44
zog seine Truppen zurück, da er eine regelrechte Schlacht vermeiden wollten. Ferner hatte Cäsar dadurch sein kleines Lager geschützt und vermieden, dass die Feinde den Legionen in den Rücken fielen— auch das war nur möglich, wenn wir die Stellungen der Reserven so annehmen, wie eben dargelegt. So hatte(Cäsar durch die geschickte Verwendung der ge- schlossenen Reserve, die hier zum erstenmal in der Kriegsgeschichte verwendet wirdꝰ, und zwar nach denselben Grundsätzen, die noch heute gelten, erreicht, dass dieser Handstreich nicht ganz misslang und der Rückzug nicht ganz in wilder Flucht endete und den Römern gar ihre Lager kostete.
Es erübrigt jetzt noch festzustellen, welche Rolle die Aduer während dieses Kampfes gespielt haben. Als die Gallier von ihrer Schanzarbeit zurückgekommen waren und das Hand- gemenge in wildem Durcheinander sich zwischen den Mauern und den Wällen und am Abhang des Berges abspielte, da erschienen plötzlich von rechts die Aduers. Die römischen Soldaten gerieten in grosse Bestürzung, sie glaubten, es seien verkleidete Feinde“. Weiter hören wir nichts von dem Anteil, den die Aduer am Verlauf der Schlacht genommen haben. Fragen wir zunächst nach dem Auftrag, den ihnen Cäsar gegeben hatte: Cäsar gibt anꝰ, dass er zu gleicher Zeit mit den übrigen Legionen die Aduer abrücken lässt, mit der Weisung, an einer anderen Stelle rechts den Aufstieg zu bewerkstelligen, später’ wiederholt er den Wort- laut unter Hinzufügung des weiteren Zwecks, nämlich„die feindlichen Scharen auseinander zu halten“.
Wir fragen weiter, wie entledigen sich die Aduer dieses Auftrags? Die Aduer sollten also den Angriff auf der Südseite des Berges nicht mitmachen, auch waren sie nicht als Demonstrationstruppen nach links verwandt worden, sondern rechts, d. h. an der ganz schroffen Ostseite des Berges sollten sie sich einen Aufstieg suchen. So wird der Auftrag verstanden und auch zunächst auszuführen versucht. Denn hätten sie die Angriffslinie der Römer nur im Südosten verlängert, dann hätten sie die Römer kaum aus den Augen ver- loren, sie wären eher da gewesen, und ein derartiger Schrecken hätte nicht eintreten können.
Die Aduer rückten aus dem grossen Lager ab, erreichten die Südost- und Ostseite des Berges und sahen, dass hier schlechterdings ein Hinaufkommen unmöglich war, wahrscheinlich wollten sie dann weiter nach der Nordseite marschieren, da hörten sie den Lärm und das Getöse auf der Südseite, wandten sich um den Berg herum, tauchten plötzlich in der Nähe des heutigen Gutes Gergovie“ auf und jagten so den Römern den Schrecken ein. Hier konnte es leicht möglich sein, dass man sie erst bemerkte, als sie ganz nahe heran waren, das Gelände ist sehr unübersichtlich, und man kann sich nur schwer von der Ostseite durch die Schluchten noch heute an die Südscite heranarbeitens. Trotzdem muss es uns Wunder nehmen, dass das Auftauchen der Aduer solche Panik hervorrief. Wir werden wohl nicht fehlgehen, wenn wir annehmen, dass Cäsar hier stark übertreibt, um den fluchtartigen Rückzug der Seinen zu ent- schuldigen und zu beschönigen. Dazu passt auch, was er weiter in diesem Kapitel 50 über
¹ Vgl. Kap. 51, 3, 4.
2²2 Vgl. Veith, S. 198.
3 Vgl. Kap. 50, 1 subito sunt Aedui visi ab latere nostris aperto.... Jull. H. d. I. G. III, 474, 77—78 nimmt an, dass es Reiterei gewesen sei; ich gebe nur eines zu bedenken, dass der Auftrag für Reiterei doch ganz unausführbar gewesen wüäre.
4 Vgl. Kap. 50, 2... vehementer nostros perterruerunt....
5 Vgl. Kap. 45, 10 ab dextra parte alio ascensu eodem tempore Aeduos mittit.
6 Vgl. Kap. 50, 1 quos Caesar ab dextra parte alio ascensu manus distinendae causa miserat.
7 Vgl. J.— S. Verking. S. 177 und 312. 3
8 Vgl. J.— S. Verking. S. 304.


