Aufsatz 
Geschichte der Realschule zu Alsfeld während der ersten 25 Jahre ihres Bestehens 1861-1885
Entstehung
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Der Turnunterricht wurde theils im Hofe der Stadtschule, theils auf der Landstraße vor der Stadt abgehalten und mußte bei ungünstiger Witterung ausfallen. Es war also, wie aus Vorstehendem ersichtlich, mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen; doch ließen sich die Lehrer da- durch nicht abschrecken und hofften von der Zukunft eine Besserung dieser Verhältnisse, die ja auch nicht ausblieb

Um die Anfänge unserer Schule nach jeder Richtung hin zu schildern, sei auch noch der Geldverhältnisse gedacht· Die Besoldungen des Directors und der drei andern ordentlichen Lehrer waren(1100, 800, 700 und 500 Gulden(oder 1885, 1371, 1200, 857 Mark) und blieben auf dieser Stufe bis 1868. Das Schulgeld betrug 12 fl. für die vierte Klasse, 16 fl. für die dritte, 20 fl. für die zweite und 24 Gulden für die erste Klasse. Diejenigen Schüler, welche am Lateinunterrichttheilnahmen, hatten dafür noch ein besonderes Schulgeld von 6 Gulden zu entrichten. Die Gesammtkosten für die Unterhaltung der Anstalt betrugen im Jahr etwa 4200 Gulden. Dazu leistete der Staat einen-ständigen Beitrag von 600 Gulden, das Schul- geld betrug im Durchschnitt etwa 1900 Gulden, für den Rest von etwa 1700 Gulden, der je nach der Höhe des Schulgeldertrags sich veränderte, mußte die Stadt aufkommen, welcher außer- dem noch die Stellung und Unterhaltung des Hauses zustel.

Jn dieser Verfassung 4 Klassen und fünfjährige Unterrichtsdauer- verblieb die An- stalt bis zum Jahr 1868, wo eine Erweiterung auf 6 Klassen stattfand. Ehe wir jedoch näher hierauf eingehen, müssen wir noch einiger inzwischen vorgekommener Aenderungen gedenken-

Die ungleichen Vorkenntnisse, mit welchen die Schüler eintraten, führten zur Gründung einer Vorbereitungsschule, welche die Bestimmung hatte, die Knaben im 6. Jahre aufzunehmen und in angemessener Weise zum Eintritt in die Realklassen zu befähigen. Da die im Frühjahr 1862 mit dem Gemeinderath der Stadt Alsfeld eingeleiteten Verhandlungen über die Errichtung einer Vorschule einen baldigen günstigen Erfolg nicht hoffen ließeii, wandten sich eine Anzahl hiesiger Elterti an Großherzogliche Oberstudiendirection mit der Bitte um Ermächtiguiig, die fragliche Anstalt zunächst ans eignen Mittelii jedoch in Verbindung mit der Realschule errichten zii dürfen. Nachdem den Bittstellern diese Ermächtigung am 15. Mai ertheilt worden war, wurde die Vorschule am 1. Juli 1862 mit 15 Schülerii im Alter von 68 Jahren eröffnet. Das Lehrzimmer befand sich in dem Hillschen Hause neben der Realschule.

Jn demselben Haitse war 3 Wochen früher auch schon die vierte Klasse untergebracht worden; als nämlich im Anfang des zweiten Schuljahrs 1.1. Juni 1862- die Schülerzahl auf 121 stieg, waren die vorhandenen Räume vollständig unzureichend geworden, und es blieb kein anderer Ausweg, als eine Klasse in ein Nachbarhaus zu verlegen, obwohl man sich über die damit verknüpfteii Uebelstände vollständig im Klaren war.

Gegen Ende des Jahres 1863 traf die Anstalt ein harter Verlust. Der erste Lehrer und Dirigent, Herr F. W. Greim, durch Allerhöchste Verfügung zum Director der Realschule zu Offenbach ernannt, schied am 18. November von der Schule, die unter seiner trefflicheti Leitung in kurzer Zeit sich kräftig entwickelt hatte und zu solcher Blüthe gelangt war, daß sie, ohne den Vorwurf der Unbescheidenheit fürchten zu müssen, sich vollberechtigt in den Kreis ihrer älteren Schwestern stellen durfte. Jm Hinblick aus das kurze Bestehen der Anstalt wurde seiti, Weggang allgemein bedauert, ganz besonders auch von den Lehrern, denen das herzliche colle- gialische Verhältniß während dieser Zeit, wie es schöner kaum gedacht werden kann, zeitlebens zu den angenehmsten Erinnerungen ihres Berufslebens gehören wird.

Seine Amtsgeschäste wurden bis auf weiteres dem Reallehrer Schäfer übertragen. Jm Frühjahr 1864 endete das seitherige Provisorium der Anstalt; ihre dauernde Errichtung wurde- ausgesprochen, es erfolgte am.1. März 1864 die feste Anstellung zweier Lehrer, und am 8. August dieses Jahres wurde Reallehrer Schäfer, der seit November 1863 die-Stelle des Dirigenten verwaltet hatte, durch Allerhöchste Verfügung zum Director der Anstalt ernannt. Jm October 1865 wurde auch der dritte Lehrer fest angestellt. Die an der Schule verwen- deten Hülfslehrer legten- im Laufe des Schuljahrs lssslss ihre Stellen nieder, und nachdem

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