Aufsatz 
Die ältesten alliterirenden Dichtungsreste in hochdeutscher Sprache : das Hildebrandslied, die Merseburger Zaubersprüche, das Wessobrunner Gebet und Muspilli : berichtigte Urschrift mit metrischer Uebersetzung in der ursprünglichen Versform und Anmerkungen / von H. Feussner
Entstehung
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sie, und daker erklart sich ihr name: rän(ueutr.) ist rapina, raena rapere spoliare. Auf die nachweisung dieses sonst seltenen wortes rahanen(Spoliare) Hildebr. lied 57 stutze ich, dass es auch in audern gegenden Deutschlauds ein Subst. rahan(rapina, spolium) und eine gotlin Rahana(vergl. Tanfana, HIluodana) gegeben baben könne, wie einen Uogi= Oegir. Ebend. II S. 1215 Nachtr. zu S. 288. Die ahd. Rahana steht auf sebr schwachen füssen.« Ich bemerke erstens in Bezug auf die Alliteration unsers Verses, dass auch gekreuzte Lieds'äbe Statt ſinden können, so dass raubd in der ersten Vershalfte mit reht in der zweiten, bi-hrahanen in der ersten dagegen mit habèés in der zweiten reimt. Der Stabreim des Verses entscheidet also nicht gewiss für die Tilgung des Anlautes h. Zweitens ist die Gleichheit des altn. raena mit unserm bi-hrahanen sehr wohl möglich, doch auch nicht sicher. Schmeller bayr. WVrtb. III, 73 denkt an Ableitung von raha(auch hraha) die Rabe, Stange, so dass das Wort bedeutete an eine Stange(ferculo) aufhängen, wie Romulus seine spolia opima. Doch scheint das die Form des Wortes zu verbieten, die ein Subst. rahan voraussctzt, und ich weiss nicht, ob nicht auch die Sitte entgegen ist. Bei dieser noch obwaltenden Uusicherkeit hinsichtlich des Wortes slaube ich die handschriftliche Sehreibung beibehalten zu müssen.

Zu Vers 61. Die Haudschrift gibt den Vers mit verschobener Folge der Worter: werdar sih dero hiutu hregilo hrumen muofti. Es ist unverkennbar, dass entweder herzustellen ist werdar sih hiutü derô hregilo hrůmen muotti, wie Lachmann thut, und wie Striche über den Wortern der Handschrift andeuten sollen, die aber in W. Grimums Facsimile weggeblieben sind, weil sie sich als spätern Ursprungs zu erkennen gegeben haben; oder werdar sih derô Lregild hiutü hrmen muotti, wie Wackernagel im altd. Leseb. u. A. Ausserdem sehreibt die Hds. hrmen, was entweder gleich rümen räumen ist, welches Wort auch sonst öfter mit h geschrieben vorkommt, oder statt hräomen rühmen verschrieben ist. E⸗ fragt sich also zunächst, kann, wenn wir die handschriftliche Lesart hrämen rúmen beibehalten, mit Sinn gesagt und konstruirt werden sih derò hregilè hrmen. Woöortlich hiess das:»sich des Wal- ſenschmuckes räumen« und das müsste so viel sein als: sich des Waffenschmuckes bege- ben d. h. als Besiegter das Wehrgeschmeide dem Sieger überlassen. Wir seben, dass der Siun der Redensart dem Zusammenbang wohl angemessen sein kann; es wird also auf die Vertraglichkeit der Ronstruktion mit dem Sprachgebrauch ankommen. Gewöhmlich findet sich das Wort nur entweder mit einem Accusativ des Ortes, den man räumt, d. i. verlässt, oder mit einem Dativ der Person, welcher man Platz macht, verbunden. Doch findet sich dasselbe in der Zusammensetzung mit ar auch in der Bedeutung rein oder frei machen von etwas mit einem Accusativ des rein oder frei gemachten Gegenstandes und mit einem Genitiv dessen, wo- von etwas gereinigt oder entblösst wird. So bei Notker Boeth. S. 108(99 Graff) Tér guoten ächer sühen wile, der errmet in èr des ünchrtes. und Ebend. S. 227(253) wünda éuh Hercules den städ errümda des wäldes. Dieses ist ganz die Konstruktion und Bedeutung des Wortes, wie wir ihr in unserer Stelle begegnen, nur mit dem Unterschied, dass das Objekt im Accusativ in unserem Lied durch ein reflexives Pronomen ausgedrückt ist. Allein dem kann doch wohl nichts entgegenstehen, dass wenn das Subjekt die Handlung des Befreiens oder Entblossens von Etwas an sich selbst vollzieht, statt des sonst unreflexiven Objektes ein reflexives im Accus. zutrete. Ausserdem beweist auch wenigstens im Allgemeinen, dass rümen ein reflexi- ves sih verträagt Otfr. V. 6. 553.

joh iagilih sih kúmit, sr sih thaz herza rumit, fon ungilouboôn festi irweichent thô irô brusti.

IHier ist in den Worten sar sih thaz herzâ rúmitsobald das Herz sich reinigte mit rumman das reflexive sih verbunden; zwar fehlt der Genitiv dessen, wovon es sich reinigt;