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Das darf ich und muss ich zunächst bezeugen im Namen und aus dem Herzen seiner lieben Angehörigen. Wie ein Patriarch aus dem alten Testamente, wie ein Hohepriester, ehrfurchtgebietend und doch voll himmlischer Milde, hoheit- voll und do dochli in zärtlichster Liebe, so wandelte er unter den Seinigen, eine wunderbar seltene Persönlichkeit von einer Grösse der Gesinnung, von einer sittlichen Wüurde, von einer Vornehmheit und einem Adel, der ihm schon auf dem edlen Angesicht geschrieben stand, dass auch für ihn das Wort gilt, das einst auf seinen Jugend- freund Michael Sachs geprägt wurde:„Wer würde in seiner Nahe ein unwürdiges, ein unsittliches, ein unreligiöses Wort zu sprechen gewagt haben?“
Und dabei so gut, so innig, so mild, so freundlich, so wohlwollend, so anspruchslos, so selbstvergessen, so glücklich mit jeder Freude, die seine Lieben beglückte, so dankbar für jedes gute Wort, für jeden kleinsten Liebesdienst!
Viel Liebe, viel Glück hat er in seinem reichgesegneten Familienleben er- fahren, wenn ihm auch der bittere Trank aus dem Lebenskelche nicht erspart blieb. Er sah den Gottessegen, der auf seinen Kindern ruhte, er sah Kindeskinder heran- blühen, er sah sich umgeben von treuer, sorgender Gattenliebe, heilige Erinnerungen an Vater und Mutter, herzliche Liebe treuer Geschwister begleiteten ihn wie gute Engel bis an sein Lebensende.
Gesegnet mit Glück und Liebe war sein Leben, und von ihm selbst ging ein Hauch des Segens bis zu seinem letzten Atemzuge aus. Ja gerade in seiner letzten Leidenszeit, die ihm so versüsst wurde durch die aufopfernde, hingebungs- volle Pflege seiner edlen Gattin, durch die rührende Verehrung und Liebe der treuen Kinder, durch die innige Teilnahme von nah und fern— in jener letzten Trübsals- zeit strömte eine Weihe von ihm aus, die fast an das Ende des Patriarchen Jakob gemahnt. Wenn sonst schon jedes einfache Wort, das er sprach, durch die Per- sönlichkeit, die hinter dem Worte stand, ungewohnliche Bedeutung gewann, so waren seine letzten Worte, die er auf seinem Krankenlager, oft in schlaflosen Nächten, niederschrieb oder die seine Kinder sich pietätvoll aufzeichneten, fast anmutend wie Prophetenworte.
So steht auf einem seiner nachgelassenen Blatter ungefähr Folgendes ge- schrieben:„Ich habe eine schlaflose Nacht gehabt und viel über Menschenleben nach- gedacht; und eines fand ich, an der Pforte der Ewigkeit stehend, was not tut für die Menschen: Friede, Friede dem Fernen und dem Nahen d v.“
Auf einem anderen Blatte steht:„Ich habe immer gemeint, dass wir Menschen nur dazu da sind, einander zu helfen und beizustehen.“
Und ein drittes:„Das Einzige, was das Leben lebenswert macht, ist, dass wir einen guten Einfluss auf die Gesinnung und den Charakter der Menschen ge- winnen.“
Und endlich:„Des Menschen Tage sind gezaâhlt; ich weiss nicht, ob mir noch eine Weile vergönnt ist, aber— wie Gott will.“
So ging sein Tag zu Ende im Schimmer heiliger Verklärung. So stand er sterbend auf des Lebens Gipfel, von wo er, wie jener Weise unseres Stammes


