Aufsatz 
Gergovia. Eine Cäsarstudie auf Grund eigener Anschauung
Entstehung
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12.

Die Schilderung der nun folgenden Vorgänge hat zu verschiedenartigen Deutungen ge- führt, namentlich die Stellungen der Reserveabteilungen sind immer wieder anders angegeben worden!. Indes, glaube ich, kann man auf Grund der Angaben Cäsars, der Kenntnis des Terrains und unter Berücksichtigung der taktischen Absichten des Feldherrn zu einem ziem- lich eindeutigen Ergebnis gelangen. Folgen wir Cäsars Angaben Kap. 47 ff. Cäsar war mit der zehnten Legion gefolgt, er muss einen Standpunkt eingenommen haben, der ihm einmal ermöglichte, die Seinen in den feindlichen Lagern zu sehen, dann aber auch die herannahenden Feinde von Westen her im Auge zu haben, nahe genug, um sofort eingreifen zu können. Mit diesen drei Gesichtspunkten scheint mir seine Stellung auf dem Höhenzug, der die vom Col des Goules herabziehende Mulde begleitet, bestimmt zu sein. Die Stellung war hinter dem linken Flügel seiner stürmenden Legionen. Hier gab er das Zeichen zum Rückzug, als er die drei Lager erstürmt sah und links die Gallier herbeiströmten?. Sofort stand die zehnte Legion; bei den übrigen aber trat nun das ein, was der Feldherr gefürchtet hatte und wovor er bei der Angabe seiner Direktiven die Unterführer besonders gewarnt hatte: Die Legionen liessen sich nicht halten, so sehr sich auch die Tribunen bemühten, die strengen Befehle ihres Feld- herrn durchzuführené. Deshalb tadelt später(Cäsar die Soldaten, dass sie auf eigene Faust gehandelt und nicht auf das Signal und die Befehle gehört hätten. Zu gleicher Zeit gibt aber Cäsar auch eine Entschuldigung an, sie hätten das Signal nicht gehört, weil ein ziemlich bedeutendes Tal dazwischen gelegen hätteb. Diese beiden Ausführungen widersprechen sich: entweder die Soldaten hörten das Signal nicht, dann hörten es auch die Führer nicht und konnten sie nicht zurückzuhalten suchen; warum dann die Vorwürfe? oder sie hörten es so gut wie ihre Führer, waren aber so im Eifer, dass sie blindlings weiterstürmten.

Wir müssen zunächst fragen, ob durch die Angabe, dass ein Tal dazwischen gelegen hätte, es genügend begründet wäre, dass das Signal überhört werden konnte. Meiner Ansicht nach ganz und gar nicht. Selbst wenn das Signal von einem weiter zurückliegenden Punkt gegeben worden wäre, musste der Schall hinüberdringen; von einem Tal kann gar nicht die Rede sein, und die Entfernung beträgt von Cäsars Stellung bis zu den kämpfenden Legionen keinen Kilometer. Es war eben so, wie es Kap. 47, 3 auch dargestellt wird, im Siegestaumel und voller Wut stürmten sie weiter, froh, jetzt endlich an dem Feinde zu sein.

Es folgen die Heldentaten einzelner, die aufgeregten Szenen der Weiber auf der Mauer der Stadt; immer zwischendurch Fortsetzung der Schilderung des Kampfes. Man sieht hier, wie an anderen Stellen, deutlich Cäsars Absicht, durch kleine Abschweifungen bald weiss er von Ruhmestaten der Seinen zu berichten vgl. Kap. 46, 7; 50, 3. 4, bald malt er Szenen

¹ Veith, S. 510 und Karte, Beilage 15, scheint mir im allgemeinen das Richtige getroffen zu haben. Ich bin im wesentlichen zu demselben Ergebnis gekommen, als ich vom Roche blanche aus mir an der Hand des Textes die Situation klar zu machen versuchte, ohne Veiths Karte zu kennen. Alle übrigen Erklärer und Karten(vgl. Jull. H. d. 1. G. III, 476 flg.) begehen den Hauptfehler, die Reserven in der Rückzugslinie der Truppen selbst anzusetzen.

² Nicht auf dem Roche blanche vgl. Jull. H. d. I. G. III, 475.

³ Vgl. Kap. 47, 2 tamen ab tribunis militum legatisque, ut erat a Caesare praeceptum, retinepantur.

*Vgl. Kap. 52, 1 temeritatem cupiditatemque militum reprehendit, quod sibi ipsi iudicavissent, quo pro- cedendum aut quid agendum videretur, neque signo recipiendi dato constitissent neque ab tribunis militum legatisque retineri potuissent.

5 Vgl. Kap. 47, 2 non exaudito tubae sono, quod satis magna valles intercedebat.

² Die Worte: ut erat a Caesare praeceptum darf man nach dem ganzen Zusammenhang nicht so deuten, als ob Cäsar im voraus den Augenblick angegeben hätte, wann er den Rückzug angetreten wissen wolle, sondern sie beziehen sich darauf, dass er die Führer ermahnt hatte, ihre Truppen jederzeit soweit in der Hand zu haben, dass sofort seine Befehle ausgeführt werden könnten. Deshalb entnehme ich neben Kap. 52, 2 auch dieser Stelle, dass die Unterführer und somit auch die Soldaten das Signal hörten.