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einen abſoluten Ausſchluß aller dieſer Fragen vom Unterricht wollen, da wir ja nur dem„Zuviel“ entgegengetreten ſind und namentlich die Möglichkeit bezweifelten, den Schüler zu einer„völligen Klarheit“ in dieſen höchſt verwickelten und ſchwierigen Fragen zu führen.
Da ſcheint es mir nun zuerſt erforderlich zu ſein, daß wir zu der Streitfrage Stellung nehmen, die in den gelehrten Kreiſen unſeres Fachs vielfach behandelt wird oder wurde und ihren Niederſchlag bis zur Schulbücherlitteratur gefunden hat iſt Geſchichte bloß politiſche Geſchichte oder umfaßt ſie auch die anderen Gebiete der Lebensäußerungen eines Volkes: Religion, Sitte, Verfaſſung und Recht, Handel und Verkehr, Kunſt und Wiſſenſchaft, Litteratur? Indem man einen alle dieſe genannten Gebiete zuſammenfaſſenden Namen Kulturgeſchichte gefunden hat, wird ein Gegenſatz zur politiſchen Geſchichte geſchaffen und die Frage aufgeworfen: Was ſoll in der Schule getrieben werden? Der Streit will uns durchaus müßig dünken für den, der einen richtigen Begriff von Geſchichte überhaupt gewonnen hat. Geſchichte umfaßt im weiteſten Sinn alles Geſchehene, und wo wäre der Hiſtoriker, der es wagte zu behaupten, dies oder jenes Gebiet ſei nicht von irgend welcher Bedeutung für das Ganze? Wie kann man dem gegenüber einen beſonderen Begriff Kulturgeſchichte aufſtellen wollen? Man ſollte dieſen Ausdruck meiden, weil er zu unbeſtimmt iſt und doch etwas ganz Beſonderes repräſentieren ſoll. Es genüge der Ausdruck Geſchichte! Sie umfaßt alles: Religion, Litteratur, Kunſt und Wiſſenſchaft, Handel und Verkehr, Beziehungen der Staaten zu einander(politiſche, diplomatiſche, kriegeriſche), Ent⸗ deckungen und Erfindungen! Iſt da ein Gegenſatz vorhanden, oder ſind nicht vielmehr alle Gebiete eng verknüpft miteinander? ſie bedingen einander, ſtützen und fördern ſich gegenſeitig oder treten auch wohl einmal ſich hindernd in den Weg— auch da iſt geſchichtliches Leben vorhanden!
Wer bekannt und vertraut iſt mit der großartigen Geſchichtsauffaſſung Leopold von Rankes, K. W. Nitzſchs u. a., für den iſt eine weitere Ausführung dieſes Punktes überflüſſig. Wer ein wirklicher ganzer Hiſtoriker ſein will, muß aus der Spezialität heraus zu einer univerſalen Auffaſſung ſich durchringen, wodurch allein die Einzelheit ihre richtige Stellung und Wertſchätzung erfährt; ſonſt iſt und bleibt er ein vielleicht ganz tüchtiger Spezialhiſtoriker, aber die höhere Weihe fehlt ihm; er wird nie ein Baumeiſter werden, ſondern ſtets ein Kärrner bleiben.
Nun vollends für den Schulunterricht, wie kann es da eine andere Auffaſſung von Geſchichte geben als die hier angedeutete! Denn ſofern wir uns anmaßen, in das Leben des Altertums, des Mittel⸗ alters und der Neuzeit einführen zu wollen, muß eben auch dies Leben nach ſeinen verſchiedenen Seiten dem Schüler näher treten; jeder andere Unterricht bietet hier— wir meinen nach der ſtofflichen Seite — einzelnes, der Geſchichtsunterricht erſt auf ſeiner oberen Stufe wird eine Geſamtanſchauung anzubahnen haben.
Es iſt alſo unſere Meinung, daß zu einer wahrhaft welthiſtoriſchen Anſchauung in dem Gym⸗ naſium der Grund gelegt werden ſoll, und ſo entſteht die Frage, wie die einzelnen oben angeführten Gebiete menſchlicher Bethätigung zu einander in Beziehung geſetzt, wie ſie im einzelnen vorgeführt und behandelt werden müſſen. Wir erinnern hier an das, was oben(S. 5) bei der Definition von Geſchichte geſagt wurde. Wenn darnach der Geſchichtsunterricht ſich zu beſchränken hat auf die Geſchichte derjenigen Völker, die in irgend welcher Beziehung für die fortſchreitende Entwickelung der gebildeten Menſchheit eine beſondere Bedeutung gewonnen haben, ſo iſt es klar, daß hinwiederum bei ihnen vor allem diejenigen Lebensäußerungen zur Darſtellung zu kommen haben, die eben nach dieſer Richtung hin beſonders kennzeichnend ſind. Die politiſche, d. h. äußere Geſchichte bildet den naturgemäßen Mittelpunkt, um den ſich zunächſt diplomatiſche und kriegsgeſchichtliche Ereigniſſe gruppieren; dann tritt


