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3. Die Acceſſiſten von Oſtern 1889 bis Oſtern 1890.
Gymnaſiallehramtsacceſſiſt Friedrich Noack aus Darmſtadt begann infolge der Miniſterialver⸗ fügung vom 25. Februar 1889 am 1. Mai desſelben Jahres den vorſchriftsmäßigen Acceß an unſerer Anſtalt.
Durch Miniſterialverfügung vom 23. Mai 1889 wurde Gymnaſiallehramtsacceſſiſt Otto Woll⸗ weber vor der Beendigung ſeines Acceſſes zur Aushülfe an die Realſchule zu Wimpfen mit Wirkung vom 2. Juni verſetzt. Jetzt iſt derſelbe proviſoriſcher Lehrer an der höheren Bürgerſchule in Beerfelden.
Großherzogliches Miniſterium des Innern und der Juſtiz, Abteilung für Schulangelegenheiten, verfügte unter dem 7. Juni 1889, daß den Gymnaſiallehramtsacceſſiſten Dr. Rudolf Becker und Dr. Ferdinand Wanſer die Erlaubnis erteilt werde, an unſerer Anſtalt freiwillig Unterricht zu erteilen. Herr Dr. R. Becker wurde dann am 1. Oktober 1889 zum proviſoriſchen Lehrer ernannt (vgl. oben).
Durch Miniſterialverfügung vom 13. Juni 1889 wurde Gymnaſiallehramtsacceſſiſt Auguſt Köhler für acht Wochen ſeiner hieſigen Acceßthätigkeit enthoben und mit der Verwaltung einer Lehrer⸗ ſtelle an dem Realgymnaſium zu Gießen beauftragt. Nachdem er dieſe Aushülfe geleiſtet, kehrte er zur Fortſetzung ſeines Acceſſes an unſere Anſtalt zurück.
Durch Miniſterialverfügung vom 29. Auguſt 1889 wurde Herr Kandidat Heinrich Fay aus Darmſtadt, nachdem er ſich auf der techniſchen Hochſchule dahier als Zeichenlehrer ausgebildet, zum Acceß für den Zeichenunterricht in unſerer Anſtalt zugelaſſen. Am 4. September 1889 wurde er in ſeinen Dienſt eingewieſen.
Dem Gymnaſiallehramtsacceſſiſten Albrecht Kullmann aus Schotten wurde durch Miniſterial⸗ verfügung vom 7. Oktober 1889 die Zulaſſung als Volontär am Gymnaſium zu Darmſtadt bewilligt. Schon am 7. Oktober trat er in ſeinen Dienſt ein; aber durch Miniſterialverfügung vom 25. November 1889 wurde er als proviſoriſcher Lehrer an das Gymnaſium zu Laubach verſetzt. Am 26. November verließ er uns.
4. Der Tod brachte unſerer Anſtalt recht ſchmerzliche Verluſte.
Herr Muſikdirektor Karl Amand Mangold, der den Geſangunterricht unſeres Gymnaſiums ſeit dem Jahre 1854 erteilte, begab ſich im Juli 1889, von ſeiner Tochter begleitet, nach Oberſtdorf an der Iller, um in den Allgäuer Alpen, wo er ſchon vor Jahren geweilt und Tondichtungen geſchaffen, ſich zu erfriſchen und anregende Eindrücke aus vergangenen Tagen ſich wieder zu beleben. Aber leider erkrankte er dort, und er entſchlief daſelbſt am 4. Auguſt, abends 10 Uhr. Am 7. Auguſt, nachmittags 5 Uhr, wurde er auf dem hieſigen Friedhof beſtattet.— Unſere Anſtalt bewahrt ihrem hochgeſchätzten und verehrten Lehrer des Geſangs, der ſich durch ſeine hochſinnige Welt⸗ und Lebens⸗ anſchauung und den Idealismus ſeiner Kunſt bis in ſein hohes Alter eine ſeltene jugendliche Friſche, entzückende Liebenswürdigkeit und in der Anſtalt im Verkehr mit der Jugend eine die Herzen ge⸗ winnende Freundlichkeit erhalten, ein freundliches und dankbares Andenken. Die künſtleriſche Bedeutung des hochbegabten Mannes iſt weithin bekannt. Mangold hat, wie ich aus ſeinem Munde vernahm, eingehende Aufzeichnungen zu einer Biographie hinterlaſſen. Dieſelben müſſen vieles Intereſſante enthalten und verdienen gewiß, für die Kreiſe ſeiner Schüler und Freunde, ſowie für die Geſchichte unſerer Anſtalt veröffentlicht zu werden und als ſchönſtes Denkmal erhalten zu bleiben.
Als es beſtimmt war, daß Mangold am 18. Februar 1889 als Dirigent des hieſigen Muſik⸗
vereins ſein 50 jähriges Jubiläum feiern ſollte, veröffentlichte ein Mitglied des hieſigen Muſikvereins 5


