Aufsatz 
Die ältesten alliterirenden Dichtungsreste in hochdeutscher Sprache : das Hildebrandslied, die Merseburger Zaubersprüche, das Wessobrunner Gebet und Muspilli : berichtigte Urschrift mit metrischer Uebersetzung in der ursprünglichen Versform und Anmerkungen / von H. Feussner
Entstehung
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aber maun fühlt leicht, dass er im Grunde hinzugedacht wird. Häalt man diese Stelle Otfrieds mit den beiden angeführten aus Notkers Boethius zusammen, so kann wohl nicht gezweifelt werden, dass man in der Bedeutung sich der Waffen begeben oder entäussern sagen konn- te sih derò hregilé hrümen. Ferner gibt dieser Begriff im Zusammenhang mit dem folgenden Vers einen besseren Sinn, als die Aenderung sih derô hregilé hruomen: denn diese sagt im Wesentlichen dasselbe, was die Worte erdo deserò brunndônd bèédèrò waltan, nämlich wer heute den Siegespreis davon tragen soll. Die präcise Sprache unsers Dichters aber sagt nicht leicht dasselbe zweimal, wo einmal genügt. Dagegen setzt die handschriftliche Lesart gerade sehr passend und nachdrucksvoll den zweiseitigen Ausfall des Rampfes: wer von uns heute Besiegter, wer Sieger sein soll; und für diesen Wechselfall passt auch besser die Verbindung durch das disjunktive erdo, während für jenen Sinn die Verbindung durch enti angemessener wäre.

Zu Vers 63 68. Diese Verse enthalten die gedrungene Schilderung des Rampfes. So wie der Dichter die mit der Lage der Helden gegebenen Anlässe, und die in ihren Charak- teren liegenden Beweggründe, welche den Rampf herbeiführen mussten, im Vorhergehenden sehr geschickt entwiekelt und dem Hörer oder Leser zum Bewusstsein gebracht, eben so- geschickt hat er ihn auch darin schon auf alle die Streitarten vorbereitet, in denen der Zweikampf aus- gefochten wird. Diese sind:

1) Speerwurf aus der Ferne(V. 63 u. 64), worauf schon Vers 41 hingewiesen wurde, wenn es hiess, wili mih dinü sperù werpan. Zu bemerken dabei ist, dass unserm Dichter der Speer zum Wurfe, der Ger zum Stechen dient, gerade das Umgekehrte von dem Gebrauck heider Waffen in der- spätern Zeit.

2) Gerstechen(hurt) mit Anrennen der Rosse gegen einander(puneiz) V. 63. Diese Rampf- art ist V. 38 u. 59 schon angedeutet in den Worten: mit gèérù scal man gebà infähan ort widar orte.

3) Schwertkampf(V. 66 68), worauf V. 53 hingewiesen wurde mit den Worten swertú hauwan.

4) Als letzte Kampfart würde, wenn unser Bruchstück weiter ginge, diesen Andeutungen des Dichters nach der Rampf mit der Streitaxt gefolgt sein, welcher zuletzt V. 34 in den Wor- ten: Dretôn mit sinu billiâ als zu erwarten dem Höôrer bezeichnet wird. Hierauf wird der Sieg sich far IHildebrand entschieden haben, wie schon aus der Anlage unsers Liedes nicht zweifelhaft erseheinen kann und nach der spätern Sage gewiss ist.

Im Einzelnen ist zu hemerken

Zu Vers 63. Das Verbum scritan hat man lange für gleich dem ahd. scritan schreiten gehalten und die Stelle übersetzt:»da liessen sie die Rosse mit Eschenlanzen schreiten ohne an der Sonderbarkeit des Ausdrucks: sie Hiessen die Rosse- schreiten mit Eschenlanzen An- stoss zu nehmen, und ohne zu bemerken, dass hier noch gar nicht vom Ansprengen mit dem Speer. zum Stich, welche Kampfart erst folgt und durch die Worte do stöptun samane, staimhort chludun bezeiehnet wird, die Rede war, sondern vorerst nur vom Lanzenwurf aus der Ferne. Die richtige Auffassung des Wortes und der Stelle verdanken wir, so viel ich Meiss, zuerst J. A. Schmeller(Wrtrb. zum Heljand); näehst ihm J. Grimm Gr. IV, S. 709 (S. 640 f. noch die alte Auffassung), wo es heisst:»Hild. 63 lacttun se èrist askim scritan, scarpèn scůrim darf scritam nicht wie bisher geschehen, durch schreiten(progredi, currere) erklärt werden. Es ist das goth skreitan(seindere), ein starkes, bei mir einzutragen verges- vemes verbum, wovon disskreitan Marc. 14, 63, und disskritnan(Scindi) Matth. 27, 51. Die ahd. form würde scrizan, screiz, lauten und lebt noch in dem heutigen schreissen oberdeut-