Aufsatz 
Die ältesten alliterirenden Dichtungsreste in hochdeutscher Sprache : das Hildebrandslied, die Merseburger Zaubersprüche, das Wessobrunner Gebet und Muspilli : berichtigte Urschrift mit metrischer Uebersetzung in der ursprünglichen Versform und Anmerkungen / von H. Feussner
Entstehung
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des WVortes als Rürze betrachten uad mit der Endsilbe zusammen als ein Lautganzes die Hebung bilden lassen wollte⸗ denn das wäre bei Flexionssilben etwas Unerhörtes; selbst in Ableitungs- silben ist das nicht gestattet, und wenn die Silbe ig mitunter bei mittelhochdeutschen Dichtern so gebraucht wird, so rührt dies wohl sicher daher, dass das Sprachgefnhl bei dieser Silbe un- gewiss war, ob es dieselbe als Ableitungs- oder als tieftonige WVurzelsilbe eines zusammenge-

setzten Wortes nehmen sollte. Lachmann bezeichnet den Vers 80 man mir at bürc énigèru. Ich kann daraus seine Meinung nicht sicher entnehmen; welche sie aber auch sei, so viel sebe ich, dass ich nicht würde beitreten können. Der Vers erfordert nach meiner Ansicht nothwendig eine Berichtigung, und dieselbe ergibt sich leicht: denn es bedarf nur der Annahme, dass dem Schreiber hier dasselbe begegnete, was V. 61 und noch in grösserem Masstab V. 52 u. 33, nämlich dass er beim Niederschreiben die Worte bure und énigèru verstellte, ein Fall, der so häuſig vorkommt, selbst in den sorgfältigsten Handschriften(z. B. Otfr. I, 5, 61 nust siu gibur- dinèt kindes diures, wo der Reim zeigt, dass die Wörter giburdinòôt und kindes ihre Stelle gegenseitig vertauscht haben, und zu lesen ist: nust siu kindes giburdinòôt diures) dann erhalten wir den Vers man mir at ênigèéru burc, worin nicht nur das Mass untadlich ist, sondern auch das Reimwort bure eine bessere Stelle hat. Das Adv. als demonstrativ mit folgendem ni hat bei koncessivem Verhältniss der Sätze gleich dem griech. 00* 639, 00G/ O0rος die Bedeutung»gleichwohl nicht, dennoch nichtz⸗« so wie es als Relativum obgleich heisst z. B. Otfried III, 20, 24. thaz kleibt er imo, so' er es ni bat, in therò ougòônd stat. Der Ausdruck banún wemu gifestan wörtlich:»einem den Tod oder den Todes- streich befestigen« vergleicht sich fast unserem⸗-»einem etwas anbeftene und heisst nichts anders, als: den Todesstoss versetzen, beibringen.

Zu Vers 56. in sus heremo man. Hier wie Vers 7 heisst das Adj. hèr micht hoch- sestellt, vornehm, sondern was in alter Zeit wohl eine gelufige Bedeutung gewesen sein mag, alt, betagt, mit dem Nebenbegriff des Ehrwürdigen, also altehrw ürdig oder mit Ehren alt geworden, sodass es einmal hier entgegengesetzt ist den Worten Iadubrands pist alsô gialtèt man, sd èwin inwit fôrtés, welche den Begriff»alter Betrügere um- schreiben; zweitens dasselbe ausdrückt, was in mittelhochd. Gedichten der alte Hildebrant. Später beginnt der Begriff alt in dem Wort zu erlöschen, und es bleibt ausschliesslich der Begriff des»Ehrwürdigen, Hochstehenden«. Doch wird die Bedeutung alt noch lange gespürt. Daher kommt es, dass herôti allgemein das lat. senatus(worin auch der Begriff des Alters liegt) wiedergibt; daher übersetzt Notker Marc. Cap. pP. 59(Graff) praccipueque sena- tores deorum, qui penates ferebantur tonantis ipsius durch: ze dôrist tie hèérosten, die Jovis ingeside hiezen, wo senatores offenbar im Sinne von seniores steht. Ebend. S. 69 ist Ardua tune senior succendit plaustra Bootes wiedergegeben durch Unde Bootes hèrosto dero nörd- zéicheno zunta die wägena, wo hèrosto doch wohl das lat. senior übersetzt. Ebenso führt Graff Sprachs. IV, 988 heriro als Uebersetzung von senior aus Rero an.

Zu Vers 57. bihrahanen; so die IIds. Grimm Gramm. II, S. 168 sagt darüber: rahanjan(Spoliare)? einziger beleg Hild., wo bihrahanen, doch alliteration(reht, rauba) und das altn. raena verurtheilen die anlautende spirans«. Ders. deutsche Myth. I S. 288, 2. Ausg.(S. 197, 1. Ausg.)»Gattin des meergottes Oegir war Ràn, beide erzeugten neun töch- ter, die in der edda namentlich aufgeführt und Raànar oder Oegis doetr genannt werden. ertrinkende menschen fallen der Rän anheim, und schon daraus folgt ihre göttlichkeit. fara til Ränar heisst zur see ertrinken. Die ertrunkenen zog sie in einem netz an sich, raubte