten auf dem Sängerpodium der Aula einen 7 Meter breiten und 4 ½ Meter hohen Rahmen auf, der dazu beſtimmt iſt, den vorderen Vorhang zu tragen; rechts und links von dem Vorhang waren die 2 ſenkrechten Pfoſten des Rahmens von imitierten Pilaſtern verdeckt, und quer über den Kapitellen dieſer Pilaſter lag die Imitation eines ganz einfachen Architravs mit darüber liegendem ſchlichteſten Fries. Rechts und links von dieſer Scenenfront waren breite und hohe Tapetenwände aufgeſtellt, hinter denen die Spielenden ſich ankleiden konnten, um von da aus aufzutreten. Sowohl das Innere der Bühne, zwiſchen dem Vorhang und der hinteren Wand des Bühnenraums, als auch die Decke des Bühnenraums, waren mit großen braunen und roten Tüchern und Vorhängen verhängt, ähnlich wie bei den bekannten Aufführungen des Herrig'ſchen Lutherfeſtſpiels. Für geeignete Koſtüme war Sorge getragen. Unſere einfache, aber tief ergreifende Aufführung fand großen Beifall. Herrn Hoftheater⸗Regiſſeur Dalmonico, der uns bei der Einübung des Feſtſpiels freundlichſt unterſtützte, ſprechen wir an dieſer Stelle unſeren beſten Dank aus.

Zur Feier des Geburtstags Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs Ludwig IV. fand am 12. September 1889 in unſerer Aula ein Feſtakt ſtatt, bei dem Herr Kollege Dr. Matthäi die Feſtrede über den Prinzen Emil von Heſſen hielt.

Die Anweſenheit Seiner Majeſtät des Kaiſers Wilhelm II. in Darmſtadt, in den Tagen vom 6. 9. Dezember 1889, war auch für unſere Anſtalt ein erfreulicher Anlaß zu aufrichtig empfundener vaterländiſcher Erhebung. Als am 6. Dezember, früh 9 Uhr, die Vereine und die Schulen Darmſtadts in der Rheinſtraße in einem Spaliere ſich aufſtellten, zogen auch unſere Ober⸗ und Mittelklaſſen, mit ſchwarz⸗weiß⸗roten, heſſiſchen und anderen deutſchen Landesfarben geſchmückt, mit kleinen und großen Fahnen und Standarten, ſowie mit Schärpen reich ausgeſtattet, geführt von der Anſtaltsfahne, dem Heſſiſchen Löwen auf blauſeidenem Grunde, in turneriſch⸗militäriſchem Aufmarſch zu ihrem Auf⸗ ſtellungsplatze vor dem Stadthauſe, um dem einziehenden Kaiſer begeiſterte Huldigungen darzubringen. Unſere Schüler ſollten den Kaiſer ſehen, wo ſie immer ſeiner anſichtig werden konnten. Deshalb wurde ihnen am 6., 7. und 9. Dezember aller Unterricht freigegeben. Dieſe Tage werden ihnen gewiß unvergeßlich ſein.

Den Geburtstag Seiner Majeſtät des Kaiſers Wilhelm II. feierte unſere Anſtalt am 27. Januar 1890 mit einem Feſtakt, bei dem der Direktor die Feſtrede hielt.

9. Am 23. Mai, 21. Juni, 31. Oktober und 19. November 1889 wurden von allen Klaſſen Spaziergänge in die Umgegend von Darmſtadt ausgeführt. Im Januar und Februar 1890 wurden öfters die Nachmittagsſtunden zur Benutzung der Eisbahn frei gegeben. An mehreren Tagen wurden auch die Turnſtunden, die auf die Nachmittage fielen, zum Schlittſchuhlaufen benutzt.