Aufsatz 
Zur Erinnerung an Dr. Hermann Baerwald, Direktor der Realschule der israel. Gemeinde (Philanthropin) 1868-1899
Entstehung
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Rede des Herrn Rabbiner Dr. C. Seligmann.

Gott, unsere Zuflucht von Geschlecht zu Geschlecht, wir beugen uns vor Deinem heiligen Willen, denn die Wege Deiner Vorsehung sind gerecht. Du bist unser Vater, ob Du tétest oder belebest, ob Du zur Gruft hinabführst oder zu lichter Höhe emporhebst. Wer wollte zu Dir sprechen:Herr, was tust Du? Ist unser Leben ja und das Leben unserer Lieben ein Geschenk von Dir und un- verdient von uns. Deine Gnade weckt uns zu lichter Lebenssonne, Deine Gnade nimmt uns auf, wenn wir durch des Todes dunkle Pforte gehen. Der irdische Leib zerfällt, aber der Geist, von Dir entstammt, und dieses Geistes edles Wirken: die Frömmigkeit, in der wir vor Dir wandelten, die Liebe, mit der wir die Menschen froh beglückt, der gute Name, den wir uns erworben, das welket und vergehet nicht, das bleibt in ewiger Unsterblichkeit. Darum ergeben wir uns Deinem heiligen Willen, auch wenn Du uns Schweres auferlegst. Wenn aber dennoch unser schwaches Her⸗z verzagt, so habe Nachsicht, Herr, mit unsrer Schwache und lass von jener frommen Demut einen Hauch in unsere Seele fallen, die Deinem heiligen Willen sich still ergiebt und mit dem alten frommen Dulder spricht:Gott hat gegeben, Gott hat genommen, der Name Gottes sei gepriesen in Ewigkeit. Amen.

n* e eeGott hat gegeben, Gott hat genommen, der Name Gottes sei gepriesen, ja das ist das rechte Wort an dieser Bahre. Als ich vor wenig Tagen zum letzten Male die Hand dem Sterbenden drückte, da suchte er, mit bebenden Lippen, wie von Todesahnung überwaltigt, nach dem Psalmwort und betete es in der heiligen Sprache unserer Vater, die ihm in den letzten Monden immer lieber wurde und betete in heiliger Inbrunst: b2 8 Sd eee ood dy W e e ennicht die Toten loben Goit, und nicht, die in Grabesnacht sinken, wir aber wollen Gott preisen, so lange wir leben in Ewigkeit.

Wir wollen ihn preisen auch unter Trânen, nicht nur für das friedvolle Ende, das seinem schweren, schmerzvollen Krankenlager Erlôsung brachte, sondern dafür vor allem, dass er ihn uns gegeben Da, dass er so viel, unendlich mehr, als wir mit unserem schwachen Menschenwort aussprechen können, an dem Ver- klärten uns gegeben.