Aufsatz 
Zum Geschichtsunterricht des Gymnasiums / von Theodor Goldmann
Entstehung
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fahrt von Otto Roquette, die Sinfonie⸗KantateElyſium, die SceneMädchens Klage, 2 Sinfonien(in Es-dur und F-moll), eine Ouvertüre, die in Mannheim preisgekrönt wurde, verſchiedene Trios, Streichquartette ꝛc. Sein letztes größeres Werk iſtSawitri, indiſche Sage nach dem Gedichte von Luiſe von Plönnies für Soli, Chor und Orcheſter komponiert.

Das ehrenvolle Gedenkblatt, aus dem die vorſtehenden Angaben entnommen ſind, berichtet noch manche Züge aus ſeinem perſönlichen Leben, die leider hier keinen Raum mehr finden, und ſtellt auch die Thätigkeit des praktiſchen Muſikers dar, welche Mangold während eines halben Jahrhunderts ausübte und die ſtets darauf gerichtet war, nur in die beſten Tonſchöpfungen der Altmeiſter unſrer klaſſiſchen Muſik, ſowie der neueren Richtungen einzuführen. Was er in unſrer Stadt mit idealem Sinn und edler Empfindung erſtrebt und mit tüchtiger Kraft bei uns durchgeführt, wird ihm allezeit unvergeſſen bleiben.

Am 9. Januar 1890, vormittags 9 Uhr, verſchied infolge einer Lungenlähmung, die durch Influenza herbeigeführt wurde, ſanft und ganz unerwartet der Großherzogliche Rechnungsrat Herr Eduard Langsdorf, der Rechner unſerer Anſtalt, welcher zugleich Rechner der heſſiſchen Landes⸗ waiſenkaſſe, der heſſiſchen Schullehrerwitwenkaſſe ꝛc. ꝛc. war, im Alter von 65 Jahren. Noch am Abende vor ſeinem Hinſcheiden verweilte er im Kreiſe ſeiner Familie und in ſeinem Bureau. Seine Beſtattung erfolgte Sonntag, den 12. Januar, früh 8 Uhr. Das pflichttreue, wohlwollende und freundliche Weſen dieſes Mannes wird allen, die ihm näher getreten, unvergeßlich ſein. Wir bewahren ihm im Herzen und in der Geſchichte unſerer Anſtalt ein ehrendes Andenken.

Der langjährige israelitiſche Religionslehrer unſerer Anſtalt, der Großherzogliche Landesrabbiner Dr. Julius Landsberger, der dreißig Jahre als Rabbiner des Rabbinats Darmſtadt dahier wirkte, ſtarb am Abend des 3. März 1890 und wurde am 6. März, vormittags 10 Uhr, beſtattet. Seine Schüler und eine Deputation unſeres Lehrerkollegiums nahmen an der Beſtattungsfeierlichkeit teil. Schon ſeit mehreren Jahren war Dr. Landsberger leidend; ſeit Juni 1889 vermochte er bei uns ſeinen Unterricht nicht mehr zu erteilen; und er war deshalb genötigt, ſich beurlauben zu laſſen. Auf ſeinen Wunſch wurde er von dem Großh. Miniſterium mit Wirkung vom 13. Januar l. J. ſeiner Stellen als israelitiſcher Religionslehrer an dem Gymnaſium, dem Realgymnaſium, der Realſchule und der Viktoriaſchule dahier enthoben. Der Verſtorbene wurde im Jahre 1819 in Oberſchleſien geboren und erreichte das 71. Lebensjahr. Als geiſtvoller Theologe vermittelnder Richtung, Kanzelredner und Orientaliſt hochgeſchätzt, hat er auch eine Reihe von litterariſchen Arbeiten veröffentlicht. Bei der Trauerfeier zum Andenken an den Verſtorbenen wies der ſtellvertretende Rabbiner Dr. Selver auf ſeine ſeltene Beſcheidenheit, Friedensliebe und herzgewinnende Liebenswürdigkeit hin.Von wahrer Frömmigkeit beſeelt, habe er fern von ſtarrem Buchſtabenglauben geſtanden. Von dem Gedanken aus⸗ gehend, daß eine Religion, die auf Geiſt und Gemüt wirken wolle, Schritt halten müſſe mit der fortſchreitenden Bildung der Menſchheit und ihrer Geſittung, habe ſich der Verſtorbene vor 50 Jahren mit an die Spitze derer geſtellt, die eine Umwandlung in dem jüdiſchen Religionsleben anſtrebten. (Darmſt. Tagbl. Nr. 50.)

Auch zwei liebe gute Schüler entriß uns der Tod im zarten Knabenalter. Karl Tenner, Sohn des Großh. Medizinalrats Herrn Dr. A. Tenner dahier und Schüler unſerer erſten Oſtervorklaſſe, ſtarb am 2. Auguſt 1889 in Bad Teinach an Diphtheritis und wurde am 5. desſelben Monats, nachmittags 4 Uhr, in Darmſtadt beſtattet. Und am 24. Dezember 1889 entſchlief unſer Oſterſextaner Erwin Heitz, Sohn des Muſikhändlers und Inſtrumentenbauers Herrn Otto Heitz dahier, nachdem er von der In⸗ fluenza heftig ergriffen worden, nach kurzem Leiden. Seine Beſtattung erfolgte am Nachmittag des

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