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in Nr. 43 und 44 der Darmſtädter Zeitung ein Gedenkblatt zu dieſem Jubiläum. Wir entnehmen demſelben die folgenden biographiſchen Notizen.
Karl Amand Mangold iſt in Darmſtadt am 8. Okt. 1813 geboren. Er ſtammt aus einer ſehr muſikaliſchen Familie unſrer Reſidenz und brachte ſelbſt hervorragende Anlagen für die Muſik mit auf die Welt. Sein Vater war der Hofmuſikdirector Georg Mangold; ſein älterer Bruder Wilhelm Mangold leitete als Hofkapellmeiſter in den Jahren 1828— 1853 die Großherzogliche Hofmuſik. Sehr früh— ſchon in ſeinem vierten Lebensjahre— erhielt der Knabe Karl Amand Mangold Unterricht auf der Violine von ſeinem Vater, einem Schüler des einſt berühmten kurmainziſchen Konzertmeiſters Schick, ſpäter von ſeinem Bruder Wilhelm. Im Geſange empfing er von ſeinem 6. Lebensjahre an Unterweiſung von ſeiner älteren Schweſter Charlotte. Seine Führer im Klavier⸗ und Orgelſpiel waren Darmſtädter Lehrer. Die Kompoſitionsſtudien begann er in ſeinem 12. Lebensjahre unter der Leitung ſeines Bruders Wilhelm. Frühzeitig entwickelte er ſelbſt eine ſchöne, melodiſche Stimme(Baryton), welche ihm bis in ſein Alter treu geblieben iſt. In beinahe vollendetem 18. Lebensjahre kam K. A. Mangold als Acceſſiſt in die Großh. Hofmuſik, welche damals — 1831— durch die jahrelangen Bemühungen des Großherzogs Ludwigs I. auf eine hohe Stufe gehoben war; er empfing ſeinen Platz an einem Pulte der 1. Violine.— Es war im Jahre 1837, als der Hofkapellmeiſter Wilhelm Mangold den ehrenvollen Antrag erhielt, das Amt eines Dirigenten der deutſchen Oper in London zu bekleiden. Derſelbe folgte dem Ruf, und ſein Bruder Karl Amand begleitete ihn, um neben ihm als Chorführer thätig zu ſein. Dieſe Reiſe wurde für letzteren ſehr wichtig: ſeine muſikaliſche Entwickelung machte große Fortſchritte. Als er mit ſeinem Bruder nach Darmſtadt zurückkehrte, nahm er ſeinen Weg über Paris, wo er im Hinblick auf ſeinen beabſichtigten ſpäteren Aufenthalt verſchiedenen bedeutenden Künſtlern perſönlich vorgeſtellt wurde. In Darmſtadt nahm der junge Künſtler ſofort wieder die früheré Thätigkeit auf. Da er jedoch ſeine mufikaliſche Bildung noch nicht für abgeſchloſſen hielt, ſo ſtrebte er aufs neue in die Fremde. Nach Paris zog es ihn, das lange Jahre den Mittelpunkt des muſika⸗ liſchen Lebens bildete. Dort ſetzte er in den Jahren 1838/39 ſeine Studien fort, ſein Eifer war groß. Altmeiſter Cherubini entſchied, daß der angehende deutſche Künſtler, nachdem er zwei Themata für eine Inſtrumental⸗ und Vokal⸗ fuge ausgearbeitet hatte, in die Klaſſe für höhere Kompoſition aufgenommen werden ſollte. Die Meiſter Meyerbeer und Halevy intereſſierten ſich für Mangold. Der jugendliche Künſtler ſah ſich bald veranlaßt, als Lehrer aufzutreten, um den teueren Pariſer Aufenthalt verlängern zu können. Mangold gründete in Paris auch einen deutſchen Männer⸗ geſangverein, und mit Vorliebe gab er ſich der Kompoſition von Männerchören hin: ſo entſtanden an den Ufern der Seine mehrere echt deutſche Lieder, wie ſein„Lebewohl“ und das ſpäter für gemiſchten Chor übertragene„Komm in die ſtille Nacht“. Er wurde auch Geſanglehrer an der Association polytechnique mit ihren 800 Chorſchülern, am Athénée des familles, an der Kommunalſchule von Goubeaux und an einigen größeren Anſtalten. Für dieſe Ver⸗ einigungen komponierte er verſchiedene Werke, darunter auch eine patriotiſche Hymne von Viktor Hugo für die Juli⸗ Gefallenen, welche von einem Chor von 800 Männerſtimmen in Begleitung eines ſtarken Orcheſters öffentlich aufge⸗ führt wurde. Im Jahre 1839 kehrte Mangold nach Darmſtadt zurück und ließ ſich nunmehr dauernd hier nieder. Infolge einer Aufforderung, die muſikaliſche Leitung des„Dilettantenvereins“ zu übernehmen, wurde er Nachfolger des Dirigenten Hähnle(am 1. Oktober 1839) und er hat fortan dem genannten Verein— welcher bei ſeiner ſpäteren Trennung von der„Vereinigten Geſellſchaft“ im Herbſt 1855 den Namen„Muſik?Verein“ annahm— ſeine beſten Kräfte ein volles Menſchenalter hindurch gewidmet. In der Folgezeit wurde er noch mit der Leitung andrer hieſiger Vereine betraut, darunter mit der des Männergeſangvereins„Sängerkranz“(1843— 1845), des Damengeſangvereins „Cäcilia“(1844—1845), des evangeliſchen Kirchengeſangvereins(1853— 1855), des Mozartvereins(1870— 1875). Die Stelle eines Geſanglehrers an der hieſigen Gewerbeſchule und der techniſchen Hochſchule verſah er von 1844— 72, am Gymnaſium ſeit 1854. Schon im Jahre 1841 wurde ihm die Korrepetitorſtelle am Großh. Hoftheater übertragen; er bekleidete ſie bis 1868.
Von kleineren Tonwerken Mangolds(etwa 750) ſind 190 Lieder und Chöre veröffentlicht, unter den erſteren iſt namentlich ſein„Zwiegeſang“ durch Jenny Lind, welche ihn mit Vorliebe vortrug, weithin bekannt geworden, faſt ebenſo beliebt iſt ſein„Fiſchermädchen“; unter ſeinen Männerchören ſind am bekannteſten:„Waldlied“,„heiterer Lebenslauf“,„Morgenwanderung“,„Ständchen“. Von ſeinen größeren Werken erſchienen die„Hermannſchlacht“, „Gudrun“,„Abraham“, ‚Frithjof“ und die preisgekrönte Kantate für Männerchor:„Die Weisheit des Mirza Schaffy“, ſowie die preisgekrönte Konzertarie mit Orcheſter„Jeanne d'Arc“. Außerdem wurden aufgeführt ſeine Opern„Köhler⸗ mädchen“,„Tannhäuſer“,„Gudrun“,„Dornröschen“, die Oratorien„Wittekind“ und„Israel in der Wüſte“, die dramatiſchen Gedichte„Hermanns Tod“,„Barbaroſſas Erwachen“, ſowie der„Rheinmorgen“ aus Waldmeiſters Braut⸗


