26 Holſtein; ſonſt haben dieſe Staaten weder für Deutſchland noch für Europa im 19. Jahrhundert bis jetzt eine beſondere Bedeutung gehabt.
Zunächſt und hauptſächlich nun ſind es die äußeren Beziehungen der oben genannten Staaten zu einander und die daraus ſich ergebenden Veränderungen der europäiſchen Lage, die eine Behandlung ermöglichen, weil ſie ſich vor aller Augen vollzogen haben. Die pragmatiſchen Zuſammenhänge bleiben dabei freilich vielfach unaufgeklärt, weil das Material zu ihrer Ergründung noch nicht oder noch nicht genügend zugänglich iſt. Die Abmachungen des Wiener Kongreſſes haben ſowohl für Deutſchland wie für Europa den Zuſtand geſchaffen, der die Grundlage der folgenden Entwickelung bildete.
Zunächſt Deutſchland! Der Dualismus zwiſchen Öſtreich und Preußen, der ſeit dem Erſtarken des brandenburgiſchen Kurfürſtentums exiſtierte und durch die friedericianiſchen Zeiten hindurch in Bezug auf Deutſchland unerledigt geblieben war, aber in den Jahren der Napoleoniſchen Tyrannis zu einem — wir ſagen nicht zu wenig— ſehr lauen Bundesverhältnis geführt hatte, war während der Kongreß⸗ verhandlungen, wie auch ſchon vorher, neu aufgelebt und durch die Beſtimmungen der Wiener Akte zu einer dauernden Inſtitution Deutſchlands zu machen verſucht worden. Der Geſchichtsunterricht hat die Aufgabe zu zeigen, daß dieſer Gegenſatz zu einer Entſcheidung drängte, ſchon weil die Nation etwas anderes wollte als den jammervollen Bundestag. Aus den Verſuchen zur Löſung iſt hervorzuheben, daß die ganze Bewegung 1848/50, auf die, wie wir oben ausgeführt, im einzelnen nicht eingegangen werden kann, im weſentlichen dies Ziel der Einheit Deutſchlands hatte; die Komplizierung mit dem Streben nach einer vielfach unklaren Freiheit hinderte die Erfolge der Bewegung. Das Gagern'ſche Programm aber deutete ſchon die einzig mögliche Löſung des Verhältniſſes von Oſtreich und Deutſchland an. Nun iſt der entſcheidende Wendepunkt der, wo zum erſtenmale bewußt der preußiſche König und ſeine Miniſter den deutſchen Beruf Preußens zur Richtſchnur ihres Handelns machten; denn von dem großen Kurfürſten ſowohl wie von Friedrich dem Großen kann man nur inſoweit ſagen, daß ſie Deutſchlands Intereſſen vertraten, als zufällig gerade dieſe ſich mit denen Preußens deckten. Dieſe gewaltigen Heroen werden dadurch nicht größer, daß man ihnen Motive und Ziele unterſchiebt, die ſie naturgemäß nicht haben konnten, ja man darf faſt ſagen, nicht haben durften.
Der Fürſtentag mußte erfolglos ſein, weil eben Preußens König und Staatsmänner die Ziele ihrer deutſchen Politik klar und ſicher gefaßt hatten. So folgten die Entſcheidungen: Vorſpiel 1864, dann 1866, endlich 1871 Neubegründung eines deutſchen Kaiſerreichs deutſcher Nation. Wir nehmen dabei an, daß die kriegeriſchen Entſcheidungen mit ihren hervorragenden Leiſtungen, die Heldenthaten deutſcher Offiziere und Soldaten, insbeſondere die Thaten im deutſch⸗franzöſiſchen Kriege ſchon ganz ausführlich in der Ober⸗Tertia erzählt worden ſind, ſpdaß daran nur eine Erinnerung notwendig iſt. Es hängt dies mit unſerer Anſchauung über das Verhältnis der unteren zur oberen Stufe des Geſchichts⸗ unterrichts zuſammen, wovon weiter unten gehandelt werden ſoll.
Die Entwickelung Italiens im 19. Jahrhundert zeigt eine ähnliche Richtung wie die deutſche: auf die Begründung eines einheitlichen Reichs, und es handelt ſich darum, daß die Hauptphaſen dieſes Vorgangs, der wie in Deutſchland dadurch möglich wurde; daß energiſche Fürſten und Staatsmänner ſich der nationalen Ziele bemächtigten, und daß ſich Frankreich für eine wertvolle Entſchädigung als Bundesgenoſſe fand, erzählt werden.
Den Schluß der Geſchichte der deutſchen und italieniſchen Einheitsbeſtrebungen mag der Hinweis auf das deutſch⸗öſtreichiſch⸗italieniſche Bündnis bilden, das dieſelben Länder und Reiche einer weiſen Friedens⸗ politik unterordnet, an deren Zuſammenfaſſung im Verlauf der mittelalterlichen Geſchichte die Kräfte


