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seine Bemühungen um sie, verbunden mit dem Anstoss, den er überhaupt dem Volksgeiste gab, wenigstens den Erfolg, dass der alte noch nicht ganz erstorbene Stamm der Volkspoesie durch einen Seitenspross auf anderem Boden nochmals einige Blätter und Blüthen trieb. Denn durch des grossen Herrschers Beispiel gestützt, wagten bald einzelne vaterländisch fühlende Maänner aus dem Stande der Geistlichen, der die früher dem gesammten Volke anheim gegebene Sache der Bildung jetzt ausschliesslich in seiner Hand hielt, ermuthigter der herrschenden Ausicht der Rirche und ihres Standes gegenüber den Versuch, auch auf christlichem Grund und Boden der heimischen Dichtung und Sprache eine Stätte zu erobern. Ronnten die Bestrebungen solcher Manner nun auch den durch die Zeitumstände begründeten Rückgang der vaterländischen Dichtung und Sprache nicht aufhalten, so verdanken wir ihnen doch immer manches Schätzenswerthe. Ohne sie würde unsere Literatur aus diesem Zeitraum nicht das unten folgende Wessobrunner Gebet und das bedeutendere Gedicht von dem Weltende, gewöhnlich Muspilli genannt, wurde sie ferner nicht die beiden auch an Umfang bedeutendsten Werke des neunten Jahrhunderts die dich- terischen Bearbeitungen der evangelischen Geschichte, den altsächsischen Heljand und Otfrieds Rrist aufzuweisen haben. Doch sind diese Werke nur Nacktriebe des ehemals Kräftigen Stam- mes der heidnischen Volkspoesie und spiegelu, wenn man die ihnen nachfolgenden Werke hinzu- nimmt, in ihrer Reihe deutlich die fortschreitende Abnahme dichterischer Rraft. Um wie viel näher ihre Verfasser noch dem Zeitpunkte stehen, wo der Volksstamm, dem sie angehören, sei- nen alten Glauben aufgab, um so viel mehr durchwelt ilre Werke noch der freie, frische Geist der alten Volksdichtung, herrscht darin noch eine gedankenkräftige lebendige Darstellung, eine ein- fach reiche, treffende Sprache; je weiter dagegen von diesem Zeitpunkt entfernt, desto matter und engherziger der Geist, desto unvermögender und geschmackloser die Darstellung, desto ver- wahrloster und verkommener die Sprache, bis erst in der zweiten Hälfte des 12. Jahrh. unter der Regierung der Hohenstaufen, besonders Friedrich Barbarossa's der Geist des ganzen Volks aus den fremden Fesseln sich aufrafft, und die Dinge wieder eine bessere Wendung nehmen. Erreichten aber hiernach Karls d. Gr. Bestrebungen zum Besten der Aufrechthaltung von Poesie und Sprache ihr Ziel nur theilweise, so war noch weniger die Veranstaltung von dauern- dem Erfolge begleitet, welehe er traf, die alten Dichtwerke aus heidmischer Zeit dadurch vor dem Untergang zu bewahren, dass er eine Sammlung von ihnen anlegen liess. Diesen Dichtun- gen, weil sie das Gepräge ihres heidnischen Ursprungs trugen, war die Richtung der Zeit noch mehr entgegen, als der vaterländischen Dichtung und Sprache an sich; und sie sind daber auch sämmtlich zum unersetzlichen Verlust far die Eutwickelungsgesekichte unseres Volkes unterge- gangen bis auf einige wenige Trümmer, die ein glückliches Ungefähr aus dem allgemeinen Schiff- bruch bis auf unsere Tage gerettet hat. Diese sind um so höher zu schätzen, als sie die einzi- gen ursprünglichen Belege für die Beschaffenheit unserer ältesten Dichtkunst darbieten. So we- nig umfangreich sie aber auch sind, so erhöben sie doch durch ihre innere Beschaffenheit noch die Meinung, die wir uns muthmasslich zum Theil schon nach den Andeutungen des Römers Tacitus, mit grösserer Bestimmtheit nach den Aussprüchen und den prosaischen Auszügen aus alten Dichtungen, welche der Gothe Jornandes gegen die Mitte des 6. und der Longobarde Paul Warnefried's Sohn im Laufe des 8. Jahrh. ihren Geschichtswerken einverleibten, am bestimm- testen endlich aus dem in eiuer lateinischen Uebersetzung aus dem 10. Jakrh. uns erhaltenen Gedicht von Walther von Aquitanien und aus den vornehmlich im 13. und 14. Jahrh. in zwar neuen, aber auf alter Ueberlieferung ruhenden Bearbeitungen wieder zum Vorschein kommenden Dichtungsstoffen aus jenen frühsten Zeiten, wie den Nibelungen, der Gudrun u. s. W., uns von
unserer ältesten Volksdichtung bilden müssen. In althochdeutscher Sprache beschränkt sich das Gerettete auf Folgendes:


