das fliehende Dasein im Spiegel der Ewigkeit schaute, ein Weiser und ein Frommer zugleich.
Dass der Verklärte nicht nur den Seinigen gehörte, dass er durch seinen Beruf auf einer hohen Warte stand, dass er Tausenden ein Lehrer gewesen und ganze Generationen unserer Gemeinde zu seinen Schülern zählte, dass er als Lehrer von derselben Würde und Kraft der Persönlichkeit gewesen, dass er hochgeehrt dastand im Kreise seiner Berufsgenossen und in weitem Freundeskreise, dass er Vorsteher und Mitarbeiter war von zahllosen humanitären Vereinen und selbst viele Wohltaätigkeitsstiftungen angeregt durch sein starkes, eindruckvolles Wort, dass er der Vertrauensmann der deutschen Judenheit für viele grosse Vereinigungen war— das zu schildern, ist meines Amtes nicht, es wird von berufenerer Seite geschehen.
Eines aber môchte ich nicht ungesagt lassen, weil es den Kern seines Wesens trifft. Man hat einmal die engere, norddeutsche Heimat des Verklärten das Land des kategorischen Imperativs genannt. Nun denn, so war der Verklärte die Verkörperung des idealsten deutschen Wesens. Die Pflicht war seine sittliche Ge- bieterin. Hohe Pflichtauffassung, Zuverlässigkeit, Gewissen, Charakter schimmerten goldhell aus seinem Wort, aus seiner Tat hervor.
Das war das Geheimnis seiner Persönlichkeit, das stand ihm als Adels- zeichen an der edlen Stirn geschrieben.
Aber wer ihn gefragt hätte nach den Wurzeln seiner Kraft, dem baätte er wohl geantwortet, wie er auf seinem Totenbette zu seinen Kindern gesagt hat: „Immer habe ich mir meine Eltern als Vorbild genommen.“
Ja, der Verklärte war ein echter Deutscher, er war ein deutscher Patriot vom Scheitel bis zur Sohle, aber zugleich war er sich bewusst, dass er den besten Teil seiner sittlichen Kraft seinem Vaterhause, seinem Vaâterglauben verdanke, zu- gleich war er ein treuer Sohn seiner Glaubensgemeinschaft voll Pietät und Gottes- furcht, voll Treue und Sittlichkeit.
In seiner wunderbaren Persönlichkeit zeigte er— wie überhaupt nur in lebendigen Persönlichkeiten sich solches zeigen kann— wie ideales Deutschtum und ideale Glaubenstreue sich aufs engste verbinden, dass, wer hier voll Ehr-— furcht und Treue, dort voll Ehrfurcht und Treue, wer hier voll Sittlichkeit und Gewissen, dort voll Sittlichkeit und Gewissen, wer hier ein Charakter, dort ein Charakter ist.
Wie über den Stätten idealer Lebensweihe bisweilen als Inschrift geschrieben steht, so könnte auch die Inschrift des idealen Lebens des Verklärten lauten: Dem Wahren, dem Schönen, dem Guten!
Wir aber wollen an dieser Bahre wieder glauben lernen an die bezwingende Kraft des Guten, wir wollen an dem Vorbild dieses Mannes wieder glauben lernen „an alles Hohe, was Menschenherz erhebt“,„an Freiheit, Mäannerwürde, an Treu' und Heiligkeit.“


