Aufsatz 
Geschichte der Realschule zu Alsfeld während der ersten 25 Jahre ihres Bestehens 1861-1885
Entstehung
Einzelbild herunterladen

-20

wie schon bei Eröffnung der Schule in Aussicht genommen war, eine neue, oberste Klasse er- richtet werden; da aber die Schülerzahl bis auf 100 stieg, so wurde außer der in Aussicht ge- nommenen dritten Klasse, zu leich noch eine 4. Klasse nöthig und in Folge davon eine Vermehrung des Lehrerpersonals. Der tadtvorstand hatte die hierzu nöthigen Mittel bereitwillig zur Ver- fügung gestellt und Gr. Oberstudiendirection ernannte am 13. Mai einen 4. ordentlichen Lehrer (Götz) und im Juni drei weitere Hülfslehrer(Müller, Kurtz und Heiß), so daß von da an der Unterricht in 4Klassen von 8Lehrern, 4Hauptlehrer11 und 4Hülfslehrern ertheilt wurde. Die Anstalt war so eingerichtet, daß Schüler, welche im 10. Jahre eintraten, in der vierten und dritten Klasse je ein Jahr, in der zweiten, die aus 2 Abtheilungen bestand, zwei Jahre und in der ersten Klasse ein Jahr verweilten, also das der Schule gesteckte Ziel in 5 Jahreti erreichen konnten. Zur Beurtheilung des zu Grunde gelegten Lehrplans diene folgende Uebersicht:

Uebersicht der Lehrstunden nach Klasseni.

.» W..

Qhrgcgrnståndn« Klio-Si«« Lrhrgrgrnltåtidr«, Humm««

- 1.; II. jIII.k 1v. I.« 11. 111I.»1v. 1. Religion 2 J 2 I 2 E 2 12. Naturgeschichte. 2 s« 2 2 f 2 2. Deutsch.. 4; 4 I 4 I 6 13. Schönschreiben. 2« 3 3 Z. Französisch. 4; 4; 4« 4 14. Gesakig.. 1 I 1 1, 1 4. Englisch... 3 2- j- 15. Zeichnen... 2; 2 7 2« 2 5. Rechnen... 2 3« 3; 3 16. Turnen.. 2« 2: 2! 2 Si Buchstabenrechnung 2 I i- E- Zusammen 35 34 29 E 30 7« Raumlehre 2! 2 2 i 1 Nicht verbindlich: s k Si Naturlehke- 2 I 2; s Latein..... 3 Z 4 T 4 i 4 9.Chemie.. 2s13--«..«» m. Geschichte · 2 2 ·2 2 Zusammen 38 I 38» 30 s 34 11. Erdkunde 2 2 s 2 2 H

Werfen wir nun noch einen Blick auf die Räumlichkeiten. Neben 4 Klassenzimmern be- fanden sich in dem uns angewiesenen unteren Stock des zweiten Pfarrhauses noch ein Lehrer- zimmer, eine Kammer zur Anfbewahrung der physikalischen und chemischen Geräthe und ein Geschäftszimiiier fiir den Director. Voti diesen Räutnen waren nur zwei einigermaßen genügend, das für die dritte und vierte Klasse. Die erste Klasse war so klein, daß darin nur 2 Schultische stehen konnten, die das Zimmer der Länge nach fast ausfüllten; zwischen diesen und der Wand, woran die Tafel hing, war für den Lehrer ein Raum von 30 Ctm. Breite. Das Zimmer der 36 Schüler zählenden zweiten Klasse hatte eine Bodenfläche von 23 Quadratmetern; die Schüler saßen sehr gedrängt und dem Lehrer blieb auch nur wenig Raukii zur Bewegung.

, Das Lehrerzimmer lag hinten hinaus und diente als Durchgang zur ersten Klasse und zu dem Stäbchen für die physikalischeti Gerathe. Dasselbe war so schmal, daß man die Thüre des Schranks, worin die Geräthe aufbewahrt wurden, nicht ganz aufmachen konnte; es war ein wahres Kunststück, ein solches herauszuholen und wieder an seinen Platz zu bringen« Das Ar- beitszimmer des Directors war am schlechtesten, klein, dumpfig und sehr dunkel. Diese Dunkelheit wurde zur ägyptischen Finsterniß von August an den Winter hindurch, weil in dieser Zeit in der nebenan befindlichen Scheuer gedroschen wurde; die geöffnete Scheuerthüre legte sich vor das Fenster und machte das Zimmerchen zur Oaniera obscuka. Es war ein Wink mit dem Scheuer- thor, man mußte heraus. Im Lehrerzimmer und im Hausgang wurden die chemischen Versuche vorbereitet und die dabei entstehenden nicht immer wohlriechend zu nennenden Düfte verbreiteteti sich im ganzett Haus, was wir namentlich wegen der Bewohner des oberen Stocks sehr be- dauerten. Der Tummelplatz für die Schüler vor dem Unterricht und während der Pause war ein kleines Höfchen, etwa 2,-«"2 mal so groß als ein Schulzimmer.