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Die Befehle lauteten zunächst ganz allgemein; Cäsar wusste nicht, wie weit der Angriff durchgeführt werden konnte, das hing von dem Erscheinen der Gallier ab. Je nach deren ESintreffen wollte er das Rückzugssignal geben. In diesem Sinn wird er mit den Legaten ge- sprochen haben. Die Schwierigkeit bei einem solchen Auftrag lag eben darin, die Truppen in der Hand zu behalten. Darum gemahnt Cäsar seine Unterführer besonders daranl. Tat- sächlich verlieren schliesslich die Führer die Soldaten aus der Hand, sogar die Centurionen lassen sich nicht halten?. All das hatte Cäsar vorausgesehen und darnach, wie wir sehen werden, seine Massnahmen getroffen. Durch seine Ruhe und Uberlegung wird schliesslich allmählich die Ordnung wiederhergestellt.
Cäsar berichtet nun mit wenigen Worten, wie der Sturm auf die Verschanzungen ver- lief. Der Feldherr lässt das Zeichen zum Ausmarsch aus dem kleinen Lager geben, die Truppen kommen an die Verschanzungen heran, nehmen drei Lagers. Für uns erheben sich dabei mancherlei Fragen, auf die wir von Cäsar keine unmittelbare Antwort erhalten. Suchen wir uns den Vorgang klarzumachen. Der Angriff erfolgt vom kleinen Lager aus— auch hier war eine kleine Besatzung geblieben— mit den vier noch verfügbaren Legionen. Im Laufschritt gehts den Roche blanche hinab in die Senkung nördlich und nordöstlich des Berges, dieser entlang bis gegen das jetzige Dorf Gergovia, dann konnten sich die Truppen erst ent- falten, d. h. nach rechts und links in die Schluchten oder besser Mulden einschwenken, die an die Verschanzungen heranführten. So ergibt sich der Vormarsch aus der Beobachtung an Ort und Stelle und die Angaben bei Cäsar lassen sich damit vereinbaren“. Die Uberraschung gelang allerdings glänzend. Cäsar illustriert dies durch die Anekdote von der UÜberraschung des Teutomatus bei seinem Mittagsschläfchen’. Jedenfalls war die Besatzung der Lager sehr schwach; man lebte in der Gewissheit, dass man hier auf der Südseite hinter den Verschan- zungen ganz sorglos sein könne, aber dass man gar nichts gemerkt haben soll von dem An- marsch von Tausenden von Soldaten, das ist unmöglich. Indes der Widerstand ist gering gewesen und drei Lager wurden genommen⁰. Mit dem Angriff auf nur drei Lager hoffte Cäsar die Truppen mehr zusammenzuhalten. Sicherlich wurde der Sturm auch nur von drei Legionen? ausgeführt, die Xte mit Cäsar hat zuerst gar nicht in den Kampf eingegriffen. Seine Lieb- lingstruppe behielt er in der Hand, um sie in entscheidendem Moment zu energischem Ein- greifen einsetzen zu können. Dazu bot sich bald Gelegénheit, wie der Feldherr wohl voraus- gesehen hatte. Denn mit dem Sturm auf die Lager war ja dem Feinde gegenüber Cäsars Ab- sicht schon erreicht, aber das Schwierigste war, beim Gegenstoss der Gallier wieder einiger- massen geordnet und ohne allzugrosse Verluste zurückzukommen.
¹ Vgl. Kap. 45, 8 in primis monet, ut contineant milites, ne studio pugnandi aut spe praedae longius progrediantur; quid iniquitas loci habeat incommodi, proponit; hoc una celeritate posse mutari; occasionis esse rem non proelii.
² Vgl. Kap. 47, 3.
s Vgl. Kap. 46, 4 milites dato signo celeriter ad munitionem perveniunt eamque transgressi trinis castris potiuntur.
¹ Vgl. Kap. 46, 1, 2 oppidi murus ab planitie atque initio ascensus recta regione, si nullus amfractus intercederet, mille passus CO aberat, quicquid huc circuitus ad molliendum clivum accesserat, id spatium itineris augebat. Vgl. die Karte von Gergovia bei Veith, Beilage 15 u. S. 510 des Textes.
g, g
s Vgl. Kap. 46, 5.
²¹ Jull. H. d. I. G. III, 468, Anm. 2 meint, es seien hier nur drei Lager gewesen. Ich glaube, dass es mehr waren, so auch Sieglerschmidt, vgl. J.—S. Verking. S. 175 Anm.
1 Vgl. J.— S. Verking. S. 175 und H. d. I. G. III, 479. Man muss dabei auch sehr bedenken, dass bei dem verhältnismässig kleinen Raum drei Legionen schon sehr eng zusammengedrängt nebeneinander kämpften..


