Aufsatz 
Gergovia. Eine Cäsarstudie auf Grund eigener Anschauung
Entstehung
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zerstören lassen. Das entsprach ganz seinem Plan, unter allen Umständen eine Schlacht zu vermeiden. Denn solange Cäsar auf dem rechten Ufer festgehalten wurde, konnte er ihn nicht stellen.

Der Anmarsch auf Gergovia begann. Cäsar marschierte auf dem rechten, Vercingetorix auf dem linken Ufer. So zogen sie etwa drei Tage neben einander, grosse Strecken legten sie nicht zurück, denn der Weg am Flaver entlang, der durch die Schneeschmelze im Gebirge wohl noch Hochwasser führte, bot sicher grosse Schwierigkeiten. Ferner musste Cäsar die Meldungen seiner Aufklärungskavallerie abwarten, sie brachte ihm auch die traurige Nach- richt, dass alle Brücken über den Fluss zerstört seien und der Uebergang durch eine Furt vor Herbst in der Regel ausgeschlossen sei'. Aber warten konnte Cäsar nicht, jeder Tag stärkte die Feinde und gab die Möglichkeit zu noch engerem Zusammenschluss der gallischen Staaten.

Er benutzte also die erste Gelegenheit, wo das Gelände es ihm erlaubte, sein Lager ge- deckt aufzuschlagen?. Am andern Morgen lässt er zwei Legionen zurück und marschiert mit den übrigen vier und der ganzen Bagage weiter. Dadurch, dass er die einzelnen Kohorten mit grösserem Abstand marschieren liess, erreichte er angeblich, dass die Feinde das Fehlen der zwei Legionen nicht merkten. Als die vier Legionen auf der einen und die Gallier auf der andern Seite weitergezogen waren, lässt er von den beiden zurückgebliebenen Legionen die Brücke, deren Köpfe noch stehen geblieben waren, wieder herstellen, setzt über und be- zieht ein befestigtés Lager'.

Es ist wohl kaum wahrscheinlich, dass Vercingetorix weder selbst noch durch seine Patrouillen oder die Leute der Umgegend nichts von dem Bau der Brücke gemerkt habe. Er wollte einfach die Sache nicht hindern, sonst hätte er sich der Gefahr einer Schlacht aus- gesetzt. Es wäre ihm doch sehr leicht gewesen, gleichzeitig mit Cäsars Truppen zurück- zuziehen und ihnen den Übergang unmöglich zu machen. Seine Absicht war eben nur, Cäsar aufzuhalten, um ihn zu hindern vorauszuziehen, ihn zu stellen oder vor Gergovia abzuschnei- den. Das war erreicht, und so liess er ruhig die Römer auf das linke Ufer des Flusses ge- langen. Er selbst gewann dadurch einen Vorsprung von fast zwei Tagen. Denn(äsars Truppen werden im Lauf der Nacht an der Brücke eingetroffen sein; es dauerte geraume Zeit, bis etwa 16 000 Mann und die Bagage von sechs Legionen übergesetzt waren. An diesem Tage wird Cäsar nicht mehr viel weitermarschiert sein, während Vercingetorix sofort seinen Marsch fortsetzte, um vor Cäsars Eintreffen noch alles aufs beste in der Stadt zu organisieren. Nur langsam folgte Cäsar zunächst dem Flusse entlang, den sanft ansteigende Hügel begleiten.

Seine Aufgabe war ihm gestellt, er musste sich mit dem Gedanken vertraut machen, vor Gergovia eine Entscheidung zu suchen. Wie schwierig diese Aufgabe war, sollte er bald erkennen. Am vierten Tage kam er etwa in die Gegend des heutigen Clermont-Ferrand. Hier sah er die Berge der Auvergne, davor als Abschluss nach Norden gegen die Ebene, aus der er anrückte, das Plateau von Gergovia, das 300 Meter aus der Ebene emporragt. Was er nicht sah, sagten ihm seine Patrouillen. Er erfuhr, dass der Anmarsch nur auf der

Vgl. Kap. 35.

² Die Stelle wird verschieden angegeben, teils bei Moulins, 100 km von Gergovia, so von Göhler, Na- poleon, Jullian, vgl. H. d. 1. G. III, 459, Anm. 6. Ich schliesse mich der Ansicht, wie auch Veith, an, den Ubergang bei Varennes suchen zu müssen, 75 km von Gergovia, mit aus dem Grunde, weil er nach Moulins noch einen grössern Seitenfluss(Sioulet) hätte überschreiten müssen und der Marsch die nächsten fünf Tage sehr langsam weiterging.

³ Vgl. Kap. 35, 5, 6.