Aufsatz 
Geschichte der Realschule zu Alsfeld während der ersten 25 Jahre ihres Bestehens 1861-1885
Entstehung
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ein grade anwesender AccessistAushülfe geleistet hatte, wurde zu Anfang des Schuljahrs lssssw ein fünfter Hauptlehrer angestellt, so daß von jetzt an der ganze Unterricht von Lehrern, die ausschließlich der Anstalt angehörteti, ertheilt wurde, und daß bei Aufstellung und Durchführung des Lehr- und Stundenplans eine Menge voti Schwierigkeiten und Unbequemlichkeiten wegfiel, die beim Zusammenwirken von Lehrkräften aus verschiedenen Schulen bei aller Tüchtigkeit und Gewissenhaftigkeit der Einzelnen unvermeidlich sind.-

Die Beschränktheit unserer Räumlichkeiten war inzwischen immer drückender und Abhülfe dringend nothwendig geworden. Sie kam im Laufe des Sommers 1865. Nach Bewilligung der nöthigen Mittel durch den Gemeinderath wurde das ganze Haus, wovon uns bisher blos der untere Stock eingeräumt war, der Anstalt zur Verfügung gestellt und in zweckentsprechender Weise eingerichtet. Wir bekamen einen Saal, in dem mehrere Klasseii vereinigt und in welcheni auch die Priifungeii abgehalten werden konnten, die bis daher im Weinhaussaale stattfanden. Das Zimmer der l. und Il. Klasse wurde zu Ieinem vereinigt, das Lehrerzimmer durch das oben geschilderte anstoßende Kämmerchen und- durch Entfernung eines großen Schrankes ver- größert, das Geschäftszimmer des Directors nach oben verlegt, die Waschküche zu einem chemischen Laboratorium eingerichtet und das frühere Zimmer des Directors zur Aufbewahrnng der Samm- lungen benutzt, wozu es übrigens, wie sich später herausstellte, auch ungeeignet war.

Von ganz besonderem Werth war die Erwerbung des Gartens als Turn- und Spielplatz."

Wir athineteii freier auf, und wenn auch manches nochszu wünscheii blieb, so ließ uns die Besiegung der größten Schwierigkeiten auch jetzt wieder hoffnungsvoll der Zukunft entgegenblicken.

Der Krieg, welcher im Jahr 1866 die Gaue unseres deutschen Vaterlandes erschütterte, ging ohne erhebliche Störungen an uns vorüber; wir beklagten nur den Abgang mehrerer Schüler, die beim Herannahen der Heeresabtheilutigen von ihren besorgteti Eltern nach Hause gerufen wurden und nicht wieder hierher zurückkehrten. Aber die großen politischen Umwälzungen, welche den Kriegsereignissen folgten, die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in den süddeutschen Staaten und die Einrichtung des einjährig-freiwilligen Militärdienstes übten aus die Entwickelung der Realschulen einen großen Einfluß aus. Das erste Zeichen hiervon war eine Verfügung Großherzoglicher Oberstudien-Direction vom 4. Juli 1867 an die Directionen der Realschulen des Landes, worin diese zur Einreichung eines Entwurfs zu einem Normalplan für eine Real- schule aufgefordert wurden. Jn dieser Verfügung heißt es einleitend: ,,Jn Folge davon, daß die Realschulen des Großherzogthums zu verschiedener Zeit und aus zum Theil verschiedenen Orts- und Bildungsbedürfnissen gegründet worden sind, entbehren sie noch eines gemeinsamen Lehrplans. Ein solcher erscheint aber mit Uebereinstimmung in den« wesentlichsten Punkten er- forderlich, sowohl um dem im Lan der Zeit mehr und mehr klar entwickelten Begriff und Wesen der Realschule gleichmäßiger und sicherer entsprechen zu können, als auch um das Pub- " likum die Zwecke und Ziele der Realschule klar erkennen und daraus ersehen zu lassen, in wie weit dieselbe für die Berufsarten des praktischen Lebens, oder für den Uebertritt in eine andere Lehranstalt, oder zur Berechtigung für den einjährigeii Militärdieiist vorzubilden geeignet ist.«-

Am 15. Juli 1867 erging an die Direction unserer Schule noch die weitere Anforderung, darüber zu berichten, welche weiteren Geldmittel ausser den bereits zur Verwendung angewie- senen erforderlich sein würden, wenn der Unterrichtszeit eine Dauer von 6 Jahren und zwar für Schüler vom 10ten bis einschließlich 16ten Lebensjahre bei einer dem Besuch der Schule und den Bildungsstusen der Schüler entsprechenden Klasseneintheiluiig gegeben und der Anstalt die von dem Ergebniß einer Abgangsprüsung abhängig zu machende Berechtiguiig zum Eintritt in den einjährigen Militärdienst ertheilt werden soll.,

Nach Einreichung eines darauf bezüglichen Kostenvoranfchlags, nach längeren Verhand- lungen zwischen Großherzoglicher Oberstudien-Direetion und dem Gemeinderath von Alsfeld und nachdem die zur Erweiterung der Realschulen und Besserstellung der Lehrer von Groß- herzoglichem Ministerium an die Kammer gestellten Anforderungen ständischerseits unter der