Aufsatz 
Gergovia. Eine Cäsarstudie auf Grund eigener Anschauung
Entstehung
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die Heldentaten einzelner Centurionen sagt. Wenn der eine oder der andere auch in diesem Durcheinander im ersten Augenblick der Bestürzung in den Aduern auftauchende Feinde vermutete, muss sich doch jeder sofort durch ihr Verhalten von seinem Irrtum überzeugt haben. Selbst wenn man alsbald die Aduer erkannte, ihnen aber nicht traute, ist die Panik unerklärlich.

Wir fragen nun, was beabsichtigte Cäsar, als er den Aduern den Auftrag gab? Er wusste ganz genau, auf der Ostseite kann man nicht hinauf; dort waren keine Lager, dann war ja nichts zu fürchten. Welche feindlichen Truppen sollten sie hier auseinanderhalten? Es waren ja keine Truppen mehr in den Lagern, nur noch wenige Leute, die gar keinen Wider- stand hätten versuchen können?. Alles war draussen bei der Schanzarbeit. Es erscheint mir demnach als durchaus wahrscheinlich, dass Cäsar die Aduer gar nicht verwenden wollte. Sie sollten aus dem grossen Lager heraus, damit sie nicht etwa unterdessen die Besatzung nieder- machten und plünderten, sie sollten mit den Seinen gar nicht in Berührung kommen, sonst würe ja die Verwendung als Demonstrationstruppe noch möglich gewesen, er schickte sie nach einer Seite, wo gar nichts zu verderben war, wo sie auch an den Feind nicht heran- konnten, um sich mit ihm zu verbinden. Cäsar traut ihnen nicht mehr nach den letzten Vorkommnissen, er spricht aber nichts davon, wie er sie überhaupt sehr schonend behandelt in seinem Bericht. Er handelt einfach so, dass sie durch einen Auftrag, den sie schlechter- dings nicht ausführen können, für diesen Fall unschädlich gemacht sind. Es wird nicht in seiner Absicht gelegen haben, dass die Aduer noch auf dem Kampfplatz erschienen. Er rechnete wohl auch mit der Stimmung der Soldaten gegen die Aduer und wollte somit das verhüten, was nachher doch eintrat, dass ihr Erscheinen zum mindesten vorübergehend Schrecken einflösste.

Der Kampf war zu Ende, Cäsar geschlagen, aber doch nur so, dass er immer auch noch einen Erfolg dabei für sich in Anspruch nehmen konnte, denn Vercingetorix nutzte den Sieg nicht weiter aus, indem er sich zurückzog und auch an den beiden folgenden Tagen, als Cäsar seine Truppen zum Kampf vor dem Lager auistellte, die Schlacht nicht annahm. So hatte Cäsar seinen Soldaten gegenüber entschieden einen moralischen Erfolg errungen. Darauf war es ihm ja vor allen Dingen angekommen. Er brauchte das Vertrauen und die unbedingte Ergebenheit der Seinen jetzt mehr denn je, nie hatte er sich in einer gleich verzweifelten Lage befunden. Die Römer traten den Rückzug an nach Norden. Cäsar sah die Gefahren deutlich vor Augen Vercingetorix konnte ihm folgen und ihn vor dem Ubergang über den Allier vernichten, die Aduer konnten von Norden her den Weg versperren aber er musste alles daransetzen, die Verbindung mit Labienus zu erzwingen, womöglich auch seine Depots zu retten. Er kam glücklich über Allier und Loire, trotzdem die Aduer schon abgefallen waren, die Depots in Nevers rettete er zwar nicht mehr, aber Sens blieb ihm, er konnte Labienus mit seinen Legionen glücklich die Hand reichen, den Marsch nach Besançon an- treten, von dort aus hatte er mehr freie Hand, entweder die Offensive wieder zu ergreifen, oder sich in die Provinz zurückzuziehen. Bei Dijon suchte ihm Vercingetorix den Weg zu verlegen, da trat die entscheidende Wendung ein: Durch die germanischen Reiter siegte Cäsar, Vercingetorix ging auf Alesia zurück. Sofort ergriff Cäsar wieder die Offensive, und durch den beispiellosen Erfolg der Belagerung von Alesia war Cäsars Sache gerettet, Galliens Schicksal besiegelt und damit auch das seines genialen Führers Vercingetorix, dieses wirklich

¹ Vgl. oben S. 12, 13. ¹ Vgl. Kap. 44, 5; 45, 7. ³ Vgl. Veith, S. 197.